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Gerard David (um 1455-1523)

Brügge und seine Meister

Im 15. Jahrhundert war die flämische Stadt Brügge ein Zentrum der Herstellung von prachtvoll ausgestalteten Handschriften. Seit den 1440er Jahren traten die Burgundischen Niederlande - besonders mit den Städten Brügge und Gent - bei der Buchherstellung in Konkurrenz zu Frankreich mit  seinem künstlerischen Zentrum Paris. Jan van Eyck, Petrus Christus, Willem Vrelant oder Simon Bening sind nur einige berühmte Namen, die mit der Kunst der Stadt Brügge verbunden sind. Einer der letzten Vertreter der großen Zeit der Brügger Malerei war Gerard David (um 1455-1523). Dieser war hauptsächlich als Tafelmaler tätig, brachte jedoch während seiner Schaffenszeit auch einige ausgesuchte, bewundernswerte Buchillustrationen hervor.

Liber Horarum von 1486 des Gerard David: Für dieses Gebetbuch war Gerard David als Hauptmaler verantwortlich

Kostbare Zeugnisse seiner Buchmalerei

Eigentlich als Tafelmaler tätig, gibt es einige rare Werke der Buchmalerei von Davids Hand. Heute sind mehrere Handschriften bekannt, an deren künstlerischer Ausstattung er als Miniaturist beteiligt gewesen ist. Jedoch sind sich Experten noch immer nicht ganz sicher, wie viel dem Brügger Tafelmaler dabei zugeschrieben werden kann. Zwei Stundenbücher für die spanische Königin Isabella von Kastilien mit überaus reicher bildlicher Ausstattung sind mit einigen wenigen, jedoch sehr feinen und hochwertigen Miniaturen von Davids Hand ausgestattet. Dazu kommen berühmte Handschriften wie das Rothschild-Gebetbuch oder das Buch der Drôllerien (Croy-Gebetbuch). Das nach David benannte Stundenbuch von 1486, das heute im Escorial aufbewahrt wird, zählt sicherlich zu einem seiner schönsten Werke. Auch an dieser Handschrift waren mehrere verschiedene Künstler beteiligt, wie heute bekannt ist. Gerard David arbeitete dabei jedoch die Hauptpartien aus, etwa die Köpfe und Gesichter der dargestellten Figuren oder die Gewänder mit unzähligen Faltenwürfen. Die Miniaturseite mit der Madonna mit dem Blütenzweig stammt sogar komplett aus der Hand des Brügger Meisters. Neben diesen spärlichen, aber qualitativ herausragenden Zeugnissen seiner Illuministen-Tätigkeit wird außerdem diskutiert, ob Gerard David an der künstlerischen Ausstattung weiterer Werke, etwa des Breviarium Grimani (heute in der Biblioteca Marciana in Venedig) beteiligt war.

Rothschild-Gebetbuch, ein Werk Gerard Davids: Ein Merkmal der flämischen Buchmalerei ist das meisterhafte Veranschaulichen von Gestik und Mimik bis ins Detail

Gerard David: Ein besonderer Stil

Die stilistischen Merkmale seiner Malerei sind, besonders bei den Werken der Tafelmalerei, eindeutig erkennbar. Eine außerordentliche Feinheit auch in detaillierten Darstellungen, klare Räumlichkeit und zarte Landschaften, die exakte Wiedergabe von Materialität und eine neue Art in der Behandlung von Licht machen die Kunst des Gerard David so bewundernswert. All dies prädestinierte ihn vielleicht dazu, gerade als Miniaturist sein Können zu zeigen. Die Merkmale seiner Kunst wie die Lebendigkeit der Darstellungen und die kreative Variierung bei den Gesichtern waren auch in der Buchmalerei begehrte Eigenschaften. Obwohl kein Dokument erhalten ist, das Davids Mitgliedschaft in der Gilde der Miniaturisten belegt (wohl aber der Lukasgilde für Maler und Bildschnitzer), sind die erwähnten Miniaturen von seiner Hand Beweis genug für seinen künstlerischen Rang auf dem Gebiet der Buchmalerei. Jedoch ist belegt, dass seine Frau nach seinem Tod die Bruderschaft der Buchhändler für eine Totenmesse und weitere Dienste zahlte, was Verbindungen vermuten lässt.

Liber Horarum von 1486 des Gerard David: Eines seiner berühmtesten Miniaturen ist die Madonna mit Kind

Werke für bedeutende Auftraggeber

Für Brügger Kleriker, den Magistrat der Stadt und andere bedeutende Persönlichkeiten und Organisationen malte Gerard David hauptsächlich großformatige Tafelwerke mit religiösen Bildthemen, z.B. Mariendarstellungen oder Szenen der Passion. Als Nachfolger und vielleicht gar Schüler Hans Memlings ist er einer der letzten großen Künstler der Brügger Blütezeit im 15. Jahrhundert. Seine Werke - sowohl großformatig auf Holz als auch in der feinen Form der kleinen Miniaturen auf Pergament - sind beredte Zeugnisse seines Könnens und der großartigen Kunst der Buchmalerei in den Burgundischen Niederlanden.

Croy-Gebetbuch (Buch der Drôllerien): Gerard David arbeitete für viele Persönlichkeiten aus dem Hochadel