Genre: Astrologie / Astronomie

Der mittelalterliche Blick in die Sterne: Von Mythologie, Astronomie und praktischen Horoskopen
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Astronomie und Astrologie

Der Blick in die Sterne, der versucht, sie zu entschlüsseln und eine Ordnung in dem Lichterwirbel ausfindig zu machen, ist einer der ältesten menschlichen Beschäftigungen. Und Manuskripte zu Astronomie und Astrologie, was man im Mittelalter für ein und dasselbe hielt, gehörten zu den komplexesten und schönsten der europäischen Buchmalerei.

Stand im Früh- und Hochmittelalter vor allem die antike Mythologie mit den tradierten Sternbildern im Vordergrund, nahm die Herstellung astronomischer und astrologischer Handschriften ab dem 12. Jahrhundert deutlich zu. Im Spätmittelalter waren diese nutzten reiche Bürger und der Adlige gleichermaßen die mehr oder weniger wissenschafltichen Abhandlungen als Hilfsanleitungen im alltäglichen Leben, in denen sie beispielsweise nachschlagen konnten, wann die beste Zeit wäre, etwa ein Haus zu bauen oder eine Reise anzutreten.

Die Jahrhunderte lange Schulung der Fähigkeiten, die zur Kartierung der Sterne erforderlich waren, trugen dann auch entscheidend zur Entwicklung der Kartographie und Geographie bei – zwei Disziplinen, die für das Zeitalter der Entdeckungen eine entscheidende Rolle spielten, als die europäischen Seefahrerstaaten begannen, auf der Suche nach Gewürzen und Waren aus dem Fernen Osten die Welt zu umsegeln.

Diese Handschriften zur Astronomie und Astrologie zeichnen sich gleichermaßen durch ihre künstlerische Qualität und ihren Wert als Beleg der frühen wissenschaftlichen Forschung aus und gehören heute zu den interessantesten Beispielen mittelalterlicher Buchmalerei.

Aratea

Orion der Jäger

Basierend auf dem antiken Text *Phaenomena* des Aratos von Soloi ist dieses karolingische Exemplar eine der ältesten mittelalterlichen Handschriften über die Sterne und stammt aus dem frühen 9. Jahrhundert. Es war ein Auftragswerk des Kaisers Ludwigs des Frommen oder seiner Frau Judith. Obwohl es sich nicht um eine genaue Darstellung der tatsächlichen Sternbilder handelt, ist es ein Meilenstein in der Geschichte der Astrologie und Astronomie.

Das Sternbild Orion ist eines der bekanntesten am Himmel und wurde nach einem Jäger aus der griechischen Mythologie benannt, spielt aber in der Vorstellungswelt vieler Völker eine Rolle. Der talentierte, anonyme Künstler porträtiert hier Orion in einer klassischen Tunika, die Haut eines Tieres über einem Arm und eine Schleuder in der Hand. Lepus, der Hase, der auf den Darstellungen des Orion oft sein Beutetier ist, springt zwischen seinen Beinen umher.

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