Miniaturen im Detail
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Gebetbuch Herzog Johann Albrechts von Mecklenburg

Ein Kompendium herausragender Miniaturen

[Translate to Deutsch:] Gebetbuch Herzog Johann Albrechts von Mecklenburg - Ein Kompendium von 44 herausragenden Miniaturen von Simon Bening, Nikolaus und Albrecht Glockendon und Sebald Beham.

[] Gebetbuch Herzog Johann Albrechts von Mecklenburg - Ein Kompendium von 44 herausragenden Miniaturen von Simon Bening, Nikolaus und Albrecht Glockendon und Sebald Beham.

Ein außergewöhnliches Stück bedeutender Kunstgeschichte: das sogenannte Gebetbuch Herzog Johann Albrechts von Mecklenburg. Anders als ein übliches Stundenbuch, liegt der Fokus der Handschrift auf der bildlichen Ausstattung, nur wenig Text begleitet die Miniaturen. Diese Miniaturen zählen jedoch zum Besten, was die Buchmalerei des 16. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Einzelne Blätter von Simon Bening, Nikolaus und Albrecht Glockendon und Sebald Beham wurden zu einem herrlichen Kompendium vereint. Verantwortlich hierfür war Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, der die Blätter aus der Sammlung seines berühmten Onkels, des Kardinals Albrecht von Brandenburg, erbte und in einem Band binden ließ. Auch die weitere Geschichte der Handschrift ist eine abenteuerliche Erzählung. Auf diese Weise entstand eine ungewöhnliche Handschrift und ein wahrer Schatz der Buchmalerei des 16. Jahrhunderts!

Der Heilige Georg - Folio 11r

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[] Gebetbuch Herzog Johann Albrechts von Mecklenburg: Der Kampf des Heiligen Georg mit dem Drachen

Ein heroischer Ritter im Kampf mit einem grausamen Untier und der Sieg des Guten über das Böse: die Legende des Drachenkampfes des Heiligen Georg ist seit dem 12. Jahrhundert eine der bekanntesten Heiligenerzählungen des Christentums. Der bedeutende flämische Miniaturist Simon Bening, einer der größten Buchmaler des 16. Jahrhunderts, bannte diese Szene in einer wunderschönen Darstellung auf Pergament. Als Einzelseite gelangte das Blatt in das Gebetbuch des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg, das als Kompendium verschiedenster Seiten aus mehreren Handschriften einen wahren Schatz der nordalpinen Buchmalerei präsentiert.

Ein ritterlicher Held

Inmitten einer hellen, luftigen Landschaft mit grünen Wiesen, bewaldeten Hügeln, einer Baumgruppe im Hintergrund und einigen Felsen neben dem Weg im Vordergrund spielt die Hauptszene der Darstellung: der Kampf des Heiligen Georg mit dem Drachen. Der Heilige reitet auf einem braunen Pferd in elegantem Schritt, das bedeckt ist mit einer bis zum Boden reichenden Decke, die das Wappen des Heiligen Georg zeigt: ein rotes Kreuz auf weißem Grund. Georg ist als Ritter gekleidet, mit glänzender, goldener Rüstung und silbernem Kettenrock. In seiner Linken hält er das Schild, in der weit nach hinten ausholenden Rechten das edle Schwert. Mit seinem Pferd, das ebenfalls für den Kampf gerüstet ist, steht Georg übermächtig über dem Drachen. Auf diese Weise wird der Sieg des Heiligen verdeutlicht.

Das besiegte Untier

Der Drache ist bereits von einer Lanze getroffen und schwer verletzt. Mit seinem graublauen Schuppenkleid, das auf der Vorderseite in ein helleres Gelb übergeht, steht er auf seinen kurzen kräftigen Hinterbeinen. Seine zwei Flügel hat das Untier erhoben und den Kopf mit dem geöffneten Maul über seine Schulter dem Ritter auf dem Pferd zugewandt. Die rote Zunge scheint leuchtend zwischen den Zähnen aus dem Maul hervor.

Die Legende vom Drachenkampf

Die Erzählung von Georgs Kampf mit dem Drachen ist ein Teil der Legende um den Heiligen. Georg war ein christlicher Märtyrer des 3. Jahrhunderts und wurde seit dem Mittelalter als ritterlicher Held verehrt. Er galt unter anderem als Schutzpatron der Kreuzfahrer. Die Legende vom Drachenkampf besagt, dass vor der Stadt „Silena in Lybia“ in Kappadokien ein furchtbarer Drache hauste, der die Stadt in seiner Gewalt hatte. Durch tägliche Lamm-Opfer sollte das Untier besänftigt werden. Als jedoch alle Schafe geopfert waren, sollten die Töchter der Stadt folgen. Das Los fiel auf die Tochter des Königs. Als sie sich vor den Toren der Stadt dem Drachen opfern wollte, erschien Georg unter dem Zeichen des Kreuzes. Er besiegte den Drachen in einem abenteuerlichen Kampf und befreite so die Stadt und die Königstochter. Daraufhin ließen sich sämtliche Bewohner der Stadt zum Christentum bekehren.

Eine betende Prinzessin und die erklärende Beischrift

Die Miniatur berücksichtigt alle Elemente der Legende. Im Hintergrund in der linken Bildhälfte erhebt sich eine mächtige Stadtmauer, auf deren Wehrgang und Turm sich eine riesige Menschenmenge als gespannte Zuschauer versammelt hat. Rechts im Hintergrund beobachtet eine kniende Frau – die als Opfer auserwählte Königstochter - in einem hellen, rosaroten Kleid die kämpferische Szene. Ihre Hände hat sie vor der Brust zum Gebet gefaltet, vor ihr am Boden ruht ein Schaf. Unter der Miniatur befindet sich der kurze dreizeilige Text des Suffragiums in roter und schwarzer Schrift mit einer blau-rot-goldenen Initiale.

Ein kostbares Schmuckkästchen als Rahmen

Simon Bening (um 1483-1561), der Künstler dieser Miniatur und bedeutendster flämischer Buchmaler des 16. Jahrhunderts, präsentierte sich hier mit seinem ganzen Können. Die eigentliche Miniatur, eine qualitätvolle und herrlich atmosphärische Darstellung, ist integriert in eine kostbare Rahmung. Auf graublauem Hintergrund erstreckt sich ein wunderschönes Muster in Form von geschnitztem gotischem Maßwerk, golden und in Rauten angelegt. Feine Perlenbänder zieren diese kunstvoll imitierten Leisten. Die Zwischenräume werden eingenommen von verschiedensten kostbaren Schmuckstücken: weiße Perlen in Form einer Eichel in einer goldenen Hülle, liebliche helle Blüten mit einem roten oder blauen Edelstein in der Mitte, ein kleines quadratisches, goldenes Kreuz, mit fünf grünen Edelsteinen besetzt. All dies ist kunstvoll variiert und verleiht der Bildseite ihr kostbares Erscheinungsbild. Zusätzlich findet sich neben diesen unbelebten Dingen eine weitere überraschende Bilderfindung des Künstlers: eine Frauenfigur, die in den Händen ein weißes Tuch mit dem dornengekrönten Antlitz Christi hält. Diese Darstellung der Heiligen Veronika mit dem Schweißtuch mit der Vera Icon verleiht dem breiten Rahmen rund um die Miniatur mit dem Drachenkampf des Heiligen Georg eine zusätzliche inhaltliche Tiefe. So wird die herrliche Darstellung dieses populären Themas von der Hand eines begnadeten Miniaturisten auf vollendete Weise abgerundet.