Miniaturen im Detail
Veröffentlicht von Ziereis Facsimiles am 0 Kommentar(e)

Das Perikopenbuch von St. Peter

Perikopenbuch von St. Peter

Das Perikopenbuch von St. Peter enthält mit seinen 55 großformatigen Miniaturen den größten Christus-Zyklus einer Handschrift aus dem Hochmittelalter.

Eine wunderschöne Badeszene illustriert die Szene der Geburt Johannes des Täufers. In der Darstellung des Letzten Abendmahls verweist ein kleines Teufelchen vor seinem Mund auf Judas als Verräter. Und ein ermatteter Joseph hat seinen Kopf in der Miniatur des Geburt Christi vor dem neugeborenen Messias in der Krippe nachdenklich in die Hände gestützt. Der Bilderschmuck des Perikopenbuchs von St. Peter ist alles andere als gewöhnlich und bietet auf jeder Seite des Codex eine Entdeckung. Doch nicht nur die herausragende Qualität der Buchmalerei, sondern auch und vor allem die schiere Fülle an Miniaturen macht den Codex zu etwas Besonderem: das Perikopenbuch von St. Peter ist unbestreitbar eines der Hauptwerke der Buchmalerei des 12. Jahrhunderts!

Bilderschmuck von grandioser Wucht

Das Perikopenbuch von St. Peter: Die Taufe im Jordan

Die Taufe im Jordan aus dem Perikopenbuch von St. Peter gehört sicherlich zu den schönsten und einprägsamsten Szenen der Buchmalerei des Hochmittelalters. Die Ruhe und Würde, welche die Miniatur dank ihrer klaren Komposition ausstrahlt, lässt auch den Betrachter zur Ruhe kommen.

Mit 55 leuchtend bunten Miniaturen auf Goldgrund präsentiert das Perikopenbuch von St. Peter das reichste Bildprogramm eines hochmittelalterlichen Evangelistars. Von den insgesamt 71 Perikopen (Auszügen aus den Evangelien als Lesungen zu den Sonn- und Feiertagen des Kirchenjahres), die hier versammelt sind, werden 55 mit einer passenden Illustration eingeleitet – mehr als in jeder anderen vergleichbaren Handschrift! Daneben ist auch das Programm der Initialen bewundernswert: 81 Initialen mit figürlichem Inhalt und floralem Ornament schmücken den Text. Eine prunkvolle Initial-Zierseite und das Perikopenverzeichnis in einer wunderschönen Säulen-Rahmung runden die Pracht des Perikopenbuchs von St. Peter wunderbar ab.

Die westliche-byzantinischen Miniaturen

Perikopenbuch von St. Peter: Byzantinische Anleihen

Die Byzantinischen Anleihen in Architektur und Gewandung finden sich in zahlreichen Miniaturen im Perikopenbuch von St. Peter.

Wunderschöne Rahmen umgeben die beeindruckenden, goldglänzenden Miniaturen der Handschrift. Kompliziertes Ornament füllt diese zwischen jeweils einer Gold- und Silber-Leiste aus. Unter anderem wird hier erstmals das sogenannte kufische Dekor verwendet, das sich aus Einflüssen arabischer Schriftelemente entwickelte. In den Miniaturen selbst wird auf dem kostbaren Goldgrund eine wunderschöne Palette an kräftigen Farben verwendet, allen voran Grün, Blau und ein fast magentafarbenes Rot. Die biblischen Szenen werden in großfigurigen Darstellungen präsentiert, in kunstvoll symmetrischen Kompositionen, die nur vereinzelt Hinweise auf Landschaft oder Architektur geben.

Das Leben des Messias

Perikopenbuch von St. Peter: Feine Details

Die kleinen und feinen Details in den Miniaturen, wie etwa hier das Teufelchen aus dem Mund Judas', machen das Perikopenbuch von St. Peter zu einem ganz besonders liebenswerten Schatz.

