Perikopenbuch von St. Peter

Clm 15903 - Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)

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Kodiologie

Alternativ-Titel

Perikopenbuch aus St. Erentrud in Salzburg
St. Peter Pericopes from St. Erentrud
Evangelia in missa legi solita, praecedente capitulari evangeliorum

Art

Handschrift auf Pergament

Umfang / Format

212 Seiten / 31.0 x 22.0 cm

Herkunft

Kloster von St. Peter, Salzburg (Österreich)

Datum
Um 1150
Stil

Romanisch / Byzantinisch

Genre

Liturgische Handschriften

Sprache

Latein

Buchschmuck

55 Miniaturen (davon 33 ganzseitig), 6 Seiten mit einem Verzeichnis der 71 Perikopen, 1 Initialzierseite und 81 figürliche und Rankeninitialen. Der Buchschmuck ist in Deckfarbenmalerei und Silber auf Goldgrund ausgeführt. Schrift: große, kräftige Minuskel

Vorbesitzer

Benediktinerinnenkloster auf dem Salzburger Nonnberg

Kurzbeschreibung

Mit sagenhaften 55 farbigen Miniaturen auf Goldgrund sowie 81 zum Großteil figürliche Goldinitialen weist das Perikopenbuch aus St. Peter das reichste Bildprogramm einer hochmittelalterlichen Evangelienhandschrift auf. Die Mitte des 12. Jahrhunderts entstandene Handschrift breitet auf 106 Seiten dem Betrachter ein Bild- und Dekorationsprogramm aus, das seinesgleichen sucht. Von den Miniaturen, die den Lesungen zu den Hochfesten wie Weihnachten, Ostern oder den Marien- und Heiligenfesten vorangestellt sind, ist weit mehr als die Hälfte ganzseitig. In der Verbindung byzantinischer Stilprinzipien mit Bildthemen aus westlichen Vorlagen erweist sich die nahe Verwandtschaft der Handschrift zu älteren Werken aus dem Skriptorium von St. Peter in Salzburg.

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Beschreibung

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DAS PERIKOPENBUCH VON ST. PETER - EIN BUCH IN GOLD UND SILBER

55 farbige Miniaturen auf Goldgrund – und damit das reichste Bildprogramm einer hochmittelalterlichen Evangelienhandschrift – sowie 81 zum Großteil figürliche Goldinitialen ein Bild- und Dekorationsprogramm aus, das sowohl quantitativ als auch qualitativ seinesgleichen sucht. Von den Miniaturen, die den Lesungen zum Weihnachts- und Osterkreis, zu den Heilungs- und den Erweckungswundern Christi, den Marien- und Heiligenfesten sowie dem Fest der Kreuzauffindung und -verehrung vorangestellt sind, ist weit mehr als die Hälfte ganzseitig. Breite Rechteckrahmen mit ornamentierten Füllungen zwischen goldenen und silbernen Leisten fassen die biblischen Szenen wie Tafelbilder ein. Wertvolles Blattgold bildet die Hintergrundfolie für die großfigurigen Szenen, die in kräftigen, gebrochenen Deckfarben ausgeführt sind. Vereinzelte Architekturelemente und Landschaftsangaben dienen lediglich der Verortung des Geschehens. Würdevolle Figuren dominieren den symmetrischen Bildaufbau. Durch eine lebhafte Gebärdensprache und Blicke aus großen Augen treten sie zueinander in Beziehung und vermitteln so den Inhalt des Bildes und zugleich dessen emotionalen Ausdruck. In der Verbindung byzantinischer Stilprinzipien mit Bildthemen aus westlichen Vorlagen und der Praxis, den Körper der Figuren mit Hilfe von Farbschattierungen plastisch zu modellieren erweist sich die nahe Verwandtschaft unserer Handschrift zu älteren Werken aus dem Skriptorium von St. Peter.

Eine Welt in Initialen

Diese tritt im Perikopenbuch von St. Peter in besonderer Weise auch im fantasievollen Initialschmuck zutage. Am Beginn jeder Perikope steht eine Initiale – als Einzelbuchstabe, vielfach auch als Teil einer Initialgruppe oder als Ligatur aus den beiden Anfangsbuchstaben der Einleitungsformel und des eigentlichen Perikopentextes ausgeführt. Die goldenen Buchstabenkörper werden von spiralartigen Ranken umspielt, deren Nebenschößlinge in bunten Knospen und Blüten enden. In zahllosen Variationen werden einzelne Buchstabenteile durch Lebewesen – großteils Tiere – ersetzt, was der Handschrift eine heitere Note verleiht.

EU-ANGELION – DIE FROHE BOTSCHAFT IN WORT UND BILD

Perikopenbücher (=Evangelistare) enthalten jene Abschnitte (Perikopen) aus den Evangelien, die als Lesungen für die einzelnen Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres ausgewählt wurden. Von den 71 Perikopen dieser Handschrift werden nicht weniger als 55 von Miniaturen eingeleitet. Ihre Funktion beschränkt sich nicht darauf, das im Text Referierte zu illustrieren, also mit visuellen Mitteln ein zweites Mal zu wiederholen. Vielmehr wird der Erzählhorizont mithilfe ikonographischer Mittel zusätzlich erweitert und interpretiert. Als Beispiel hierfür mag die Miniatur „Jesus unter den Schriftgelehrten“ dienen, in der der 12jährige Knabe als erwachsener, bärtiger Mann dargestellt wird. Mit diesem Kunstgriff wird das Kontinuum der Zeit überwunden und auf die spätere Rolle Christi als Messias vorausgewiesen. Solch überraschende Bildlösungen ziehen sich durch die ganze Handschrift. Sie stehen im Dienste des inhaltlichen Gesamtkonzeptes, in dem Christus als Gesalbter, als Heilsbringer – als Messias – präsentiert wird.

Ein romanisches Meisterwerk aus dem früheren Besitz von St. Erentrud in Salzburg

Seinen in der wissenschaftlichen Literatur bekannten Namen „Perikopenbuch von St. Erentrud“ verdankt der Codex dem Benediktinerinnenkloster auf dem Salzburger Nonnberg. Eine Notiz aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert auf fol. 104v der Handschrift belegt, dass der Codex spätestens ab diesem Zeitpunkt zum Klosterbestand gehörte. Und doch ist St. Erentrud weder der Entstehungs- noch der Bestimmungsort des Perikopenbuchs. Unbestritten ist die Salzburger Provenienz der Handschrift. Dafür sprechen zum einen inhaltliche Gründe, wie die mehrfache Hervorhebung des heiligen Rupert, der nicht nur das Bistum Salzburg gegründet und als erster Bischof geleitet hatte, sondern auch als Gründer der Benediktinerstifte St. Peter und St. Erentrud verehrt wird. Zum anderen ist es die enge künstlerische Verwandtschaft mit zweifelsfrei in Salzburg entstandenen Codices, die die Herkunft des Perikopenbuchs aus einem heimischen Skriptorium nahelegt. Unter den drei in der Mitte des 12. Jahrhunderts in Salzburg aktiven Schreibstuben (dem Domskriptorium, dem Skriptorium der Petersfrauen und jenem von St. Peter) kommt aus stilistischen, ikonographischen und inhaltlichen Gründen nur eines für die Entstehung des Perikopenbuches in Frage – das Skriptorium von St. Peter.

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