Matutinalbuch aus Scheyern

Matutinalbuch aus Scheyern Faksimile

Scheyern (Deutschland) — 1215–1225

Ein Buch mit Geschichte: Das reich illuminierte Gebetbuch für den nächtlichen Gottesdienst in der Abtei Scheyern mit Wachsspuren und praktischen Eintragungen als Zeugnis für seinen täglichen Gebrauch über Jahrhunderte

  1. Die Handschrift enthält den Messtext und eine Vielzahl wichtiger zeitgenössischer Aufzeichnungen für die Abtei

  2. Sie wurde zwischen 1215 und 1225 von Abt Konrad I. für eine neue, der Jungfrau Maria geweihte Kirche in Auftrag gegeben

  3. Wachs- und Talgflecken zeugen von der häufigen Benutzung der Handschrift durch die Klostergemeinschaft im Laufe der Jahrhunderte

Matutinalbuch aus Scheyern

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  1. Beschreibung
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Beschreibung
Matutinalbuch aus Scheyern

Das Matutinalbuch aus Scheyern ist ein bedeutendes Zeugnis spätromanischer Buchmalerei in Deutschland und ein wichtiges Zeitdokument. Es entstand zwischen 1215 und 1225 in der Abtei Scheyern auf Veranlassung von Abt Konrad I. als Teil der Ausstattung einer neuen, der Jungfrau Maria geweihten Kirche. Der große, reich illuminierte Codex wurde vor allem für den nächtlichen Gottesdienst der Mönchsgemeinschaft verwendet. Seine Seiten weisen Spuren einer ausgiebigen und beständigen Nutzung auf, darunter Wachs- oder Talgflecken. Neben dem Text für die Matutin enthält er eine Tabelle zur Berechnung des Osterdatums, einen liturgischen Kalender mit verschiedenen Fest- und Heiligentagen, ein sogenanntes Nachwort, einen Herrscherkatalog, die Annalen der Abtei Scheyern, drei poetische Legenden, Notizen zu Schenkungen und Einkünften des Klosters sowie einen Bilderzyklus. Zu den ikonographisch und kunsthistorisch bedeutsamen Miniaturen gehört eine Darstellung der Frau der Apokalypse und des Drachen. Der Codex ist daher sowohl als Kunstwerk als auch als Sammlung von historischen Aufzeichnungen wertvoll.

Matutinalbuch aus Scheyern

Ein Matutinalbuch enthält diejenigen Lesungen, die von einer klösterlichen Gemeinschaft beim nächtlichen Chorgebet, der sogenannten Matutin, benötigt werden und hat als solches typischerweise ein großes Format, damit es von mehreren Personen auch mit größerem Abstand und bei dunklen Lichtverhältnissen gelesen werden kann. Den Lesungen geht in der Regel eine Reihe von nicht-liturgischen Texten voraus, die die intellektuellen und wirtschaftlichen Interessen des Klosters widerspiegeln. Was das Matutinalbuch von Scheyern von anderen unterscheidet, sind zwei Zyklen von kolorierten Feder- und Tuschezeichnungen, die sowohl von monumentaler Größe - 55 x 39 cm - als auch von außergewöhnlicher Qualität sind. Die Blätter zeigen die Spuren einer intensiven Nutzung, darunter sogar gelegentlich Wachs- oder Talgflecken. Sie entstand irgendwann zwischen 1215, als die neue Kirche eingeweiht wurde, nachdem ein Großteil des Klosters durch einen Brand zerstört worden war, und 1225 auf Geheiß von Abt Konrad I. von Luppburg (reg. 1206-73). Die Handschrift wurde 1803 von der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek in München erworben.

