Stundenbuch der Jeanne d'Evreux

Stundenbuch der Jeanne d'Evreux – Faksimile Verlag – Acc., No.54.1.2 – Metropolitan Museum of Art, The Cloisters (New York, USA)

Paris (Frankreich) — 1325–1328

Zauberhafte Grisaille-Miniaturen und fantasievolle Marginalien von Jean Pucelle: Ein großes Meisterwerk im kleinen Format fĂŒr die Königin von Frankreich und im spĂ€teren Besitz des Bibliophilen Jean Duc de Berry

  1. Im Auftrag König Karls IV. von Frankreich (1294–1328) als Geschenk fĂŒr seiner Frau Jeanne d'Evreux entstanden

  2. Trotz der geringen GrĂ¶ĂŸe der Handschrift gelang Jean Pucelle (ca. 1300–1355) ein Meisterwerk der Grisailletechnik

  3. Das Stundenbuch war unter anderem im Besitz von Herzog Jean von Berry (1340–1416) und der Familie Rothschild

Stundenbuch der Jeanne d'Evreux

Ausgabe bei uns verfĂŒgbar!
Preis Kategorie: €€
(1.000€ - 3.000€)
  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Stundenbuch der Jeanne d'Evreux

Das sogenannte Stundenbuch der Jeanne d'Evreux wartet mit einer ganz eigenen Ästhetik auf und ist damit eine der schönsten Handschriften des SpĂ€tmittelalters. Das kleine Meisterwerk entstand zwischen 1324 und 1328 fĂŒr den französischen König Karl IV. (1294–1328), der es seiner Gemahlin Jeanne d‘Évreux (1310–1371) wahrscheinlich zur Hochzeit oder Krönung schenkte. Das Stundenbuch ist damit ein ĂŒberaus frĂŒhes Exemplar dieser Gattung. Die von Jean Pucelle (um 1300–1335) meisterlich ausgefĂŒhrten Grisaille-Illuminationen sind dabei einer Königin ĂŒberaus wĂŒrdig: Neben den 25 ganzseitigen Miniaturen begeistern insbesondere die ĂŒber 700 faszinierenden und oft humorvollen Randfiguren, die das gesamte Stundenbuch wie aus einer Fantasiewelt bevölkern. Die winzigen Bilder sind eine ganz besondere Meisterleistung, bedenkt man das schier winzige Format der Handschrift von nur ca. 9 × 6 cm. Kein Wunder, dass das Kleinod im Laufe der Geschichte durch viele HĂ€nde bemerkenswerter Bibliophiler wie Jean Duc de Berry (1340–1416) ging.

Stundenbuch der Jeanne d'Évreux

Das Stundenbuch der Jeanne d'Évreux ist ein wahres Meisterwerk unter den spĂ€tmittelalterlichen Handschriften. Das von dem französischen König Karl IV. fĂŒr seine Gemahlin Jeanne d'Évreux in Auftrag gegebene Werk wurde von Jean Pucelle mit meisterlichen Grisaillemalereien ausgeschmĂŒckt. Neben den Miniaturseiten begeistern insbesondere die ĂŒber 700 faszinierenden Marginalfiguren, die das gesamte Stundenbuch wie aus einer Phantasiewelt bevölkern.

Ein königliches Hochzeitsgeschenk

König Karl IV., „der Schöne“, von Frankreich beauftragte 1324 den renommierten Miniaturisten Jean Pucelle mit dem Stundenbuch fĂŒr seine Frau, Jeanne d'Évreux (um 1310–1371). Das Buch war wohl ein Geschenk zur Hochzeit oder aus Anlass der Königskrönung in der Kathedrale von Reims. Nach dem Tod von Jeanne, die seit Karls Tod 1326 als Witwe – zuletzt in einem Kloster – gelebt hatte, gelangte das Stundenbuch in den Besitz des französischen Königs Karl V. Dessen Bruder war der als leidenschaftlicher Buchsammler und Auftraggeber einer Vielzahl von Handschriften bekannte Herzog Jean de Berry. In der Bibliothek des Duc de Berry wird es 1401 aufgefĂŒhrt. Schließlich gelangte das Stundenbuch der Jeanne d'Évreux im 19. Jahrhundert in den Besitz der Familie Rothschild und wurde 1954 an das Metropolitan Museum verkauft, wo es heute verwahrt wird und einen Höhepunkt der Sammlung darstellt.