Im Zentrum der Miniaturen, die die Perikopen einleiten, steht Christus als Messias, als Heilsbringer der Menschheit. Der biblische Aspekt seiner Leidensgeschichte wird deshalb komplett ausgespart. Die Miniaturen sind nicht nur bloße Illustrationen der Texte, sondern gehen inhaltlich darüber hinaus. Die Maler dieser Szenen machten sich tiefergehende Gedanken zum Bildprogramm und schmückten dieses mit zahlreichen hintersinnigen Bezügen aus. So verweist die Miniatur zu Jesus unter den Schriftgelehrten, in dem Jesus nicht als Kind, sondern als Erwachsener dargestellt wird, bereits auf seine Rolle als Messias voraus. Und in der Szene der Fußwaschung konzentriert sich der Blick des Betrachters ganz auf die Fersen der Apostel - die Ferse galt schon im Alten Testament als Sitz der Sünde.

Goldumrankte Initialen

Nicht nur die goldenen Miniaturen können den Betrachter in ihren Bann ziehen, auch die prachtvollen Initialen im Perikopenbuch von St. Peter an eine Blütezeit der hochmittelalterlichen Buchmalerei.

Neben den 55 zum Großteil ganzseitigen Miniaturen bilden die Initialen einen bedeutenden Teil des Buchschmucks des Perikopenbuches. Die Initialen setzen sich zusammen aus pflanzlichem Ornament in wundersamen Variationen. Auch hier wird an Gold nicht gespart. Vereinzelt erscheinen tierische und menschliche Figuren als Teil der wohldurchdachten Kompositionen. Ein besonders schönes Beispiel für die außerordentliche Kreativität der Buchmaler findet sich in der Initiale am Beginn des Johannesevangeliums. Hier wird das I des In principio erat verbum in Form einer menschlichen Figur mit dem Kopf eines Adlers dargestellt – ein Hinweis auf Johannes den Evangelisten mit seinem Symbol. Mit diesem überbordenden Bilderschmuck präsentiert sich das berühmte Perikopenbuch von St. Peter durch und durch als ein Höhepunkt der Buchmalerei des 12. Jahrhunderts: als eines der prachtvollsten Zeugnisse des Salzburger Skriptoriums von St. Peter!

Das Benediktinerinnen-Kloster St. Erentrud

Obwohl die Handschrift eine so herausragende Stellung innerhalb der Geschichte der Buchmalerei einnimmt, sind bis heute viele Fakten zu ihrer Entstehung und Geschichte im Dunkeln. Entstanden ist die Handschrift sicherlich um das Jahr 1150. Heute wird das Evangelistar unter der Signatur Clm 15903 in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt. Seine ebenfalls geläufige Bezeichnung als Perikopenbuch von St. Erentrud verweist auf einen Aufbewahrungsort der Handschrift: das Benediktinerinnen-Koster St. Erentrud auf dem Nonnberg in Salzburg. Auf fol. 104 der Handschrift findet sich ein Hinweis, der belegt, dass sich die Handschrift spätestens an dem frühen 14. Jahrhundert in St. Erentrud befand. Jedoch ist dieses Kloster nicht der Entstehungsort der Handschrift.

Die Ursprünge der Handschrift in Salzburg

Stilistisch und anhand einiger Details verweist die Handschrift eindeutig auf Salzburg als ihren Ursprung. So wird unter anderem mehrfach der Heilige Rupert erwähnt. Rupert war nicht nur erster Bischof und Gründer des Bistums Salzburg, sondern wird auch als Gründer der Benediktinerklöster St. Peter und St. Erentrud verehrt. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts waren in Salzburg drei Skriptorien tätig: das Domskriptorium, das Skriptorium der Petersfrauen und das Skriptorium von St. Peter. Das Perikopenbuch kann auch und vor allem wegen ikonographischen Hinweisen letzterem zugeordnet werden. Das Skriptorium der Benediktiner-Abtei St. Peter entwickelte sich im 11. Jahrhundert zu einem Hort der qualitativen Buchmalerei. Ein eigenständiger Stil – aus einer engen Verbindung von byzantinischen Elementen mit dem typischen Stil der Region Salzburg selbst – zeichnet seine Werke aus. Eindeutige stilistische Verweise im Perikopenbuch auf St. Peter als Entstehungsort finden sich etwa in den byzantinisch anmutenden Figuren mit ihren großen Augen in Verbindung mit einer naturalistischen Modellierung der Körper, wie es ganz ähnlich schon in anderen Werken dieses Skriptoriums erscheint (vgl. etwa mit dem dort um 1080 entstandenen Evangelistar des Custos Perhtolt oder der Admonter Riesenbibel der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, ebenfalls in St. Peter um 1145 entstanden).