Die Suche nach dem Heiligen Gral und der Tod des Königs Artus

Die Suche nach dem Heiligen Gral und der Tod des Königs Artus – Istituto dell'Enciclopedia Italiana - Treccani – MS fr. 112 (3) – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)

Frankreich — 4. Juli 1470

Monarchie-Kritik und ein Idealbild spätmittelalterlichen Rittertums in einem Klassiker der höfischen Literatur: Eine außergewöhnliche Zusammenstellung der legendären Erzählungen rund um den Heiligen Gral und König Artus

  1. Am 4. Juli 1470 im Auftrag Jacques d'Armagnacs, Herzog von Nemours und Graf von La Marche und Castres, fertiggestellt

  2. Enthält eine außergewöhnliche Zusammenstellung der legendären Erzählungen, angereichert mit Kritik an der französischen Monarchie

  3. 133 kunstvolle Miniaturen aus der Werkstatt des Évrard d'Espinques illuminieren vor allem die dramatischen Schlacht- und Turnieszenen

Die Suche nach dem Heiligen Gral und der Tod des Königs Artus

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Beschreibung
Die Suche nach dem Heiligen Gral und der Tod des Königs Artus

Am 4. Juli 1470 wurde in der Werkstatt des talentierten Buchmalers Évrard d'Espinques eine kostbare und außergewöhnliche Handschrift für den Grafen von Nemours, Jacques d'Armagnac (1433–1477), fertiggestellt: Die Suche nach dem Heiligen Gral und der Tod des Königs Artus. Sie enthält eine monarchiekritische Zusammenstellung der legendären Erzählungen über die Suche nach dem mystischen Abendmahlskelch und wurde mit 133 kleineren und großen Miniaturen, goldgeschmückten Bordüren und wunderschönen Zierinitialen reich ausgestattet. Die Bilder betonen dabei nicht nur die kriegerischen Facetten der Geschichten, sondern geben uns heute einen farbenfrohen Einblick in eine idealisierte Welt des spätmittelalterlichen Rittertums.

Ein fürstlicher Auftrag

Als großer Liebhaber der Legenden rund um König Artus ließ Jacques d'Armagnac (1433–1477), Herzog von Nemours und Graf von La Marche und Castres, vier illuminierte Handschriften zu diesem Thema für seine Bibliothek in seiner Residenz in Castres im Languedoc herstellen. Während der erste Band bereits im 16. Jahrhundert verloren ging, überlebten die anderen drei kostbaren Codices die Wirren der Zeit und werden heute in der Bibliothèque nationale de France verwahrt. Das vierte Manuskript, Die Suche nach dem Heiligen Gral und der Tod des Königs Artus, wurde am 4. Juli 1470 für den Herzog fertiggestellt und ist am aufwändigsten ausgestattet. Es ist ein kunstvolles Zeugnis des Mäzenatentums des Herzogs von Nemours, der nicht nur ein großer Förderer der Buchmalerei war, sondern insbesondere aufgrund seiner Rebellion gegen die französische Krone in die Geschichte einging, die ihn 1477 schließlich seinen Kopf kostete.

Monarchie-Kritik in einem Klassiker der mittelalterlichen Literatur

Die prächtige Handschrift enthält eine außergewöhnliche Zusammenstellung der legendären Erzählungen über die Suche nach dem Heiligen Gral (fol. 1r-182r) und die Legende vom Tod König Artus' (fol. 182r-233r). Die Gralssuche wird in einer Version dargestellt, in der König Artus gemeinsam mit den Rittern der Tafelrunde auf die Suche nach dem mystischen Gefäß geht, mit dem Jesus das Letzte Abendmahl feierte und in dem Joseph von Arimathäa das Blut Christi am Kreuz auffing. In dem spätmittelalterlichen Codex wurden die berühmten Erzählungen, die im 12. und 13. Jahrhundert aufkamen, an die veränderten kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst. So wurde etwa eine Episode über den Tod von König Markus aus der Tristan-Legende (fol. 160r-163r) aufgenommen, was in der französischen Tradition recht ungewöhnlich ist. Erstaunlich ist zudem, dass sowohl auf der Text- als auch auf der Bildebene eine kritische Haltung gegenüber der zentralistischen Monarchie in Frankreich angedeutet wird.

