Christoph Kolumbus' Brief über die Entdeckung der Neuen Welt

Christoph Kolumbus' Brief über die Entdeckung der Neuen Welt – ArtCodex – Ed.R.684bis – Biblioteca Riccardiana (Florenz, Italien)

Rom (Italien) — 1493

Die Nachricht, die Europas Weltbild veränderte: Auf nur acht Seiten verkündet Kolumbus Inseln, Menschen und Reichtümer jenseits des Atlantiks – gedruckt in Rom und binnen Wochen über Europa verbreitet

  1. Auf nur acht lateinischen Druckseiten verbreitete sich Kolumbus’ Bericht über seine erste Atlantikfahrt durch Europa

  2. Von Leandro di Cosco übersetzt und nach dem 29. April 1493 von Stephan Plannck in Rom als korrigierte Ausgabe gedruckt

  3. Schildert Juana und Hispaniola, ihre Landschaften und Bewohner – zwischen staunender Beobachtung und kolonialem Besitzanspruch

Christoph Kolumbus' Brief über die Entdeckung der Neuen Welt

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Beschreibung
Christoph Kolumbus' Brief über die Entdeckung der Neuen Welt

Kaum ein Druck veränderte Europas Vorstellung von der Welt so rasch wie Christoph Kolumbus’ Brief über die Entdeckung der Neuen Welt. Nach seiner ersten Atlantikreise schildert Kolumbus die Inseln, die er weiterhin für einen Teil Asiens hielt: ihre üppige Vegetation, sicheren Häfen, breiten Flüsse und vermeintlichen Goldreichtümer, aber auch die Menschen, deren Offenheit er aus kolonialer Perspektive als Einladung zu Bekehrung und Beherrschung deutete. Die nur acht Seiten umfassende lateinische Ausgabe verbreitete die Nachricht von der Fahrt in ganz Europa. Leandro di Cosco übersetzte den spanischen Bericht; Stephan Plannck druckte ihn kurz nach dem 29. April 1493 in Rom. Das Florentiner Exemplar gehört zur korrigierten Ausgabe, in deren Vorrede neben Ferdinand auch Isabella genannt wird. Reisebericht, politische Werbung und folgenreiche Weltnachricht verbinden sich hier in einem der bedeutendsten Frühdrucke zur europäischen Expansion nach Amerika.

Eine Nachricht verändert das Weltbild

Als Christoph Kolumbus im Frühjahr 1493 von seiner ersten Atlantikfahrt zurückkehrte, brachte er eine Nachricht mit, die Europas geografische Vorstellung grundlegend verändern sollte. In seinem kurzen Bericht schilderte er Inseln jenseits des Ozeans, die er für die „Indien jenseits des Ganges“ hielt. Der Brief wurde zum ersten gedruckten Bericht über die europäische Ankunft in der Karibik und zu einem frühen Medienereignis der Druckgeschichte.

Die spanische Fassung erschien im April 1493 in Barcelona. Leandro di Cosco übertrug den Text wenig später ins Lateinische, die internationale Sprache der Gebildeten und Höfe. Nach dem 29. April druckte Stephan Plannck in Rom die nur acht Seiten umfassende Epistel. So verbreitete sich die Nachricht rasch über politische und sprachliche Grenzen hinweg.

Inseln von überwältigender Fruchtbarkeit

Kolumbus beginnt mit dem Erfolg seiner Reise: Nach 33 Tagen habe er zahlreiche bewohnte Inseln erreicht und für die spanische Krone in Besitz genommen. Er berichtet von Juana, dem heutigen Kuba, und besonders ausführlich von Hispaniola. Weite Küsten, sichere Häfen, breite Flüsse, hohe Berge und immergrüne Bäume fügen sich zu einem Bild nahezu grenzenloser Fruchtbarkeit.

Diese Schilderungen sind mehr als nüchterne Beobachtungen. Kolumbus entwirft ein verheißungsvolles Panorama von Land, Rohstoffen und künftigen Möglichkeiten, das seine Leistung herausstellen und Unterstützung für weitere Unternehmungen gewinnen sollte. Gold, Gewürze und andere Reichtümer erscheinen teils als Gesehenes, teils als Erwartung oder Hörensagen.

