Miniaturen im Detail
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Krönungszeremoniale Kaiser Karls V.

Die Krönung des letzten römisch-deutschen Kaisers

Krönungszeremoniale Kaiser Karls V.

Ein Geschenk Kaiser Karls V. an Papst Gregor VII: Die prachtvolle Handschrift dokumentiert die letzte Krönung eines deutschen Kaisers durch einen Papst

Bevor Karl V. (1500-1558) im Jahr 1530 von Papst Clemens VII. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde, stand noch ein anderes historisches Ereignis: seine Krönung zum König von Italien, oder offiziell zum König der Lombardei. Mit dieser Ernennung stellte sich Karl V. in die Tradition seines Urgroßvaters Friedrich III., der im Jahr 1452 ebenfalls zum König von Italien gekrönt worden war. Karl V. konnte auf diese Weise seinen Machtanspruch in Norditalien festigen. Diese epochale Szene steht im Mittelpunkt einer besonders schönen Miniatur aus dem sogenannten Krönungszeremoniale Kaiser Karls V. Die ganze Pracht der wertvollen Handschrift präsentiert sich auf dieser Bildseite!

Die Krönung Karls zum König der Lombardei und zum römisch-deutschen Kaiser

Krönungszeremoniale Kaiser Karls V. - Die Krönung

Papst Gregor VII. krönt im Februar 1530 Karl V. zum Lombardischen König und deutschen Kaiser

Die farbenfrohe Miniatur zeigt die Zeremonie der Königs-Krönung durch Papst Clemens VII. (1523-1534). Die Szene spielt in einem herrlich ausgestatteten Raum, wo bunte Wandbespannungen von den Wänden hängen. Am linken Rand des hohen Raums steht der Thron des Papstes. Karl kniet auf einem kleinen Kissen vor dem Papst nieder. Dieser beugt sich von seinem Thron zu Karl hinab. Alle dargestellten Personen sind in sehr bunte Gewänder gekleidet: Der Papst trägt auf seinem Haupt die Tiara, die sogenannte Papstkrone, und über einem schlichten Untergewand einen prachtvoll golden bestickten Mantel. Karl trägt einen gelben Umhang über einem blauen Rock. Er hat den Kopf demütig zu Boden gesenkt und erwartet, dass ihm die mächtige Königskrone aufs Haupt gesetzt werde. Seine Hände hat er betend erhoben. Rund um diese Zweiergruppe der Hauptpersonen hat sich eine Gruppe von Zuschauern versammelt. Einige Kardinäle im roten Gewand und weitere Geistliche wohnen der Zeremonie als Gruppe im Hintergrund bei. Am vorderen Bildrand sind vier weltliche Adlige zu sehen, mit prächtigen Federn an ihren Kopfbedeckungen und Pelz am Mantelkragen. Sie scheinen das feierliche Geschehen zu kommentieren. 

Eine Huldigung des Papstes in üppigem Gold

Eingebettet ist diese Miniatur in eine prunkvoll und elegant gestaltete Seite. Farbige Bordüren mit goldenen Zierelementen rahmen das Mittelbild, bestehend aus dem Text und der Miniatur. Ganz oben thront vor tiefblauem Grund der Name des Papstes Clemens VII. in goldener Schrift und macht so deutlich, dass hier der Papst die Hauptfigur darstellt. Am unteren Blattrand ist im Rahmen in einer runden Kartusche das Wappen Papst Clemens VII. abgebildet. Links und rechts präsentiert sich kunstvolles goldenes Ornament auf schwarzem Grund, mittig geschmückt von zwei von Grotesken-Köpfen eingenommenen Kartuschen mit weiteren Hinweisen auf den Papst und lobvollen Huldigungen. In den vier Ecken befindet sich jeweils ein rotes Bildfeld mit feinen goldenen Zeichnungen und Ornamenten darin. Der lateinische Text, der die Zeremonie und die dabei gesprochenen Worte näher beschreibt, ist auf einem Hintergrund aufgebracht, der ein am Rand zerfleddertes Stück Pergament imitiert.

Der historische Hintergrund

Die Handschrift war ein Geschenk des Kaisers an den Papst. Es wollte auf diese Weise wohl seinen Dank für die doppelte Krönung im Februar 1530 zum Ausdruck bringen. Karl V. wurde am 24. Februar 1530 in Bologna durch Clemens VII. zum Kaiser gekrönt. Diese war die letzte Kaiserkrönung durch einen Papst! Schon zwei Tage davor fand jedoch eine weitere Krönung statt: Karl wurde zum König der Lombardei und damit zum König von Italien gekrönt. Diese Zeremonie, die in der Miniatur dargestellt ist, fand am „Tag der Cathedra Petri“, also am 22. Februar, im Jahr 1530 in der Kapelle „des apostolischen Palastes“ - dem Palazzo Comunale - in Bologna statt.

Szepter, Schwert und eine legendäre Krone

Die feierliche Zeremonie wird von Blasius de Martinellis, dem päpstlichen Zeremonienmeister, ausführlich beschrieben. Nach einem feierlichen Einzug mit mehreren Fürsten und anderen Adlige, bei dem die Insignien des Königs vorangetragen wurden, fand in der Kirche die Salbung durch den Bischof von Tortosa statt. Dabei waren ein Prior und zehn Prälaten in vollem Ornat anwesend. Erst danach folgte der Einzug des Papstes und der Beginn der eigentlichen Messe. Die Überreichung der Insignien stellte dabei den Höhepunkt dar. Der Ring als Zeichen der Vermählung mit dem Königreich, das Szepter und der Reichsapfel und das Schwert wurden dem König vom Papst überreicht, begleitet von feierlichen Worten und Gebeten. Gekrönt wurde Karl V. als Besonderheit mit der legendären Eisernen Krone aus dem Domschatz von Monza. Diese im 9. Jahrhundert gefertigte Königskrone der Langobarden gilt als Herrschaftssymbol Italiens und hatte dadurch für Karl V. hohen symbolischen Wert. Außerdem befindet sich in ihrem Inneren ein eiserner Ring, welcher der Legende nach aus einem Nagel vom Kreuz Christi gefertigt ist. Darauf folgte die eigentliche Inthronisation, Karl wurde zu einem Thron geführt und nahm darauf als frisch gekrönter König von Italien Platz.