Vergilius Augusteus

Vergilius Augusteus – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. lat. fol. 416 et Cod. lat. Vat. 3256 – Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Berlin, Deutschland)

Rom (Italien) — 2. HĂ€lfte des 4. Jahrhunderts

Wegweisend fĂŒr die Buchkunst des Mittelalters: Eines der Ă€ltesten Zeugnisse von Vergils Schaffen in einer spĂ€tantiken Handschrift des 4. Jahrhunderts mit großen Zierinitialen auf jeder Seite

  1. Diese Vergil-Handschrift (70–19 v. Chr.) ist fĂŒr Philologen, PalĂ€ographen und Kunsthistoriker gleichermaßen interessant

  2. Entstanden im 4. Jahrhundert, enthĂ€lt sie 15 dekorative Initialen, die fĂŒr die Buchmalerei richtungsweisend waren

  3. Zwar sind nur 284 von ursprĂŒnglich fast 13.000 Versen erhalten, aber sie gehören zu den allerĂ€ltesten Zeugnissen der Arbeit Vergils

Vergilius Augusteus

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Beschreibung
Vergilius Augusteus

Die von Sueton ĂŒberlieferte Grabinschrift Vergils (70–19 v. Chr.) fasst die Sujets seines Dichterlebens knapp zusammen: „Weiden, Felder und Herrscher“. Damit sind seine Hirtengedichte (Eklogen), die Verse ĂŒber den Landbau (Georgica) und vor allem das von ihm verfasste römische Nationalepos, die Aeneis, gemeint. In all diesen Genres drĂŒckte er sich in insgesamt fast 13.000 Versen aus. Da mögen die in der Handschrift des Vergilius Augusteus erhaltenen 284 Verse zunĂ€chst wenig anmuten. Dennoch ist sie fĂŒr Philologen, PalĂ€ographen und Kunsthistoriker gleichermaßen interessant. Denn mit dieser spĂ€tantiken Handschrift aus dem 4. Jahrhundert reichen wir zeitlich mit am nĂ€chsten an Vergil selbst heran. WĂ€hrend die Schrift des Fließtextes, die Capitalis quadrata, nur ein Zwischenspiel in der Entwicklung der lateinischen Buchschrift darstellt, sind die 15 dekorativen Initialen fĂŒr die Buchmalerei richtungsweisend geworden.

Vergilius Augusteus

Worauf grĂŒndete der Vergilius Augusteus seinen Ruhm? Der Philologe wird antworten, daß er zu den allerĂ€ltesten Zeugnissen seines Textes gehört. Er wird aber zugleich einrĂ€umen mĂŒssen, daß die geringe Anzahl der erhaltenen Verse – 284 von ursprĂŒnglich fast 13.000 – die Bedeutung des Fragmentes als Textzeuge stark einschrĂ€nkt: tatsĂ€chlich wĂŒrde die textkritische Edition der opera maiora Vergils nicht anders aussehen, wĂ€ren unsere BlĂ€tter unbekannt geblieben.
Der PalĂ€ograph wird den Vergilius Augusteus als den Rest einer seltenen Form spĂ€tklassischer Schrift, der sog. Capitalis quadrata, schĂ€tzen. Es handelt sich aber um einen recht kĂŒnstlichen Zweig auf dem Stammbaum der lateinischen Buchschrift, der von kurzer Dauer blieb und die darauf folgenden Schriftformen nicht merkbar beeinflußte.
FĂŒr den Kunstforscher ist die Handschrift ein Denkmal erster historischer Bedeutung, weil ihre fĂŒnfzehn Zierbuchstaben am Anfang einer Entwicklung stehen, die spĂ€ter zu einer fast unĂŒberschaubaren Anzahl von Initialen in Tausenden von Handschriften fĂŒhren sollte. Wie bescheiden sie auch wirken mag, in der dekorativen Ausstattung des Vergilius Augusteus liegt unstreitig sein grĂ¶ĂŸter Wert.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Augustus Vergil
Codex Augustus
Umfang / Format
14 Seiten / 42,0 × 34,5 cm
Herkunft
Italien
Datum
2. HĂ€lfte des 4. Jahrhunderts
Epoche
Sprache
Buchschmuck
14 ornamentale Initialen
Inhalt
Fragmente von Vergils Georgica aus Buch I und Buch III
Vorbesitzer
Claude Dupuy
Fulvio Orsini
Pierre Pithou
Georg Heinrich Pertz

VerfĂŒgbare Faksimile-Editionen:
Vergilius Augusteus – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. lat. fol. 416 et Cod. lat. Vat. 3256 – Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Berlin, Deutschland)
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1976
Einzelseite

Vergilius Augusteus

Georgica, Buch I

Diese Seite aus dem ersten Buch der Georgica, wie eine spĂ€ter hinzugefĂŒgte Notiz am oberen Rand weiß, beginnt wie alle anderen auch mit einer schlichten Initiale, die die erste Zeile weit ĂŒberragt. Sie ist mit einem Wellenmuster ornamentiert und weist eine subtile, nicht kolorierte Randleiste auf, die den gesamten Buchstaben rahmt und ihm einen grafischen Charakter verleiht, der gut zu der gleichmĂ€ĂŸgen Capitalis quadrata des Textes passt.

Obwohl die Initiale schlicht daherkommt, wohnt ihr doch eine bemerkenswerte Bedeutung inne. So ist sie eine der frĂŒhesten erhaltenen Initialen in der abendlĂ€ndischen Buchmalerei und steht fĂŒr den Beginn eines langen Prozesses, der dazu fĂŒhrte, dass Initialen aus BĂŒchern lange Zeit kaum wegzudenken waren. Als wĂ€re es das selbstverstĂ€ndlichste der Welt, strukturierten, gliederten und hierarchisierten Initialen das gesamte Mittelalter und die Neuzeit hindurch Texte und waren ein zentraler Bestandteil eines jeden Layouts. Die schlichten Initialen des Vergilius Augusteus stehen am Anfang dieser Entwicklung.

Vergilius Augusteus – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. lat. fol. 416 et Cod. lat. Vat. 3256 – Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Berlin, Deutschland)
Faksimile-Editionen

#1 Vergilius Augusteus

Details zur Faksimile-Edition:

Einband: Halbleder. Alle BlÀtter sind originalgetreu randbeschnitten.
Kommentar: 1 Band (32 Seiten) von Carl Nordenfalk
Sprachen: Englisch, Deutsch
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprĂŒnglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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