Eine seltene und prachtvolle Komposition

Neben dem Grundtext der Matutin enthält die Handschrift eine Rechentabelle zur Berechnung des Osterdatums, einen Festkalender, einen Epilog, einen Herrscherkatalog, die Annalen von Scheyern, drei poetische Legenden sowie Notizen zu den Traditionen und Einkünften des Klosters. Der erste der beiden Bilderzyklen konzentriert sich auf die Rolle der Jungfrau Maria als Miterlöserin und enthält eine Erzählung über Theophilus und die schwangere Äbtissin sowie die berühmte ganzseitige Miniatur der Frau der Apokalypse und des Drachen. Sieben Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria bilden den zweiten Bilderzyklus, der mit einer Miniatur des heiligen Martin und des heiligen Petrus gegenüber einer Miniatur der thronenden Jungfrau Maria mit dem Schutzpatron der Handschrift, der auf dem Boden liegt und die Hände zum Gebet zu ihren Füßen gefaltet hat, abschließt. Stilistisch orientieren sich die zugleich lebendigen und monumentalen Bilder des ersten Zyklus an der zeitgenössischen Malerei aus Regensburg-Prüfening, während die Bilder des zweiten Zyklus vom sogenannten Zackenstil geprägt sind, der den Einfluss sowohl der mittelrheinischen als auch der byzantinischen Tradition verbindet.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Matutinal Book from Scheyern
Umfang / Format
108 Seiten / 45,0 x 60,0 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
1215–1225
Stil
Sprache
Buchschmuck
25 Tafeln, davon 16 farbig; 16 schwarz-weiß-Abbildungen
Auftraggeber
Abt Conrad I. von Scheyern
Künstler / Schule

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Detailbild

Matutinalbuch aus Scheyern

Historisierte D-Initiale

Diese prächtige D-Initiale, die auf einer dekorativen Seite mit zwei anderen großen Initialen erscheint, leitet den abgekürzten Titel Dominica quarta ante nativitatem domini oder "Der vierte Sonntag vor Weihnachten" ein. Sie besteht aus einer schattierten braunen Initiale mit grünem und blauem Hintergrund. Fünf Tiere, darunter vier Drachen in Rot, Blau und Hellbraun sowie ein hellbrauner Hund, befinden sich zwischen den blühenden Ranken in Grau-Blau, Rot-Braun, Grün und Weiß, die sich um die Initiale winden. Drachen sind ein beliebtes dekoratives Thema in der gesamten Handschrift und erscheinen sowohl in den Initialen als auch in den Miniaturen.

Das Matutinalbuch aus Scheyern: Faksimile der Bildseiten aus dem Codex Latinus Monacensis 17401 der Bayerischen Staatsbibliothek München
Einzelseite

Matutinalbuch aus Scheyern

Die Frau der Apokalypse und der Drache

Der Inhalt des Kapitels 12 der Offenbarung des Johannes in einer einzigen Szene, die auf ihre drei wesentlichen Figuren reduziert ist: die Frau der Apokalypse (die entweder die Jungfrau Maria oder das Volk Gottes symbolisiert), der Sohn mit Kreuz und Buch (der für Jesus steht) und der siebenköpfige Drache, der ihn fressen will (der Satan darstellt). Der Drache speit einen Wasserstrom aus seinem Maul, wie um sie zu verschlingen, doch die mächtigen Adlerflügel, die ihr verliehen wurden, ermöglichen ihr mit ihrem Kind die Flucht.

In dieser romanischen Miniatur tauchen bereits Elemente der aufkommenden Gotik auf, darunter das stilisierte, eckige Gewand der Frau mit den für den Zackenstil typischen Falten. Während der Drache in einem eher konventionellen flachen Profil dargestellt ist, wird die Frau in einer dynamischen "Dreiviertelansicht" gezeigt, bei der ein Fuß aus dem Rahmen tritt, während sie gelassen über die Schulter zurückblickt - ein künstlerisches Muster, das die Flucht vor einem Verfolger anzeigt und sich bis auf antike griechische Vasen zurückverfolgen lässt.

Das Matutinalbuch aus Scheyern: Faksimile der Bildseiten aus dem Codex Latinus Monacensis 17401 der Bayerischen Staatsbibliothek München
Faksimile-Editionen

#1 Das Matutinalbuch aus Scheyern: Faksimile der Bildseiten aus dem Codex Latinus Monacensis 17401 der Bayerischen Staatsbibliothek München

Reichert Verlag – Wiesbaden, 1980

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Reichert Verlag – Wiesbaden, 1980
Limitierung: 100 Exemplare
Einband: Halbpergamenteinband
Kommentar: 1 Band von Hermann Hauke und Renate Kroos
Faksimile: 1 Band Teilfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Vorzugsausgabe
€€ (1.000€ - 3.000€)
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