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Was ist ein Faksimile?

Man versteht unter einem Faksimile (lat. fac simile - "Mach es ähnlich") eine möglichst original getreue Reproduktion eines historisch wertvollen - oft nicht mehr öffentlich zugänglichen Unikats unter Einsatz aller technisch und handwerklich zur Verfügung stehenden Mitteln.

Dabei zeichnet eine hochwertige Faksimile-Ausgabe vor allem die vollständige inhaltliche und optisch identische Wiedergabe aus, die einen Vergleich mit dem Original nicht zu scheuen braucht. Farbtreue, Lichtreflexion, Blessuren, Fehlstellen, Ausrisse, Beschnitt, Lagenanordnung, Grammatur - dies alles und viel mehr muss berücksichtigt werden, bis Kenner und Experten von einem gelungenen Projekt sprechen können.  

Wozu werden Faksimiles benötigt?

Schon im der Frühzeit der Entstehung von Büchern war eine der Hauptaufgaben, die geistigen Schätze, niedergelegt auf Pergament oder Papyrus, der Nachwelt zu erhalten. Hierbei ging es vor allem darum, negative Einflüsse der Umwelt - sei es durch Ungeziefer, Witterungseinflüssen oder Feuer - von den Büchern fernzuhalten. Auch war es den Hütern dieser Werke wichtig, unsachgemäße Nutzung oder übergroße Abnutzung zu vermeiden.

Hätten die Bibliothekare in den vergangenen Jahrhunderten jedem Interessierten Zugang zu den Werken gewährt, so wären zahlreiche Buchschätze, die wir heute noch ab und an in Ausstellungen bewundern dürfen, wohl nicht mehr vorhanden.

Um nun den Spagat zwischen dem notwenigen Schutz wertvoller Buchschätze und dem berechtigen Interesse breiter Schichten am Zugang zu den kunsthistorisch so bedeutenden Werken Rechnung zu tragen, bedient man sich des Mittels der Faksimilierung. Mit Hilfe der dem Original bis ins kleinste Detail nachempfundenen Reproduktionen ist es möglich, einer breiten Öffentlichkeit und der Wissenschaft Zugang zu verschaffen, ohne den Jahrhunderte alten Werken Schaden zuzufügen.

Viele der mittelalterlichen Codices werden unter Verschluss gehalten, um den stetig voranschreitenden Zerfallsprozess zu verlangsamen. Sie sind also nicht mehr öffentlich zu besichtigen und können leider auch nicht mehr für Ausstellungen in fremden Städten zu Verfügung gestellt werden.

Für den privaten Liebhaber mittelalterlicher Buchkunst bedeutet dies, dass er - wenn überhaupt noch möglich - die sehr seltenen Gelegenheiten einer öffentlichen Ausstellung nutzen muss. Diese Gelegenheiten teilt er sich jedoch mit vielen Interessierten und muss für einen kurzen Blick auf das Objekt entsprechende Wartezeiten einplanen. Wegen der aufwendigen Ausstellungspräparation ist jedoch stets nur eine Lage zu bewundern, von der komplett unsichtbaren Einbandkunst ganz zu schweigen. Als Besitzer eines der begehrten Faksimiles haben Sie dagegen jederzeit, in Ruhe und in gewohnter Umgebung die Möglichkeit, sich Ihrer Leidenschaft zu widmen. Welch ein Privileg!

Auch Bibliotheken und Museen nutzen Faksimiles, um Ihren wertvollen und unersetzlichen Bestand an mittelalterlichen Codices zu schonen. Wie bereits ausgeführt, ist selbst Fachleuten der Zugang zum Objekt oft verwehrt - ganz zu schweigen vom Laien-Interessenten. Denn Aufgabe von Bibliotheken muss es gerade sein, Kultur(Geschichte) für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Um zudem die niemals abgeschlossene Forschung der mittelalterlichen Buchschätze zu ermöglichen, bedienen sich Bibliotheken der Möglichkeit des Faksimiles. So ist für Forschende verschiedener Fachrichtungen der Zugang gewährleistet und das Original trotzdem geschützt.

Dass der Schutz der alten Handschriften dringend nötig ist, beweisen auf traurige Art und Weise Ausgaben wie die Pamplona Bilderbibel oder das Schwarze Gebetbuch. Um den jetzigen Erhaltungszustand zu dokumentieren und auch späteren Generationen die Chance zu erhalten, Forschung daran zu betreiben oder sich ihrer einfach zu erfreuen, führt kein Weg an einem hochwertigen Faksimile vorbei. Und denken Sie nur an die Gefahren von Brand und Einsturz, wie sie die jüngere deutsche Geschichte leider ins Gedächtnis gerufen hat!