Tribute von Coyoacán

Tribute von Coyoacán – Brokarte – MPD, XII-35, Leg. 8334-21 – Archivo General de Simancas (Simancas, Spanien)

Coyoacán (Mexiko) — Mitte des 16. Jahrhunderts

Tributpflicht in zwölf eindringlichen Bildern: Nahua-Piktogramme, präzise Warenbilder und spanische Glossen enthüllen 33 Jahre kolonialer Abgaben in Coyoacán und Tacubaya unter spanischer Herrschaft

  1. Um 1553/54 als koloniales Bilddokument der Nahua über dreiunddreißig Jahre Tributzahlungen in Coyoacán und Tacubaya entstanden

  2. Twelve compartments unite precise pictographs of goods, quantities, and people with authenticated Spanish annotations

  3. Dokumentiert Mais, Kakao, Mäntel, Münzen und Arbeitsleistungen sowie die spätere Aufhebung persönlicher Dienste

Tribute von Coyoacán

MPD, XII-35, Leg. 8334-21 Archivo General (Simancas, Spanien)
  1. Beschreibung
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Beschreibung
Tribute von Coyoacán

Die Tribute von Coyoacán halten in einer einzigen großformatigen Bildtafel fest, welche Abgaben die indigene Bevölkerung von Coyoacán und dem untergeordneten Tacubaya über 33 Jahre entrichten musste. Zwölf klar gegliederte Bildfelder verbinden nahuatl geprägte Piktogramme mit spanischen Rechtstexten und machen Wandel und Umfang der Tributpflicht sichtbar. Mais, Chía, Kakao, Baumwollmäntel, Brennholz, Kalk, Salz, Truthähne, Münzen und persönliche Dienste erscheinen als präzise gezeichnete Leistungen; Mengenzeichen und Figuren benennen Verantwortliche und Empfänger. Die von Pedro de Suero beglaubigten Glossen berichten von den Visitationen der Richter Rodríguez de Quesada und Gómez de Santillán sowie von einer späteren Minderung der Lasten. So dokumentiert das um 1553/54 entstandene Blatt die Begegnung zweier Schriftkulturen und den tiefgreifenden Umbau indigener Wirtschafts- und Lebensordnungen unter spanischer Herrschaft.

Dreiunddreißig Jahre Tributgeschichte in zwölf Bildern

Die Tribute von Coyoacán entstanden um 1553/54 als kolonialzeitliche Bild- und Rechtsurkunde. Sie halten fest, welche Abgaben die indigene Bevölkerung von Coyoacán und dem untergeordneten Tacubaya seit etwa 1523 an spanische Amtsträger leisten musste. Aus zwei zusammengefügten Papierblättern entstand eine hochformatige Tafel mit vier waagerechten Reihen und drei Spalten. Zwölf Bildfelder verdichten drei Jahrzehnte wirtschaftlicher Belastung zu einer klar lesbaren Ordnung.

Gelesen wird die Darstellung von unten nach oben. Die rechte Spalte bezeichnet Zeitabschnitte und die an der Festsetzung des Tributs beteiligten Autoritäten. In den übrigen Feldern erscheinen indigene Männer und Frauen neben den Gütern, die sie liefern mussten. So verbindet das Dokument chronologische Erzählung, Abgabenregister und juristische Beweisführung.

Mais, Mäntel und persönliche Dienste

Die Bildzeichen führen die materielle Welt Coyoacáns mit erstaunlicher Genauigkeit vor Augen. Zu erkennen sind Mais und weitere Getreidearten, Chía und Kakao, Baumwollmäntel, Matten und Körbe, Brennholz, Salz und Kalk, Truthähne, Kochplatten und Keramik. Münzzeichen übersetzen Teile der Verpflichtungen in Geldwerte; Trägerfiguren verweisen auf Transport- und Arbeitsdienste.