Die hohe Kunst der Grisaillemalerei

Auf den ersten Blick scheint das weitgehend in Grautönen gehaltene Stundenbuch, das darĂŒber hinaus noch völlig ohne Goldschmuck auskommt, seiner königlichen Besitzerin nicht fĂŒr wĂŒrdig. Doch muss man sich dessen bewusst sein, dass es sich bei der Art der kĂŒnstlerischen Ausstattung des BĂŒchleins um eine wahre Meisterleistung handelt! Die 25 ganzseitigen Miniaturen und die Vielzahl von kleineren Figuren, Initialen und Bas-de-page-Miniaturen sind in der Technik des Grisaille ausgefĂŒhrt. HauptsĂ€chlich unter Verwendung verschiedener Grau-Töne entstehen bei dieser hohen Kunst wunderbar schattierte plastische Figuren und Szenen, die vereinzelt und partiell - sei es in krĂ€ftigem Rot oder Blau oder in zartem Lila oder TĂŒrkis - koloriert werden und durch diese reduzierte Farbskala in ihrer außerordentlichen Kunstfertigkeit erst richtig zur Geltung kommen. Jean Pucelle, der sich bei der Gestaltung des Stundenbuchs auch an der italienischen Trecentomalerei orientierte, lieferte ein eindrucksvolles Beispiel, wie man auf kleinstem Raum - das Buch hat ein Format von 9,4 x 6,4 cm - die grĂ¶ĂŸte Kunst praktizieren kann.

Wundervolles phantastisches Treiben neben eindrucksvollem geistlichem Geschehen

Paarweise gegenĂŒbergestellt werden auf den 25 Miniaturseiten jeweils acht Szenen aus der Kindheit und der Passion Christi und aus dem Leben des 1297 heiliggesprochenen französischen Königs Ludwig IX., einem Vorfahren der Königin, verbildlicht. Bis auf die Darstellung der Gefangennahme Christi am Ölberg und der Kreuzigung sind alle Szenen in reich mit architektonischen Elementen geschmĂŒckte Rahmen eingebettet. Die Szenen sind wohldurchdacht geschildert und meisterlich ausgearbeitet bis ins Detail. Um diese Hauptszenen herum spielt sich ein wildes Treiben ab: als Atlanten, die die Rahmen tragen, Initial- und Marginalfiguren, Bas-de-page-Miniaturen oder einfach irgendwo zwischen den Zeilen des Textes bevölkern in kostbarster Miniaturmalerei unzĂ€hlige Figuren und Wunderwesen die 209 BlĂ€tter.

Unterhaltsame Abwechslung

Dort tummeln sich Tiere wie Affen oder Hunde, Menschen aller StĂ€nde und Klassen wie Musikanten, Soldaten, Bettler, Bischöfe oder Jungfrauen, und schließlich phantastische Kreaturen, die der Wunderwelt eines Hieronymus Bosch entsprungen zu sein scheinen. BĂ€rtige Wunderwesen mit FischschwĂ€nzen und EngelsflĂŒgeln und Mischwesen aus Mensch und Tier toben regelrecht ĂŒber die Seiten. Manche illustrieren dabei die damalige Alltagswelt mit Spielen wie dem Lanzenstechen oder biblische ErzĂ€hlungen wie den bethlehemitischen Kindermord. Andere bieten einfach eine unterhaltsame Abwechslung neben den liturgischen Texten und Gebeten, die von einem meisterlichen Schreiber in gleichmĂ€ĂŸiger Schrift auf das sehr dĂŒnne, fast transparente Pergament gebracht wurden.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Hours of Jeanne d'Evreux
Livre d'Heures de Jeanne d'Evreux
Umfang / Format
418 Seiten / 9,0 × 6,0 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
1325–1328
Stil
Sprache
Schrift
Gotische Textualis
Buchschmuck
25 ganzseitige Miniaturen, zahlreiche Bas-de-page-Miniaturen, etwa 700 dekorative Randfiguren und einige historisierte Initialen
Inhalt
Stundengebet
Auftraggeber
König Karl IV. von Frankreich (1294–1328), genannt der Schöne
KĂŒnstler / Schule
Vorbesitzer
Jeanne d'Evreux, Königin von Frankreich und Navarra (1310–1371)
König Karl V. von Frankreich (1338–1380)
König Karl VI. von Frankreich (1368–1422)
Duc Jean de Berry (1340–1416)
Baron Louis–Jules du Chatelet (1594–1671)
Adolphe Carl de Rothschild (1881–1957)
Caroline Julie Anselme Rothschild (1830–1907)
Baron Maurice Edmond Charles de Rothschild (1881–1957)

