Luther-Bibel von 1534

Luther-Bibel von 1534 – Taschen – Cl I: 58 (b) und (c)  – Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Weimar, Deutschland)

Wittenberg (Deutschland) — 1534

Das berühmteste Buch in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar: Die erste gedruckten vollständigen Bibelübersetzung Martin Luthers mit einem Titelblatt von Lucas Cranach d. Ä. und 128 meisterhaften und kolorierten Holzschnitten

  1. Die zweibändige Weimarer Lutherbibel enthält ein Titelblatt von Lucas Cranach dem Älteren (ca. 1472-1553)

  2. 128 Holzschnitte vom Monogrammisten MS wurden meisterhaft mit deckenden blauen, grünen und roten Farben koloriert

  3. Es ist ein wunderbares Exemplar eines frühen Buchdrucks, das nach dem Geschmack der Auftraggeber gestaltet wurde

Luther-Bibel von 1534

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Luther-Bibel von 1534

Die zweibändige Weimarer Lutherbibel gilt als das schönste der 60 erhaltenen Exemplare der 1534 gedruckten Ausgabe von Martin Luthers berühmter und einflussreicher deutscher Bibel. Ihre 128 Holzschnitte, darunter ein prächtiges Titelblatt von Lucas Cranach dem Älteren, wurden kurz nach dem Druck mit Deckfarben in Blau, Grün und Rot meisterhaft koloriert. Auch Blattgold wurde verwendet, um einige der prächtigen Holzschnitte zu illuminieren. Es handelt sich um ein wunderbares Exemplar aus der Frühzeit des Buchdrucks, als man noch einen Künstler beschäftigte, der den Buchschmuck nach dem Geschmack des Auftraggebers anfertigte.

Luther Bibel von 1534

Nur wenige historische Persönlichkeiten haben eine so weitreichende Wirkung gehabt wie Martin Luther (1483-1546). Die entscheidende Gestalt der protestantischen Reformation ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte Deutschlands und der deutschen Sprache, weil er die Bibel so übersetzt hat, dass sie auch von Laien verstanden werden konnte. Nach der Erstveröffentlichung des Neuen Testaments im Jahr 1522 folgte 1534 eine Gesamtausgabe des Alten und Neuen Testaments mit Apokryphen. Von den 60 erhaltenen Exemplaren der ersten Gesamtausgabe ist das in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar aufbewahrte Exemplar zweifelsohne das beste. Seine 128 Holzschnitte sind reich mit blauen, roten und grünen Farben koloriert, einige sogar mit Gold. Der prächtige Druck muss von einer wohlhabenden Person in Auftrag gegeben worden sein, aber es konnte bisher niemand namentlich identifiziert werden. Über die Besitzverhältnisse vor dem Erwerb durch die Bibliothek im Jahr 1815 ist gleichfalls nichts bekannt.

Luthers historische Übersetzung

Luther war nicht der erste, der die Bibel ins Deutsche übertrug, doch zeichnet sich seine Übersetzung dadurch aus, dass sie nicht die lateinische Vulgata als Quelle verwendete, sondern aus dem hebräischen und griechischen Original schöpfte. Er verbrachte auch Zeit in verschiedenen Städten und auf Märkten und hörte sich die Sprache des einfachen Volkes an, um sicherzustellen, dass auch diese Leute, sein Zielpublikum, seine Übersetzung verstehen würden. Seine deutschsprachige Bibel inspirierte andere Theologen in ganz Europa, ihre eigenen Übersetzungen in die Volkssprache anzufertigen, löste auf dem Kontinent aber auch generationenlange Religionskriege mit aus. Nichtsdestotrotz wird Luthers Übersetzung von vielen als sein größtes Werk mit weitreichender religiöser, sprachlicher und kultureller Bedeutung angesehen.

