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Die Medici

Dr. Rosendahl, Kurator der Ausstellung "Die Medici", Georg Ziereis und Christian Ziereis (v.l.n.r.) in der Medici-Ausstellung

So haben Sie die Medici noch nie gesehen!

Was hat Mannheim mit den Medici zu tun? Und gibt es Mumien nicht nur in Ägypten? Wie hat sich ein Medici-Papst rasiert und gab es bei den Medici schon schwarze Konten? Das alles erklärt uns Dr. Wilfried Rosendahl, Kurator der Ausstellung "Die Medici - Menschen, Macht und Leidenschaft" in einem spannenden Interview und lässt uns dabei hinter die Kulissen der Ausstellung blicken.

So haben Sie die Medici noch nie gesehen! Aber auch was vor den Kulissen gezeigt wird, ist jeden Besuch wert. Sie schlendern durch großzügig gestaltete Räume, genießen die ruhige und angenehme Atmosphäre und versinken schon nach wenigen Augenblicken im Florenz des ausgehenden Mittelalters. Die Dynastie der Medici hat Italien und Europa über Jahrhunderte geprägt, waren darunter doch Wirtschaftsgenies, Kunstmäzene, Kirchenmänner und Machtmenschen par excellence. In der umfassenden Schau der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim werden die Medici nun auch von ihrer menschlichen Seite gezeigt:  Ausgehend von den Portraits der Protagonisten dieser schillernden Dynastie wird der Mensch hinter den makellos gemalten Gesichtern gezeigt. Stärken und Schwächen, Krankheiten und Leiden, Prunk und Alltägliches - so haben Sie die Medici noch nie gesehen! Aber nicht nur die Medici alleine, sondern auch ihr Einfluss wird deutlich gemacht, etwa auf die Stadtentwicklung oder die Wissenschaft. Stichwort hier: Galileo Galilei...

Das Stundenbuch des Lorenzo de' Medici

Für Buchliebhaber besonders spannend ist das Stundenbuch Lorenzos de' Medici, das Lorenzo der Prächtige für seine Tochter Luisa hat anfertigen lassen. Es spiegelt die Pracht und den Reichtum einer Familie wider, welche die Kunst, die Wirtschaft und sogar die Wissenschaft Italiens über Jahrhunderte mitgeprägt hat.

Interview mit Kurator Dr. Rosendahl

Hier nun das Interview, das wir mit dem Kurator der Ausstellung, Herrn Dr. Rosendahl führen konnten:

Christian Ziereis: Können Sie uns ein paar Zahlen zur Größe der Ausstellung nennen?

Dr. Rosendahl: Wir haben auf einer Fläche von 1.500 Quadratmeter circa 200 Objekte zusammengetragen. Die Vielfalt und Tiefe der Ausstellung lässt sich aber vielleicht am besten darin ablesen, dass wir mit etwa 50 namhaften Leihgebern kooperieren. Zu ihnen zählen natürlich die berühmtesten Museen Florenz’: die Uffizien, der Bargello, die Galleria Palatina, das Museo degli Argenti und so fort. Und natürlich die beiden Bibliotheken der Stadt, die Biblioteca Medicea Laurenziana und Biblioteca Riccardiana.