VerfĂŒgbare Faksimile-Editionen:
Stundenbuch der Jeanne d'Evreux – Faksimile Verlag – Acc., No.54.1.2 – Metropolitan Museum of Art, The Cloisters (New York, USA)
Faksimile Verlag – Luzern, 1998
Limitierung: 980 Exemplare
Detailbild

Stundenbuch der Jeanne d'Evreux

Majestas Domini

Christus hat die rechte Hand zum Zeichen des Segens erhoben, wĂ€hrend er einen Codex und einen Stab mit Kreuz in der linken Hand hĂ€lt. Er thront majestĂ€tisch und schaut den Betrachter direkt an. Er wird vor einem grĂŒnen Hintergrund dargestellt, der von den Symbolen der vier Evangelisten gesĂ€umt wird, die jeweils eine Banderole tragen. Dies ist ein gutes Beispiel fĂŒr Demi-Grisaille: eine Technik, bei der der Miniaturist zwar nur eine minimale Farbpalette verwendet, dafĂŒr aber meisterhaft auf Schattierungen und eine wohlĂŒberlegte Auswahl von Grautönen zurĂŒckgreift.

Stundenbuch der Jeanne d'Evreux – Faksimile Verlag – Acc., No.54.1.2 – Metropolitan Museum of Art, The Cloisters (New York, USA)
Einzelseite

Stundenbuch der Jeanne d'Evreux

Christus trÀgt das Kreuz

Die vorliegende Demi-Grisaille-Miniatur ist eine einzigartige Darstellung der bekannten Szene aus der Passion Christi. Dieser Stil arbeitet weniger mit Farbe und setzt stattdessen Akzente durch Schattierungen. Abgesehen von dem blauen Hintergrund mit Rautenmuster beruht die Komposition schlicht auf verschiedenen Grautönen – mit Ausnahme des ebenfalls blĂ€ulichen Bartes des Simon von Cyrene, der Christus hilft, das Kreuz zu tragen.

Die Szene wird mit einem architektonischen Rahmen versehen, der an eine gotische Kathedrale generell erinnern mag. Aber es gibt auch einen Bezug speziell zum Straßburger MĂŒnster: die hockende Figur mit einem Hammer links neben der Miniatur. Sie hat starke Ähnlichkeit mit der Frau im Straßburger Tympanon, die dort die Frau jenes Mannes ist, der die NĂ€gel fĂŒr das Kreuz Christi geschmiedet hat.

Stundenbuch der Jeanne d'Evreux – Faksimile Verlag – Acc., No.54.1.2 – Metropolitan Museum of Art, The Cloisters (New York, USA)
Faksimile-Editionen

#1 Stundenbuch der Jeanne d'Evreux

Faksimile Verlag – Luzern, 1998

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Faksimile Verlag – Luzern, 1998
Limitierung: 980 Exemplare
Einband: Leder mit Gold- und BlindprĂ€gung und zwei Buchschließen
Kommentar: 1 Band von Barbara Drake Boehm, Abigail Quundt und William D. Wixom
Sprachen: Englisch, Deutsch
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprĂŒnglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Ausgabe bei uns verfĂŒgbar!
Preis Kategorie: €€
(1.000€ - 3.000€)
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