Ein Luxusdruck

Die Lutherbibel hätte ohne die kurz zuvor getätigte Erfindung des Buchdrucks niemals den Einfluss gehabt, der ihr schließlich zukommen sollte. Zu Luthers Lebzeiten wurden bereits etwa 200 000 Exemplare gedruckt. Das Zeitalter der billigen gedruckten Bücher lag jedoch noch in weiter Ferne und selbst ein ungebundenes Exemplar der vollständigen Bibel kostete den Monatslohn eines durchschnittlichen Arbeiters. Der einfache Mann lernte die Lutherbibel daher nur aus zweiter Hand durch Kirchen, Pfarrer und Schulen kennen. Die erste Gesamtausgabe von 1534 wurde von Hans Lufft (1495-1584) in Wittenberg gedruckt, der auch dieses besondere Unikat herstellte und insgesamt 100 000 Exemplare der Bibel drucken ließ. Abgesehen von einer Titelseite des Alten Testaments mit der Darstellung Josuas, die von Lucas Cranach dem Älteren (ca. 1472-1553), einem engen Freund Luthers, geschaffen wurde, stammen die übrigen 128 Stiche vom sogenannten Meister MS. 62 davon sind Illustrationen im Format 10,8 x 14,7 cm, 41 Illustrationen für das Alte Testament und 21 für das Neue Testament, während der Rest aus dekorativen und historisierten Initialen besteht. Luther soll sich persönlich an der Gestaltung der Holzschnitte beteiligt haben.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Luther Bible of 1534
Biblia, das ist, Die gantze Heilige Schrifft deudsch
Bible de Luther de 1534
Martin Luther - The 1534 Bible
Umfang / Format
1674 Seiten / 31,5 × 21,0 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
1534
Sprache
Buchschmuck
128 große, teils ganzseitige farbenprächtig kolorierte Holzschnitte und zahlreiche fantasievolle Initialen
Künstler / Schule

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Luther-Bibel von 1534 – Taschen – Cl I: 58 (b) und (c)  – Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Weimar, Deutschland)
Taschen – Köln, 2002
Limitierung: 500 Exemplare
Detailbild

Luther-Bibel von 1534

Der Fall von Jericho

Im Buch Josua beginnen die Isaeliten ihren Feldzug gegen Kanaan mit der Belagerung der Stadt Jericho, die jedoch durch unüberwindbare Mauern geschützt wurde. Um dieses Hindernis zu umgehen, beauftragt Josua im Namen Gottes sieben Priester mit Posaunen um die Stadt zu ziehen. Hinter ihnen her sollte die Bundeslade getragen werden. Diesem Zug sollten sich auch alle anderen anschließen und er wurde sieben Tage lang wiederholt. Am letzten Tag forderte Josua das Volk zu einem großen Kriegsgeschrei auf, das die Mauern zum Einstürzen brachte, womit die Stadt erobert war. Dieser detailreiche kolorierte Holzschnitt zeigt jenen Moment, in dem Mauern zerfallen und die Israeliten noch vor der Stadt stehen – im Zentrum der Prozession die goldene Bundeslade.

Biblia, das ist, Die gantze Heilige Schrifft deudsch
Einzelseite

Luther-Bibel von 1534

Frontispiz

Dieses Frontispiz ist nicht nur ein wunderbares Zeugnis des Druckwesens des 16. Jahrhunderts, sondern bietet auch eine detaillierte Darstellung einer spätmittelalterlichen Rüstung. Der Titel selbst wird mit einem schmuckvollen goldenen "D" eingeleitet, doch fragt man sich, wieso das Wort "alten" getrennt wurde, hätte die untere Zeile doch genügend Platz für das gesamte Wort geboten. Darunter werden die grundlegenden Information der Druckausgabe angegeben: Sie erschien 1534 - in römischen Ziffern gedruckt - in Wittenberg.

Bei dem Ritter handelt es sich um einen mittelalten Mann mit lockigem Haar, vollem Bart und vielen Falten, die auf seine militärische Erfahrenheit schließen lassen. Er hat seinen Helm mit goldenem Visir abgenommen und sitzt in seiner steifen Rüstung, zu der ein Harnisch, Panzerhandschuhe, Ellenbogen- und Kniekacheln und Diechlinge gehören, auf einem roten Podest. Der Marschallstab in seiner rechten Hand zeigt zwar seinen hohen Status als Feldmarschall des Heiligen Römischen Reiches an, doch gibt es kein Attribut, das auf seine individuelle Identität schließen lässt.

Biblia, das ist, Die gantze Heilige Schrifft deudsch
Faksimile-Editionen

#1 Biblia, das ist, Die gantze Heilige Schrifft deudsch

Taschen – Köln, 2002

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Taschen – Köln, 2002
Limitierung: 500 Exemplare
Einband: Kunstledereinband in Kassette
Kommentar: 1 Band von Stephan Füssel
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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