Genre: Beatus-Handschriften

Eindringliche Farben und meisterliche Bilder: Der Apokalypsen-Kommentar des Beatus de Liebana
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Beatus-Handschriften

Die Beatus-Manuskripte, illuminierte Codices des Kommentars zur Apokalypse des spanischen Mönchs und Theologen Beatus von Liébana aus dem 8. Jahrhundert, zählen zu den faszinierendsten Codices, die im Mittelalter hergestellt wurden. Sie gelten als Gattung einer eigenen Art innerhalb des weitläufigen Corpus herrlicher mittelalterlicher Manuskripte zur Apokalypse, wie das Buch der Offenbarung im Mittelalter gemeinhin genannt wurde.

Der Kommentar des Beatus ist bis heute in 27 Manuskripten erhalten geblieben, von denen einige erst in den letzten Jahren entdeckt wurden. Hauptsächlich angefertigt in Nordspanien sind sie von besonderer Bedeutung für die spanische Kunstgeschichte, obschon auch in Frankreich und Italien Beatus-Manuskripte hergestellt wurden. Die fantastische Bildsprache und die endringlichen Farben wirken auf den modernen Betrachter oft zunächst unübersichtlich und verworren. Dem Auge, das mit der Ästhetik und dem Symbolismus des Mittelalters vertraut ist, kann sich die Illumination dieser herausragenden Kunstwerke jedoch leicht erschließen. 

Beatus von Liébana - Codex San Miguel de Escalada

Satan in Fesseln für die nächsten 1000 Jahre

„Dann sah ich einen Engel vom Himmel herabsteigen; auf seiner Hand trug er den Schlüssel zum Abgrund und eine schwere Kette. Er überwältigte den Drachen, die alte Schlange - das ist der Teufel oder der Satan -, und er fesselte ihn für tausend Jahre.“ (Offb 20, 1-2)

Satan, wie er für 1000 Jahre in den Abgrund geworfen wird, ist eines der dramatischsten Ereignisse in der Offenbarung. Das Geschehen wird hier in einer Handschrift dargestellt, die sowohl die Beatus-Tradition als auch die mozarabische Kunst veranschaulicht. Die Auswahl der Farben hatte für ein mittelalterliches Publikum eine symbolische Bedeutung, die für moderne Menschen weitgehend verloren gegangen ist, z. B. der dreifarbige Hintergrund als Symbol für Himmel, Erde und Hölle. Mit ungerührtem Gesichtsausdruck und Augen im byzantinischen Stil führt der Engel die Schlange feierlich mit einer silbernen Kette in ihr Gefängnis.