Salamanca Dioskurides

Salamanca Dioskurides – Ediciones Universidad de Salamanca – MS 2659 – Biblioteca de la Universidad de Salamanca (Salamanca, Spanien)

Korfu oder Venedig (Griechenland, Italien) — 1480er Jahre

In den 1480er-Jahren auf Korfu kopiert und von Aldus Manutius benutzt: Ein griechisches Arzneibuch, dessen vielfarbige Pflanzen, Tiere und gelehrte Randnotizen Antike und Renaissancemedizin verbinden

  1. Wahrscheinlich in den 1480er-Jahren auf Korfu vom byzantinischen Schreiber Juan Mosco auf Griechisch kopiert

  2. Vielfarbige Pflanzen- und Tierbilder machen die Ränder zu einer praktischen Hilfe bei der Bestimmung von Arzneistoffen

  3. Von Aldus Manutius für seine Ausgabe von 1499 genutzt und durch Register, Galen-Auszüge und Querverweise erweitert

Salamanca Dioskurides

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Salamanca Dioskurides

Der Salamanca-Dioskurides überliefert eines der einflussreichsten Arzneibücher der Antike in einer intensiv benutzbaren Renaissancehandschrift. Wahrscheinlich in den 1480er-Jahren auf Korfu vom byzantinischen Schreiber Juan Mosco auf Griechisch kopiert, enthält er Dioskurides’ De materia medica sowie verwandte Texte über Gifte, giftige Tiere und Gegengifte. Vielfarbige Darstellungen von Pflanzen und – seltener – Tieren füllen die Ränder als praktische Bestimmungshilfen. Register, rote Überschriften, Querverweise und Auszüge aus Galen zeigen ein Buch, das für aktives Nachschlagen und nicht für bloße Repräsentation geschaffen wurde. Aldus Manutius benutzte die Handschrift nachweislich für seine venezianische Ausgabe von 1499. So verbindet der Codex griechische Handschriftengelehrsamkeit, botanische Beobachtung, medizinische Praxis und den humanistischen Buchdruck. Jede Seite zeigt Wissen beim Vergleichen, Ergänzen, Illustrieren und Vorbereiten für eine weitere Verbreitung.

Antike Medizin in einem Arbeitsbuch der Renaissance

Der Salamanca-Dioskurides enthält das griechische Werk De materia medica, das große Arzneimittelkompendium des 1. Jahrhunderts, das Pedanios Dioskurides zugeschrieben wird. Über mehr als ein Jahrtausend blieb es für die Pharmakologie des Mittelmeerraums und Europas grundlegend, weil es Pflanzen, Tiere und Mineralien nach ihren therapeutischen Eigenschaften ordnete.

Die Handschrift wurde wahrscheinlich in den 1480er-Jahren auf Korfu vom byzantinischen Schreiber Juan Mosco auf Papier kopiert. Hinzu kommen pseudo-dioskuridische Abhandlungen über Gifte und giftige Tiere sowie spätere Materialien aus der Galen-Tradition. Der Band ist damit nicht nur die Abschrift eines antiken Textes, sondern eine vielschichtige medizinische Handbibliothek.

Bilder zur Bestimmung

Vielfarbige Pflanzenzeichnungen füllen zahlreiche Ränder; hinzu kommen einzelne Tierdarstellungen. Ihre Aufgabe war ebenso praktisch wie dekorativ: Sie sollten griechische Namen und Beschreibungen mit erkennbaren Naturformen verbinden. Ein alphabetisches Register, Querverweise, rote Überschriften und Randnotizen erleichtern das gezielte Nachschlagen.

An einigen Stellen blieb die Handschrift unvollendet; vorgesehene rote Überschriften wurden nicht eingetragen. Gerade diese Unfertigkeit ist aufschlussreich. Sie bewahrt die einzelnen Produktionsschritte und zeigt, wie ein gelehrtes Buch aus Text, Rubrizierung, Illustration und Annotation zusammengesetzt wurde. Seine Seiten halten Wissen im Prozess fest.