Ein Blick in die Welt des Rittertums

Der zweispaltige Text wurde von Micheau Gonnot, einem Schreiber in Diensten des Herzogs, in einer hervorragend leserlichen Bastarda mit dynamischem Schwung geschrieben. Der ordentliche Schriftspiegel wird immer wieder von insgesamt 133 unterschiedlich großen, farbenprächtigen und meist goldgeschmückten Miniaturen unterbrochen. Viele von ihnen erstrecken sich über beide Textspalten nehmen beinahe eine halbe Seite ein. Die meisten lesen sich jedoch wie kleine Fenster in die Geschichten und sind einspaltig in den Schriftspiegel integriert. Dabei nehmen Turnier- und Schlachtszenen, die das spätmittelalterliche Rittertum idealisieren und romantisieren, besonders viel Raum ein und betonen damit die martialischen Momente der Erzählungen. Gleichzeitig sorgen die Miniaturen aber auch für Ordnung und Struktur und helfen den Lesern und Leserinnen bei der Orientierung in dem 233 Pergamentfolios umfassenden Codex. Vegetabile Bordüren und ornamentale Initialen mit vielen goldenen Details heben wichtige Textstellen zusätzlich hervor, leiten neue Abschnitte und Kapitel ein und schmücken zusammen die klar strukturierten Seiten.

Meisterliche Buchmalerei

Die malerische Ausstattung der wunderschönen Handschrift wurde von der Werkstatt des erfolgreichen Buchmalers Évrard d'Espinques übernommen. Dieser stammte eigentlich aus Norddeutschland, war jedoch ab 1440 in Paris und später in der Grafschaft La Marche aktiv und wurde ab 1461 von Jacques d'Armagnac als Buchmaler „angestellt“. Als solcher war er für die kunstvolle Illumination einiger Manuskripte mit höfischer Literatur verantwortlich, von denen heute noch einige erhalten sind.

In königlichem Besitz

Nach dem Tod des Herzogs kam der Codex in den Besitz der Familie Montjehan. Später befand er sich in der Bibliothek von Karl III. (1490–1527), Herzog von Bourbon. Auch dort blieb die Handschrift nicht allzu lange, gelangte sie doch schon alsbald in die Hände des französischen Königs Franz I. (1494–1547). Dort blieb die Handschrift bis zur Auflösung der königlichen Bibliothek 1792, die zur Neugründung der Bibliothèque nationale führte, wo sich das Manuskript noch heute befindet.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Il manoscritto Français 112(3)
Quest for the Holy Grail and Death of King Arthur
La Queste del Saint-Graal, La Mort du roi Artu
Re Artù
I Cavalieri della Tavola Rotonda e la Ricerca del Santo Graal
Compilation arthurienne de Micheau Gonnot
Le denier livre de messire Lancelot du Lac
Umfang / Format
466 Seiten / 43,0 × 30,0 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
4. Juli 1470
Stil
Schrift
Französische Bastarda
Buchschmuck
9 große und 121 spaltenbreite Miniaturen, unzählige Zierinitialen und florale Bordüren
Inhalt
Eine einzigartige Text-Kompilation, die die Legenden über die Suche nach dem Heiligen Gral, den Tod von König Artus und Tristan zusammenführt
Auftraggeber
Jacques d'Armagnac
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Montjehan Familie
Charles III., Herzog von Bourbon-Montpensier

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Die Suche nach dem Heiligen Gral und der Tod des Königs Artus – Istituto dell'Enciclopedia Italiana - Treccani – MS fr. 112 (3) – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)
Istituto dell'Enciclopedia Italiana - Treccani – Rom, 2022
Limitierung: 308 Exemplare (299 handnummeriert, 9 mit römischen Ziffern)
Faksimile-Editionen

#1 Il manoscritto Français 112(3)

Details zur Faksimile-Edition:

Limitierung: 308 Exemplare (299 handnummeriert, 9 mit römischen Ziffern)
Einband: Goldgeprägtes, rotes Maroquin-Leder. Das Faksimile kommt zusammen mit dem Kommentarband in einer roten Kassette.
Kommentar: 1 Band von Lino Leonardi, Claudio Lagomarsini, Nicola Morato und Ilaria Molteni
Sprache: Italienisch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion der fünf erhaltenen Blätter des Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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