Begegnung, Vereinnahmung und Mission

Auch die Bewohner der Inseln nehmen breiten Raum ein. Kolumbus beschreibt sie als friedlich, freigebig und wenig bewaffnet. Ihre Bereitschaft zum Tausch und ihre Gastfreundschaft deutet er jedoch aus der Perspektive eines europäischen Eroberers: als Zeichen leichter Beherrschbarkeit und möglicher Bekehrung zum Christentum.

Gerade darin besitzt der Brief heute eine doppelte historische Bedeutung. Er bewahrt einen der frühesten europäischen Berichte über die Taíno und offenbart zugleich die Denkweisen, Ansprüche und Machtvorstellungen, mit denen die koloniale Expansion begann. Besitzergreifung, die Mitnahme indigener Menschen sowie Mission und wirtschaftliche Nutzung stehen bereits nebeneinander.

Ein Brief als politische Werbung

Der lateinische Druck richtet sich namentlich an Gabriel Sánchez, den Schatzmeister der Krone von Aragón. Zugleich war die Epistel für eine weit größere Öffentlichkeit bestimmt. Sie sollte den Erfolg der Reise bekannt machen, die Unterstützung der katholischen Könige würdigen und eine zweite Expedition vorbereiten.

Planncks erste Ausgabe nannte in ihrer Vorrede nur Ferdinand. In der rasch folgenden korrigierten Fassung wurde auch Isabella aufgenommen. Das Exemplar der Biblioteca Riccardiana gehört zu dieser zweiten, politisch berichtigten Ausgabe. Der kleine Unterschied zeigt, wie sorgfältig die Entdeckung als gemeinsamer Triumph des Königspaars inszeniert wurde.

Acht Seiten von weltgeschichtlicher Tragweite

Ohne ausführliche Reiseschilderung konzentriert sich Kolumbus auf Entdeckungen, Landschaften, Menschen und erhoffte Reichtümer. Persönliche Gefahren und Misserfolge treten zurück; Erfolg, Besitzanspruch und Zukunftsaussichten bestimmen den Ton. So wird aus einem Reisebericht eine meisterhaft zugespitzte Botschaft.

Das Florentiner Exemplar besitzt zudem eine außergewöhnliche jüngere Geschichte. Es wurde aus der Biblioteca Riccardiana entwendet und durch eine raffinierte Fälschung ersetzt, bevor das Original in den Vereinigten Staaten identifiziert und 2016 an Italien zurückgegeben wurde. Seine Wiedergewinnung unterstreicht die Seltenheit und den Rang dieses unscheinbaren, aber weltverändernden Frühdrucks.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Riccardiana Epistle of Christopher Columbus
Grande Viaggio di Cristoforo Colombo
Umfang / Format
8 Seiten / 14,5 × 19,0 cm
Herkunft
Italien
Datum
1493
Sprache
Inhalt
Christoph Kolumbus' Brief an Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón über die "Entdeckung" der Neuen Welt in lateinischer Übersetzung
Künstler / Schule

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Christoph Kolumbus' Brief über die Entdeckung der Neuen Welt – ArtCodex – Ed.R.684bis – Biblioteca Riccardiana (Florenz, Italien)
ArtCodex – Castelvetro di Modena, 2019
Limitierung: 999 Exemplare
Faksimile-Editionen

#1 Grande Viaggio di Cristoforo Colombo

ArtCodex – Castelvetro di Modena, 2019

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: ArtCodex – Castelvetro di Modena, 2019
Limitierung: 999 Exemplare
Einband: Das Faksimile kommt in einer dunkelblauen Ledermappe mit Goldprägung. Faksimile und Kommentar befinden sich in einer ebenfalls dunkelblauen, seidenbezogenen Kassette mit Goldprägung (24 × 31 cm).
Kommentar: 1 Band von Stefano U. Baldassarri, Lorenzo Baldacchini und Piero Scapecchi
Sprache: Italienisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Die Edition umfasst zusätzlich eine Reproduktion eines Gemäldes der Karavellen (Segelschiffe), mit denen Kolumbus und seine Mannschaft ihre Reise bestritten, auf Leinwand. Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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