Haggadot-Sammlung

Haggadot-Sammlung – W. Turnowski Ltd. – Heb. Ms. 4° 6130|Heb. Ms. 8° 5492|Heb. Ms. 8° 5573|Heb. Ms. 8° 6606 – Nationalbibliothek von Israel (Jerusalem, Israel)

Vier Jahrhunderte jüdischer Festkultur in leuchtender Vielfalt: Kostbare Haggadot vereinen meisterhafte Buchmalerei, feine Kalligraphie und bewegende Bilder der Befreiung am feierlichen Pessachabend

  1. Von etwa 1450 bis ins 19. Jahrhundert in aschkenasischer, italienischer und jemenitischer Tradition entstanden

  2. Mit der prachtvoll illuminierten Rothschild-Haggadah und Abraham Farissols 1480 für eine Frau geschriebenem Gebetbuch

  3. Meshulam Zimmels virtuose Haggadah von 1719 neben einer charaktervollen jemenitischen Handschrift mit geometrischem Schmuck

Haggadot-Sammlung

Heb. Ms. 4° 6130 — Heb. Ms. 8° 5492 — Heb. Ms. 8° 5573 — Heb. Ms. 8° 6606 Nationalbibliothek von Israel (Jerusalem, Israel)
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Beschreibung
Haggadot-Sammlung

Die Haggadot-Sammlung vereint vier Handschriften, die den Pessachabend über Jahrhunderte und Kulturräume hinweg lebendig werden lassen. Im Mittelpunkt steht die Haggadah: Sie ordnet den Seder, erzählt vom Auszug aus Ägypten und verbindet Fragen, Segenssprüche, Psalmen und Lieder mit dem Auftrag, die Befreiung jeder Generation neu zu vergegenwärtigen. Eine prachtvoll illuminierte norditalienische Haggadah um 1450 begegnet einem 1480 in Mantua für eine Frau geschriebenen Gebetbuch, dessen Pessachtext von Gold und Farbe begleitet wird. Hinzu kommen Meshulam Zimmels virtuos gezeichnete Wiener Haggadah von 1719 und eine jemenitische Handschrift des 19. Jahrhunderts mit geometrischem Schmuck. Gemeinsam zeigen die vier Bücher, wie derselbe überlieferte Text in aschkenasischer, italienischer und jemenitischer Tradition immer neue Formen annahm – von humorvollen Randbildern bis zur feierlichen Sederdarstellung.

Vier Haggadot, ein Fest der Freiheit

Die unter dem Titel Haggadot-Sammlung zusammengefassten Handschriften führen durch rund vier Jahrhunderte jüdischer Buch- und Festkultur. Jede enthält den überlieferten Text für den Pessach-Seder: die Erinnerung an Knechtschaft und Auszug aus Ägypten, die Fragen der Kinder, die Deutung von Mazza und Bitterkraut, Segenssprüche, Psalmen und Lieder. Doch Schrift, Bildschmuck und Textgestalt unterscheiden sich deutlich. So wird dieselbe Erzählung der Befreiung in vier eigenständigen kulturellen Stimmen hörbar.

Die Rothschild-Haggadah aus Norditalien

Die älteste Handschrift entstand um 1450 in Norditalien. Sie folgt dem aschkenasischen Ritus, wurde auf Pergament in kräftiger Quadratschrift geschrieben und wahrscheinlich von Joel ben Simeon oder in seiner Werkstatt illuminiert. Farbenreiche Randbilder zeigen unter anderem die Plagen, das Backen der ungesäuerten Brote und den Ablauf des Sederabends.

Zwischen ernster Heilsgeschichte und überraschendem Humor entfaltet sich eine besonders lebendige Bildwelt. Der weise Sohn greift sich etwa an die Nase – vermutlich ein Wortspiel mit dem hebräischen Ausdruck ve-af atah. Auch die Textfassung bewahrt ältere Besonderheiten: Die heute vertrauten Schlusslieder „Echad mi Jodea“ und „Chad Gadja“ fehlen, und nach dem vierten Becher endet das Buch mit dem Hinweis, dass „Ma Nischtana“ vollendet sei. Mittelalterliche Liturgie, Alltagsbeobachtung und feiner Bildwitz greifen unmittelbar ineinander.

Ein Gebetbuch für eine Frau in Mantua

Die zweite Haggadah ist Teil eines umfassenden Gebetbuchs nach italienischem Ritus, das Abraham Farissol 1480 in Mantua für eine namentlich nicht mehr bekannte Frau schrieb. Gold, leuchtende Farben, ornamentale Initialen und Ranken begleiten den sorgfältig angelegten Text. Besonders bemerkenswert ist die Morgenberacha „der mich als Frau und nicht als Mann geschaffen hat“, die von der üblichen mittelalterlichen Formulierung abweicht.

Der Pessachtext steht hier innerhalb eines Buches für das gesamte religiöse Jahr. Dadurch erscheint der Seder nicht isoliert, sondern als Teil einer persönlichen, weiblich adressierten Gebets- und Lebensordnung der italienischen Renaissance.

Meshulam Zimmels prachtvolle Bilderwelt

1719 schuf Meshulam Zimmel ben Moses von Polná in Wien eine Haggadah für Nathan ben Isaac Oppenheim. Der berühmte Schreiber und Künstler übertrug die Wirkung des Kupferstichs mit außerordentlich feinen Federlinien auf Pergament. Sein reich komponiertes Titelblatt verbindet die Bindung Isaaks, Moses und Aaron, David und Salomo sowie eine zeitgenössische Familie beim Seder.

Weitere Miniaturen erläutern die rituellen Handlungen des Abends und erzählen den Exodus in einer Bildsprache, die stark von der gedruckten Amsterdamer Haggadah geprägt ist. Hebräischer Text und jiddische Anweisungen verbinden gelehrte Überlieferung mit praktischer häuslicher Feier. Kalligraphie, erzählerische Miniatur und höfische Eleganz erreichen hier eine glanzvolle Einheit.

Die jemenitische Stimme

Die vierte Handschrift entstand im 19. Jahrhundert und bewahrt die Haggadah nach jemenitischem Ritus. Ihr Schriftbild ist schlichter als das der europäischen Prunkhandschriften, doch geometrische Kronenmotive über den Seiten und eine fantasievolle Schlussdarstellung verleihen ihr einen unverwechselbaren Charakter. Im Kolophon nennt sich der Schreiber Joseph ben Joseph Hamami.

Die jemenitische Texttradition weist unter anderem beim Kiddusch und in weiteren Abschnitten Unterschiede zu aschkenasischen und sephardischen Fassungen auf. Gerade im Nebeneinander der vier Bücher zeigt sich daher die Haggadah als beständiger Kern jüdischer Erinnerung und zugleich als wandelbare Ausdrucksform verschiedener Gemeinschaften.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Haggadot Collection

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#1 Four Haggadot/Passover Haggadah

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