Christian Ziereis: Warum beschäftigen Sie sich in Mannheim mit der Dynastie der Medici? Dr. Rosendahl: Wir spannen in unserer Schau den Bogen vom Begründer der Dynastie der Medici, Giovanni di Bicci (1369 - 1428) bis zur letzen Medici, Anna Maria Luisa de’ Medici (1667 - 1743). Und beide haben Bezug zu Mannheim und der Region: Der Gegenpapst Johannes XXIII. wurde vom pfälzischen Kurfürsten auf der Burg Eichelsheim auf dem heutigen Gebiet von Mannheim gefangen gesetzt. In Freiheit kam er 1419 allerdings erst, als der erste Medici und Bankhausgründer, Giovanni di Bicci, ihn freikaufte. Und wenn man weiß, dass die letzte Medici, Anna Maria Luisa, Kurfürstin von der Pfalz war, schließt sich der Kreis für Mannheim authentisch und der enge Bezug zum toskanischen Herrscherhaus wird offensichtlich. Zudem jährte sich der Todestag Anna Maria Luisas dieses Jahr am 18. Februar zum 270. Mal.Christian Ziereis: Wie wurde die Idee zur Ausstellung geboren und wie kamen Sie an die Exponate? Dr. Rosendahl: Unser Haus ist sowohl Museum als auch auf dem Gebiet der Forschung tätig. Es betreibt unter anderem ein großes Forschungsprojekt zur europäischen Mumienkultur und ich bin seit vielen Jahren in der Mumienforschung aktiv. Auf einer von uns mit veranstalteten Konferenz in Kassel 2010 hat Frau Professorin Donatella Lippi aus Florenz über Mumien der Medici berichtet. Wir haben daraufhin eine Kooperation geschlossen und damit war quasi die Idee zu einer umfassenden Medici-Schau in Mannheim geboren, die wir auch forschend intensiv begleitet haben. Der aufwendigen Forschungs- und Archivarbeit ist es auch zuzuschreiben, dass von der Idee bis zur Eröffnung der Schau drei Jahre vergangen sind. Dadurch ergaben sich aber auch Verbindungen zu Instituten, Museen und Bibliotheken in Florenz, von denen wir und unsere Besucher jetzt profitieren können.Christian Ziereis: Gibt es ein Rahmenprogramm zur Ausstellung, einen Audioguide oder sonstiges? Dr. Rosendahl: Ja, unsere Ausstellung wird von einem reichhaltigen Rahmenprogramm begleitet: Vorträge, Konzerte, natürlich Führungen und ein Audioguide in englischer und deutscher Sprache. Und mithilfe unseres Kinder-Audioguides können auch die kleinen Museumsbesucher in die spannende Zeit der Medici eintauchen. Ich empfehle einen Blick in unseren Veranstaltungskalender auf unserer Homepage www.medici2013.de, dort werden Sie umfassend informiert.Christian Ziereis: Haben Sie ein Lieblingsexponat? Dr. Rosendahl: Das Herrschaftssystem der Medici hatte auch Auswirkungen auf die Wissenschaft. Dies findet dann auch Raum in der Ausstellung und diese wollen wir etwa mit Exponaten rund um Galileo Galilei aufzeigen. Eines meiner Lieblingsexponate ist tatsächlich der Wirbel von Galileo Galilei, der noch niemals ausgestellt war, eine fantastische Wissenschaftsreliquie! Was mich auch besonders fasziniert ist das Rasierbesteck von Papst Clemens VII. (1478 – 1536). Unser Thema ist ja „Menschen, Macht und Leidenschaft“. Deswegen wollen wir auch das menschliche und alltägliche hinter unseren Protagonisten zeigen. Auch wenn man gerade von Päpsten viel schreiben und zeigen kann: ein Rasierbesteck ist etwas ganz persönliches und in seiner Alltäglichkeit und Nähe doch völlig einzigartig.Christian Ziereis: Ist auch für Buchliebhaber etwas geboten? Dr. Rosendahl: Absolut! Besonders stolz sind wir auf das Stundenbuch, das Lorenzo der Prächtige (1449 - 1492) für seine Tochter Luisa anfertigen lies. Dieses Kunstwerk en miniature im Original zu sehen, ist sicherlich etwas ganz besonderes. Ungleich schmuckloser, jedoch nicht weniger spannend ist etwa das geheime Rechnungsbuch von Cosimo dem Älteren, in dem die Medici-Bank deutlich höhere Gewinne auszeichnete, als sie der Stadtverwaltung mitteilte. Dazu zeigen wir Medizinbücher, einen Wechsel aus dem Jahre 1424, die Handschrift Lorenzos den Prächtigen, ein Abschrift des berühmten „Briefs an Christiane von Lothringen“ von Galileo...