Genre: Stundenbücher

„Siebenmal am Tag singe ich dein Lob und nachts stehe ich auf, um dich zu preisen“
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Stundenbücher

Das Stundenbuch, die fraglos beliebteste Buchform des Mittelalters, war ein speziell für den Laiengebrauch entwickeltes Gebetbuch, das in privater Andacht wie auch im öffentlichen Stundengebet Anwendung fand. Grundlage bildete das Brevier der Geistlichen, das in sieben Tageszeiten eingeteilt war, die sogenannten „Horen“ oder „Stunden“ (daher der Name), zu denen bestimmte Gebetstexte (Offizium) gebetet oder gelesen wurden.

Im Gegensatz zu den Gebetbüchern für Geistliche wurden die Stundenbücher für Laien nicht in Klosterskriptorien, sondern in städtischen Schreibwerkstätten oder Künstlerateliers hergestellt, weshalb die einzelnen Bücher von Region zu Region stark in Bezug auf die darin enthaltenen Gebetstexte variieren konnten. Die meisten Exemplare waren ausreichend kleinformatig, um von einer Person bei sich getragen zu werden, wie etwa das Stundenbuch der Jeanne D’Evreux, und waren so reich ausgeschmückt, dass sie als modische Accessoires oder sogar als Statussymbol dienten. Als solche waren sie oft stark personalisiert und enthielten für gewöhnlich ein Widmungsbild, das den Auftraggeber und dessen Wappen darstellte, sowie gelegentlich weitere Porträts desselben in einer oder mehreren Miniaturen.

Die große Beliebtheit dieses Buchtypus verhalf einigen der großen Buchmalkünstler wie den Brüdern Limburg, Simon Bening und Gerard Horenbout zum Durchbruch, während andere große Meister anonym blieben und heute nur unter einem Notnamen bekannt sind. Die hoch personalisierten Stundenbücher öffnen Fenster in die Vergangenheit und in das Leben und den Anschaungen der bedeutendsten Figuren des Mittelalters.

Bedford-Stundenbuch

Besitzerporträt

Obwohl sie aus biblischen Texten und Gebeten bestehen, die über den Tag verteilt rezitiert werden sollten, waren Stundenbücher für Laien gedacht, und zwar normalerweise für diejenigen, die sie nach ihren persönlichen Vorlieben anfertigen ließen. Eine solche Person war Anne von Burgund, die diese Handschrift entweder erhielt oder sie selbst als Hochzeitsgeschenk ihrem Gemahl John of Lancaster, dem Herzog von Bedford, zukommen ließ.

Herzogin Anne kniet vor der heiligen Anna in diesem Meisterwerk, das Teil des wohl schönsten Stundenbuchs ist, das jemals geschaffen wurde und ein Produkt der berühmten Bedford-Werkstatt ist. Es ist auch ein Beweis dafür, wie außergewöhnlich gut die Passung als Liebespaar zwischen dem mächtigen englischen Regenten und der wohlhabenden burgundischen Prinzessin gewesen sein muss, die in feinstem Brokat gekleidet gezeigt wird. Miniaturen biblischer Figuren und Annes Wappen füllen die Seite aus.