Sternbilder der Antike

Ms. 735C - National Library of Wales (Aberystwyth, Wales)

Alternativ-Titel:

Constellations from Antiquity

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Kodiologie

Alternativ-Titel

Constellations from Antiquity

Art
Umfang / Format

52 Seiten / 23.5 x 16.5 cm

Herkunft
Datum
1000
Stil
Genre
Inhalt

Lehrgedicht, das mit fantastischen Zeichnungen die Ordnung der Sternbilder erklärt

Sprache
Künstler / Schule

Mindestens zwei Buchmaler-Mönche

Buchschmuck

23 zart kolorierte Federzeichnungen zu den einzelnen Sternbildern und 7 Himmelskarten (Hemi- und Planisphären, Planetenbahnen, Tierkreis)

Kurzbeschreibung

Die nachkarolingische Handschrift „Sternbilder der Antike“ entstand um das Jahr 1000 im französischen Kloster Fleury, einem Zentrum der mittelalterlichen Astronomie. Durch diese Abschrift eines Lehrgedichts des berühmten antiken Dichters Aratos wurde das gesammelte astronomische Wissen der Antike bewahrt und auf eine beeindruckende Weise verbildlicht: 23 zart kolorierte Federzeichnungen zu den Sternbildern, sowie sieben Himmelskarten, Hemi- und Planisphären und die Planetenbahnen mit Tierkreis schmücken diese historisch bedeutende Bilderhandschrift.

Verfügbare Faksimile-Ausgaben

Beschreibung

Aratos – der antike Dichter der Sterne

Sternbilder waren Jahrtausende lang der entscheidende Wegweiser für Seefahrer, Handelskarawanen und Reisende. Heute haben technische Neuerungen die Sternbilder als Reisenavigator ersetzt, aber die Faszination für die Sternenbilder, denen wir seit Menschheit Anbeginn jede Nacht aufs Neue begegnen, hält ungebrochen an. Von der Antike bis zum Mittelalter, genauer bis zum Ende des 12. Jahrhunderts gingen in Europa sämtliche Abhandlungen zu Sternbildern auf die griechische Himmelsbeschreibung des Dichters Aratos von Soloi zurück. Als einzige Referenzquelle kommt seinem Werk unschätzbare Bedeutung zu und ist auch die textliche Grundlage für die „Sternbilder der Antike“. Aratos verfasste sein astronomisches Lehrgedicht zwischen 276 und 274 v. Chr. am makedonischen Hof und gab seinem Gedicht den Titel „Phainomena“, was übersetzt „Erscheinungen“ bedeutet. Schon bald war das Werk des Dichters Aratos auch in Rom bekannt, wo Claudius Germanicus (15 v. Chr.), ein Großneffe von Kaiser Augustus, das Werk ins Lateinische übersetzte. Die lateinische Übersetzung des „Phainomena“ hat letztlich das astronomische Lehrgedicht in einen christlichen Kontext neu verankert. Ausgehend von der Position der Sternbilder erklärt Aratos die Himmelskreise: den nördlichen und südlichen Wendekreis, den Äquator, den Tierkreis und schließlich die Milchstraße. In seinen Ausführungen unterscheidet der antike Gelehrte zwischen Fix- und Wandelsternen und erläutert seine Erkenntnisse zu den fünf Planeten.

Die Eingangsminiatur – Die Kunst der Karolinger in antiker Tradition

In der Eingangsminiatur (auf 11v) wird dem Dichter inmitten seiner Schrift ein Denkmal gesetzt: Darin diskutiert Aratos, eingerahmt von zwei korinthischen Säulen, mit seiner Muse Urania über den zwischen ihnen stehenden Himmelsglobus. Die Figurengruppe mit dem Dichter Aratos und seiner Muse Urania ist, bis auf eine weitere Handschrift, einmalig in der Kunstgeschichte und von unschätzbarer Bedeutung. Diese Miniatur mit Faltstuhl, Toga, dem Globusständer mit den Löwenfüßen ist beispielhaft für die klassische Tradition, wie sie in der Kunst der Karolinger gelobpreist wurde.

Im Zentrum für astronomische Studien: Die Abtei Fleury

Durch seine Rückbesinnung auf das Wissen der Antike leitete Karl der Große eine systematische Erneuerung der Wissenschaften ein. Im Zuge der Entwicklung der frühmittelalterlichen Klosterschulen zu bedeutenden Wissenschaftszentren, etablierte sich die Abtei von Fleury in Saint-Benoit-sur-Loire östlich von Orléans zum wichtigsten Zentrum für astronomische Studien vom 10. bis 11. Jahrhundert. Diesen Status etablierte sich die Abtei durch ihre beeindruckende technische Ausstattung: zahlreiche Himmelsgloben und diverse Geräte zur systematischen Sternenbeobachtung gehörten ebenso zum Inventar wie eine riesige Bibliothek, die in einem separaten mehrgeschossigen Gebäude untergebracht war und das Herzstück von Fleury darstellte. An diesem Ort der Wissensakkumulation und der Gelehrsamkeit wurde die Handschrift „Sternbilder der Antike“ um 1000 von der antiken Vorlage abgeschrieben und in selten gesehener Pracht illustriert. Außergewöhnlich an den „Sternbildern der Antike“ ist die beeindruckende Handwerkskunst, in der die Seiten durch schwungvolle und zart kolorierte Federzeichnungen, auch nach über tausend Jahren, die Schrift ergänzen. Diese Zeichnungen sind nicht nur Zeugnisse der mittelalterlichen Buchkunst, sondern erlauben faszinierende Einblicke in das Bild des Kosmos, das in jener Zeit die Vorstellung der Astronomen dominiert hat.

Das Astronomiebuch der Nachkarolingerzeit.

Die auf Pergament gearbeitete Handschrift ist, trotz ihrer tausend Jahre, außergewöhnlich gut erhalten. Ihren heutigen Ledereinband in Blindprägung erhielt die historische Handschrift im 17. Jahrhundert in London und ist auf Vorder- und Rückdeckel mit geometrischen Motiven und Bildprägungen verziert. Die Bilderhandschrift hielt sich bis 1913 in Privatbesitz und wurde dann der Nationalbibliothek von Wales in Aberystwyth gestiftet. Heute wird sie unter der Signatur Ms 735C in der Nationalbibliothek von Wales in Aberystwyth aufbewahrt. Seither gilt sie als die älteste Handschrift der Nationalbibliothek und wird als besonderer Schatz gehütet. Im Angesicht der technischen Errungenschaften unserer Zeit, in der Hochleistungsrechner und Riesenteleskope die Möglichkeiten eines einzelnen Menschen unbedeutsam erscheinen lassen, ist es umso erstaunlicher, welche Beobachtungen der antike Dichter Aratos in seinem Lehrgedicht niedergeschrieben hat und die Welt bis heute fasziniert.

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