Speculum Humanae Salvationis: Ein niederländisches Blockbuch

Speculum Humanae Salvationis: Ein niederländisches Blockbuch Faksimile

Utrecht (Niederlande) — um 1468-1479

Äußerst seltener Einblick in die Bücherwelt des 15. Jahrhunderts: Ein „Spiegel des menschlichen Heils“ in einem Blockbuch als erschwinglicherer Alternative zu Gutenbergs beweglichen Lettern mit 58 meisterhaften Holschnitten

  1. Ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden Blockbücher als billige Alternative zu gedruckten Büchern hergestellt

  2. Dieser kleine Codex wurde in den Niederlanden um 1468-79 mit brauner, schwarzer und roter Tinte hergestellt

  3. Ludolph von Sachsen (ca 1295 - 1378) wurde als möglicher Autor des Originaltextes identifiziert

Speculum Humanae Salvationis: Ein niederländisches Blockbuch

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Beschreibung
Speculum Humanae Salvationis: Ein niederländisches Blockbuch

Blockbücher sind kurze, meist religiöse Bücher, die in Europa in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Europa mit Holzschnitten gedruckt wurden. Sie entstanden, indem zwei Seiten auf ein Blatt gedruckt wurden, das dann in der Hälfte gefaltet und mit anderen Blättern zu einem einfachen Einband zusammengenäht wurde, und dienten als billige Alternative zu den noch sehr teuren Setzbüchern. Exemplare von ihnen sind heute äußerst selten, die meisten existieren nur noch als Fragmente. Dieses Speculum Humanae Salvationis oder "Spiegel des menschlichen Heils" dagegen, der um 1468-79 in den Niederlanden entstand, hat als vollständiger Codex mit 58 Holzschnitten überlebt. Die Schnitte illustrieren den zweispaltigen Text, der immer im oberen Drittel der Seite steht. Trotz der Qualität der Gestaltung der Holzschnitte, die biblische Ereignisse im 15. Jahrhundert ansiedeln und so zugleich einen Einblick in das zeitgenössische Alltagsleben geben, ist der Meister, der sie entworfen hat, bisher unbekannt geblieben. Für die Illustrationen wurde braune Tinte verwendet, während der Text mit schwarzer Tinte in einer gotischen Schrift mit beweglichen Lettern gedruckt wurde, mit Ausnahme einiger Initialen in roter Tinte. Ludolph von Sachsen wurde von Forschern als möglicher Autor des Werks genannt, was jedoch bisher nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte.

Kodikologie

Umfang / Format
122 Seiten / 27,0 x 20,5 cm
Herkunft
Niederlande
Datum
um 1468-1479
Stil
Sprache
Buchschmuck
58 Tafeln mit Szenen aus Bibel und Geschichte
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Martinus Sigismundus Mayllerus
Benediktinerkloster Niederaltaich
Universitätsbibliothek Landshut
Detailbild

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David erschlägt Goliath

Während die meisten Darstellungen dieser berühmten Newcomer-Geschichte aus dem Buch Samuel zeigen, wie sehr Goliath David überragt, als dieser gerade seine Schleuder lossausen lässt, zeigt dieser Holzschnitt bereits die unmittelbare Folge davon. Der schwer gepanzerte Goliath liegt auf dem Boden neben seiner mit Stacheln besetzten Keule und klammert sich noch an sein Schwert. Sein Gesicht hat hässslich-übertriebene Züge im Vergleich zu dem knabenhaften Ausdruck auf dem Gesicht Davids, das teilweise von einem Tintenklecks verdeckt wird. Obwohl David in der Geschichte noch ein einfacher Hirte ist, ist er hier bereits gekrönt und mit Wams und Strumpfhose wie ein Prinz des späten 15. Jahrhunderts gekleidet.

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Taufe Christi und das Geschmolzene Meer

Auf der linken Seite ist die typische Szene zu sehen, in der Johannes der Täufer Wasser über den Kopf Jesu gießt, der gerade im Jordan steht. Ein Engel in einem fließenden Gewand mit kantigem Faltenwurf, der vom Zackenstil beeinflusst ist, und eine Taube, die den Heiligen Geist darstellt, sind Zeugen. Rechts daneben befindet sich ein großes Becken, das auf dem Rücken von Ochsen ruht – das so genannte Geschmolzene Meer aus dem Tempel Salomos.

Das Geschmolzene Meer wird in 1Kön und 2Chr als ein messingfarbenes oder bronzenes Becken mit einer Höhe von fünf Ellen, einem Durchmesser von zehn Ellen und einem Umfang von dreißig Ellen beschrieben, das von den Tempelpriestern zur Waschung oder rituellen Reinigung verwendet wurde. Es wurde auf den Rücken von zwölf nach außen gerichteten Ochsen gestellt, drei in jeder Himmelsrichtung, die den hebräischen Tierkreis darstellen und auf die zwölf Stämme Israels verweisen.

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