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Karl der Große (714 - 814)

Der "Vater Europas"

Karl der Große auf dem Krönungsevangeliar

Karl der Große, hier abgebildet auf dem prunkvollen Vorderdeckel des Wiener Krönungsevangeliars

Die große Epoche des berühmte karolingischen Kaisers und Herrschers über ein riesiges Reich (reg. 768-814) ist auch für die Buchmalerei eine Zeit von höchster Bedeutung. An seiner Aachener Königspfalz waren die Buchmaler der sogenannten Hofschule Karls des Großen tätig und brachten – im Rückgriff auf die Spätantike - bedeutende Werke hervor. Daneben existierte die Palastschule, die stilistisch eher an byzantinischer Kunst orientiert war. Diese Entwicklungen in der Buchkunst sind zum einen Zeugnis der großartigen Kunstfertigkeit der Buchmaler des 8. und 9. Jahrhunderts. Sie sind aber auch zurückzuführen auf die straffe Organisation Karls des Großen, der in seinem Reich unzählige Reformen auch auf kulturellem Gebiet durchsetzen ließ.

Vom fränkischen König zum Kaiser

Der Stricker: Karl der Große

Der Stricker: Karl der Große - Ein Epos in Reimen auf das Leben und Wirken Karls des Großen

Karl der Große entstammte dem Herrschergeschlecht der Karolinger. Benannt ist dieses nach Karl Martell, der durch den Sieg über die arabischen Invasoren in der Schlacht bei Tours berühmt wurde. Als Vater Pippins war er zugleich der Großvater Karls des Großen. Die Karolinger übernahmen im 8. Jahrhundert die fränkische Königskrone von den Merowingern, doch erst Karl dem Großen gelang es, das Reich zum größten Imperium seit der Zeit der Römer auszubauen. Durch Kämpfe gegen Langobarden, Mauren, Sachsen und andere Volksstämme errang er unzählige Gebietsgewinne. Karl der Große, der Fränkische König, sah sich in der Nachfolge der Römischen Kaiser, weshalb er sich zu Weihnachten des Jahres 800 in Rom durch den Papst zum Kaiser krönen ließ.

Blütezeit des geistigen und kulturellen Lebens

Einband des Lorscher Evangeliars

Das Lorscher Evangeliar - Karl der Große hat es in Händen gehalten - ist mit einem wunderschönen Einband aus geschnitztem Elfenbein ausgestattet

Karl der Große versammelte an seinem Hof die höchste Riege des geistlichen Lebens seiner Zeit um sich. Erwähnenswert sind unter vielen weiteren Theodulf von Orléans, der große Gelehrte und Dichter, und Paulinus II. von Aquileia, ein Theologe und Grammatiker. Als seinen Berater, als Lehrer und Leiter der Hofschule holte Karl der Große den angelsächsischen Gelehrten Alkuin nach Aachen. In der Hofschule sollten Prachthandschriften für den Gebrauch in den wichtigsten Klöstern und geistlichen Zentren des Reiches gefertigt werden, um auf diese Weise im gesamten Reich die geistigen Errungenschaften des Aachener Hofes zu verbreiten. Dabei sind heute in der Kunstgeschichte zwei Begriffe mit der Karolingischen Buchkunst unter Karl dem Großen untrennbar verbunden: zum einen der Begriff der Ada-Gruppe, unter dem die Künstler der Hofschule zusammengefasst werden, zum anderen die sogenannte Gruppe um das Wiener Krönungsevangeliar, benannt nach dem Hauptwerk der Palastschule.

Berühmte Werke der karolingischen Buchkunst

Majestas Domini im Lorscher Evangeliar

Majestas Domini: Diese Seite aus dem Lorscher Evangeliar gehört zu den berühmtesten Buchmalereien des Mittelalters

In der berühmten sogenannten Hofschule Karls des Großen in Aachen und der zeitgleich daneben existierenden Palastschule entstanden großartige Werke der Buchmalerei aus einer Vermischung von byzantinischen Elementen mit altchristlichen Einflüssen. Bedeutende Werke aus diesen Anfängen und Zentren der Karolingischen Buchkunst sind das Lorscher Evangeliar (um 810) oder das Wiener Krönungsevangeliar (kurz vor 800). Nach dem Tod Karls des Großen verlagerten sich die Zentren der Karolingischen Buchmalerei von der Aachener Königspfalz nach Metz und Lothringen, Reims, Tours und Fleury, wo so berühmte Handschriften wie der Utrecht-Psalter (um 825), das Ebo-Evangeliar (816-835) oder die Leidener Aratea (nach 825) entstanden.

Die Karolingische Renaissance

Lorscher Evangeliar: Beginn des Lukas-Evangeliums

Der Beginn der Lukas-Evangeliums im Lorscher Evangeliar: Die berühmten Worte des Evangelisten "IN PRINCIPIO ERAT VERBUM" sind auf Goldgrund geschrieben

In den 46 Jahren seiner Herrschaft erließ Karl der Große aufwändige und umgreifende Reformen, die sich sowohl auf die Staatsstruktur als auch auf die Kultur des Karolingischen Reiches auswirkten. Neben der umfassenden innenpolitischen Verwaltungsreform ist besonders die Karolingische Bildungsreform zu erwähnen. Karl ließ Klöster gründen und Schulen, eine einheitliche Bibel und Liturgie sollte den Vielvölkerstaat einen. Als Geniestreich entpuppte sich die Einführung einer einheitlichen Schrift, der sogenannten Karolingischen Minuskel. Eine kulturelle Blütezeit brach an, als der Hof als Zentrum der Gelehrsamkeit und der Künste installiert wurde. Handschriften sollten gesammelt und antike Bücher kopiert werden, um sie der Nachwelt zu überliefern. Die Karolingische Buchmalerei, durch Karl den Großen und seine durchdachte Herrschaft hervorgebracht, zählt noch heute zu den Hochzeiten der Geschichte der Buchkunst.