Mengen werden durch Zahlzeichen, Bündel und wiederholte Gegenstände angegeben. Die Abgaben erscheinen dadurch nicht als abstrakte Summe, sondern als konkreter Entzug von Nahrung, Waren, Arbeitskraft und Zeit. Zugleich bewahren die Bilder Hinweise auf Landwirtschaft, Handwerk und alltägliche Gebrauchsgegenstände im zentralmexikanischen Hochland.

Von hoher Belastung zur „Mäßigung“

Die einzelnen Reihen schildern verschiedene Phasen der kolonialen Tributordnung. Ältere Abschnitte erinnern an hohe Geld- und Sachleistungen sowie an gewöhnliche und außerordentliche persönliche Dienste. Unter dem Richter Rodríguez de Quesada wurden die Abgaben erneut festgesetzt. Später ordnete Gómez de Santillán eine „Mäßigung und Umwandlung“ an: Die jährlichen Leistungen sollten stärker nach dem Vermögen der Haushalte bemessen und persönliche Dienste aufgehoben werden.

Damit zeigt die Tafel keinen unveränderlichen Zustand. Sie dokumentiert wie Tribute festgesetzt, erhöht, überprüft und neu geordnet wurden. Hinter den Zahlen und Waren werden die Spannungen einer Gesellschaft sichtbar, in der vorspanische Abgabestrukturen fortwirkten, zugleich aber spanischen Ansprüchen unterworfen wurden.

Zwei Schriftkulturen auf einer Seite

Besonders eindrucksvoll ist das Zusammenwirken verschiedener Formen der Aufzeichnung. Nahua geprägte Piktogramme stellen Personen, Güter, Mengen und Zeiträume dar. Daneben erläutern spanische Texte in mehreren Händen die einzelnen Regelungen. Der Schreiber Pedro de Suero bestätigte die Glossen mit seiner Namenszeichnung.

Auch die Figuren machen das Aufeinandertreffen der Ordnungen sichtbar. Spanische Richter sitzen auf europäischen Stühlen; indigene Amtsträger erscheinen in einheimischer Kleidung auf geflochtenen Sitzen und mit Amtsstäben. Bildzeichen und Alphabetschrift ergänzen einander zu einem hybriden Instrument kolonialer Verwaltung.

Ein außergewöhnliches Zeugnis des frühen kolonialen Mexiko

Die Tribute von Coyoacán sind zugleich Wirtschaftsregister, Rechtsdokument und historische Erzählung. Sie geben nicht nur Auskunft darüber, was entrichtet wurde, sondern auch darüber, wer Forderungen stellte, wer sie ausführte und wie die Belastungen verändert wurden.

Gerade die Verbindung aus präziser Bildrechnung und spanischer Beglaubigung macht die Tafel zu einer außergewöhnlich unmittelbaren Quelle für Macht, Arbeit und Alltag nach der Eroberung Mexikos. In zwölf kompakten Szenen wird sichtbar, wie tief koloniale Herrschaft in die Lebensgrundlagen indigener Gemeinschaften eingriff.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Códice Tributos de Coyoacán
Tributes of Coyoacán
Códice de Coyoacán
Codex von Coyoacán
Coyoacán Tribute Codex
Coyoacán Tribute Register
Coyohuacan Tribute Painting
Umfang / Format
2 Seiten / 76,2 × 31,5 cm
Herkunft
Mexiko
Datum
Mitte des 16. Jahrhunderts
Sprache
Schrift
Piktogramme, Escritura procesal
Inhalt
Aufzeichnungen über geleistete Tribute in Coyoacán und Tacubaya

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Tribute von Coyoacán – Brokarte – MPD, XII-35, Leg. 8334-21 – Archivo General de Simancas (Simancas, Spanien)
Brokarte – Madrid, 2002
Faksimile-Editionen

#1 Códice Tributos de Coyoacán

Brokarte – Madrid, 2002

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Brokarte – Madrid, 2002
Kommentar: 1 Band von Juan José Batalla Rosado
Sprache: Spanisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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