Miniaturen im Detail
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Atlas des Prinzen Eugen

Der schönste Atlas der Schweiz

Atlas des Prinzen Eugen

Der Atlas des Prinzen Eugen ist der schweizer Teil des Atlas Blaeu-van der Hem aus den Jahren 1622-1678. Der band umfasst 35 Ansichten und 8 Karten in Originalgröße.

Nach Prinz Eugen von Savoyen benannt ist dieser Schatz aus der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Der österreichische Adlige und Feldherr hatte den berühmten Atlas Blaeu-van der Hem, der im Besitz des Amsterdamer Patriziers Laurens van der Hem war, im 18. Jahrhundert erworben. In den Jahren 1662 bis 1678 war der 50-bändige Atlas als umfassendes geographisches Übersichtswerk zusammengestellt worden und galt in der Folge als bedeutende  Sehenswürdigkeit der Stadt Amsterdam. Matthäus Merian war als Kupferstecher beteiligt, seine Stiche wurden vom „Meister-Koloristen“ Dirk Jansz van Santen koloriert. Der hier vorliegende Band zur Schweiz versammelt wunderschöne Stadt- und Landschafts-Ansichten und interessante kartographische Darstellungen, die einen herrlichen Einblick geben in das Bild der Schweiz im 17. Jahrhundert!

Atlas des Prinzen Eugen, Tafel 42: Genf

Der Atlas des Prinzen Eugen - Ausfaltkarte mit Stadtansicht von Genf

Der Atlas des Prinzen Eugen - Ausfaltkarte mit Stadtansicht von Genf

Der berühmte 50-bändige Atlas Blaeu-van der Hem aus den Jahren 1622-1678 ist ein umfassendes und überreich bebildertes geographisches Übersichtswerk des 17. Jahrhunderts. Der 13. Band dieses Kompendiums, das Prinz Eugen von Savoyen im 18. Jahrhundert erwerben konnte und das sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek befindet, ist ganz der Schweiz gewidmet. 43 Kupferstiche und 50 Handzeichnungen geben einen herrlichen Überblick über die Topographie des kleinen, aber bedeutenden Bundes der Eidgenossen in den Alpen. Ein außergewöhnlich schönes Exemplar der zahlreichen Stadtveduten, die die Schweiz präsentieren, ist der Stadt Genf am Südende des Genfer Sees gewidmet. Hier wird nicht nur die Stadt und die sie umgebende Landschaft porträtiert, sondern zugleich auch auf ein bedeutendes historisches Ereignis der Stadtgeschichte angespielt.

Eine Stadt inmitten von Bergen, Flüssen und einem See

Tafel 42 des Bandes zur Schweiz ist der Stadt Genf, oder französisch Genève, gewidmet. Vor den Augen des Betrachters erstreckt sich eine majestätische Stadt inmitten einer herrlichen weiten Landschaft. In der Mitte des Blattes erstreckt sich in einem Tal zwischen den links und rechts aufsteigenden majestätischen Bergen ein See bis zum Horizont: der Genfer See. An seinem Südufer, wo die Rhone entspringt, liegt die idyllische Stadt Genf, durch den Fluss zweigeteilt: am linken Ufer in einer Ebene eine große Siedlung - der Stadtteil St. Gervais - rund um ein eindrucksvolles Kirchengebäude, am rechten Ufer auf einem ansteigenden Hügel am See der größere Teil, die eigentliche Stadt. Über den Fluss und eine Insel in seiner Mitte führen zwei Brücken und verbinden so die beiden Teile der Stadt. 

Historische Bauwerke und kleine Dörfer

Die Stadt ist umgeben von einer Festungsmauer. Unzählige kleine rote Dächer markieren die dichte Bebauung innerhalb der Mauern, gespickt mit markanteren Gebäuden mit blauen Dächern. Viele Türme prägen die Kulisse. Zu den markantesten Gebäuden zählt die Kathedrale St. Pierre, erbaut im 11. bis 13. Jahrhundert in prächtigem gotischem Stil. Außerdem erwähnenswert ist das Rathaus der Stadt im Stil der florentinischen Renaissance (1556-1578). Außerdem ist auf der Insel inmitten der Rhone der Tour de l`Ile zu erkennen, das frühere Schloss des Fürstbischofs und die Festung der savoyischen Herzöge.  Auch außerhalb der Stadtmauern sind einige Siedlungen zu erkennen. An der Mündung der beiden Flüsse liegt vor der Stadt ein Kloster. Und am rechten Bildrand auf einer Insel in der Arve – der Fluss, der rechts im Vordergrund in die Rhone mündet, ein Fluss der Westalpen, der in Frankreich entspringt und bei Genf in die Rhone mündet - befindet sich eine Zitadelle. Rund um die Stadt und den See herum bis in die Ferne erkennt man immer wieder kleinere und größere Ortschaften und Weiler.

Ein historisches Ereignis der Unabhängigkeit

Doch diese idyllische Stadtansicht ist nicht der ganze Inhalt des Kupferstichs. Erst bei genauerem Hinsehen sind Kanonenfeuer und Kampfgeschehen zu erkennen. Truppen bewaffneter Männer ziehen von allen Seiten her auf die Stadt zu. Dies spielt an auf das historische Ereignis der Escalade. In der Nacht vom 21. zum 22. Dezember 1602 überfielen savoyische Truppen die Stadt Genf. Diese gehörte nämlich bis zur Reformation zum Herzogtum Savoyen, und Herzog Karl Emanuel I. von Savoyen wollte sich sein altes Herrschaftsgebiet zurückholen. Unter Mithilfe der eidgenössischen Städte Zürich und Bern gelang Genf jedoch der Sieg über die savoyischen Angreifer. Ein wichtiger Schritt zur Unabhängigkeit der Stadt!

Die alte Schweiz in herrlichen Ansichten

Der Stich der Tafel 42 zu Genf ist ein herausragendes Beispiel der wunderschönen Ansichten des Atlas Blaeu-van der Hem. Bis zu den kleinsten Details ist die Ansicht von Genf stimmig. Liebevolle Figurenstaffagen – gerüstete und bewaffnete Truppen mit dem Wappen des Hauses Savoyen oder beeindruckende Schiffe auf der Rhone - bereichern die Darstellung der verschiedenen Bildebenen: die wunderschöne Landschaft, den weiten See, die beiden Flüsse und natürlich die Stadt im Zentrum der Ansicht. Auch das ungewöhnliche Format begeistert: durch das Hinzufügen eines hohen Himmels zum originalen Stich, der wohl nur 25 cm hoch war, misst die Vedute heute 43,5 x 82,5 cm. Auf diese Weise wird die heute zweitgrößte Stadt der Schweiz in einer herrlichen Ansicht des 17. Jahrhunderts wieder lebendig und historisch erfahrbar. Ein wunderschöner Einblick in die Geschichte und Topographie der Eidgenossenschaft!