Ein vom Gebrauch geformtes Buch

Die Ordnung der Handschrift verrät die Gewohnheiten von Lesern, die sie als Werkzeug benutzten. Alphabetische Hilfen, Überschriften, Querverweise und Anmerkungen ermöglichen den Wechsel zwischen Namen, Beschreibungen und verwandten Autoritäten. Man konnte nach einem Stoff suchen, Eigenschaften vergleichen, Gefahren erkennen und Parallelinformationen heranziehen, ohne den Band von Anfang bis Ende zu lesen. Seine Struktur nimmt die Logik des Nachschlagewerks vorweg.

Die Illustrationen gehören zu diesem praktischen System, zeigen aber zugleich die Schwierigkeit botanischer Wissensübertragung. Ein Pflanzenbild muss erkennbare Merkmale mit den Konventionen älterer Vorlagen verbinden. Kopieren kann Wissen bewahren, doch lebendige Formen auch vereinfachen, verändern oder vereinheitlichen. Die Zeichnungen von Salamanca stehen deshalb in einer langen Kette aus Beobachtung und Wiederholung. Ihr Wert liegt nicht in moderner fotografischer Genauigkeit, sondern im Versuch, Naturgestalt über Sprachen, Orte und Generationen hinweg stabil zu halten.

Spuren unvollendeter Arbeit machen den Codex besonders lehrreich. Fehlende Rubrizierungen und offene Produktionsstufen zeigen, dass Text, rote Überschriften, Bilder und Notizen in getrennten Arbeitsgängen entstanden. Was ein fertiges Buch gewöhnlich verbirgt, wird hier sichtbar: Planung, Arbeitsteilung, Unterbrechung und spätere Korrektur. Die Handschrift bewahrt nicht nur Ergebnisse der Gelehrsamkeit, sondern auch deren materiellen Prozess.

Die Benutzung durch Aldus Manutius gibt diesem Prozess größere Bedeutung. Der Druck ersetzte die Handschrift nicht einfach, sondern war für Text, Varianten und gelehrten Vergleich auf Bücher wie dieses angewiesen. Druck konnte Wissen weiter verbreiten; die Handschrift bewahrte die Spuren einzelner Hände und Entscheidungen.

Von der Handschrift zum Aldinen-Druck

Später gelangte der Codex nach Italien, wo Aldus Manutius ihn bei der Vorbereitung seiner griechischen Druckausgabe von 1499 benutzte. Damit wirkte er unmittelbar an der Überführung griechischer Naturkunde in die humanistische Druckkultur mit. Sein Weg von Korfu über Italien nach Salamanca spiegelt die weite Wanderung griechischer Bücher nach dem Fall Konstantinopels.

Der Salamanca-Dioskurides ist außergewöhnlich, weil Text, Bild und wissenschaftlicher Gebrauch untrennbar verbunden bleiben. Er ist zugleich antike Arzneimittellehre, byzantinische Schreibkunst, botanisches Arbeitsbuch der Renaissance und Quelle eines prägenden griechischen Frühdrucks.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Salamanca Dioscorides
Ms. 2659 de la Biblioteca de la Universidad de Salamanca
De materia medica
Dioscórides, Sobre la materia médica
Umfang / Format
356 Seiten / 27,0 × 20,5 cm
Datum
1480er Jahre
Sprache
Schrift
Griechische Minuskel
Buchschmuck
580 Randilluminationen
Inhalt
Pedanios Dioskurides' Materia Medica, Bücher I–V; Pseudo-Dioskurides' Alexipharmaka, Buch VI, und Theriaka, Buch VII; Exzerpte aus verschiedenen Werken von Galen und Aristokles
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Colegio Mayor de San Bartolomé
Biblioteca del Palacio Real, Madrid
Faksimile-Editionen

#1 De materia medica [Facsímil del ms. 2659 de la Biblioteca de la Universidad de Salamanca]

Details zur Faksimile-Edition:

Kommentar: 1 Band von Enrique Battaner Arias, Teresa Martínez Manzano, Margarita Becedas González, Francisco Cortés Gabaudan, Alejandro Esteller Pérez und Julio Fermoso
Sprache: Spanisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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