Bury Bibel

Bury Bibel – Boydell & Brewer – MS 002I – Parker Library in the Corpus Christi College (Cambridge, Vereinigtes Königreich)

Abtei St. Edmund, Cambridge (Vereinigtes Königreich) — Ca. 1135

Eine prachtvolle englische Bibel aus dem 12. Jahrhundert aus der Hand des Meisters Hugo: Harmonsiche Verbindung von byzantinischen, romanischen und frĂŒhgotischen Stilelemente miteinander

  1. Die Bury-Bibel ist nach der Bury St Edmunds Abbey in England benannt, wo sie jahrhundertelang aufbewahrt wurde

  2. Der Bruder des Priors der Abtei beauftragte Meister Hugo (ca. 1130-50) mit dem Werk

  3. 6 Miniaturen und 42 historisierte und dekorative Initialen schmĂŒcken den erhaltenen Band der Bibel aus

Bury Bibel

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Bury Bibel

Eine der wichtigsten Bibeln, die im 12. Jahrhundert entstanden, ist zugleich eine der einflussreichsten: die Bury Bibel, die Meister Hugo um 1135 fĂŒr die Bury St Edmunds Abbey geschaffen hat, beeinflusste in den folgenden Jahrzehnten KĂŒnstler in ganz England. Der massive Band ist der erhaltene erste Teil einer zweibĂ€ndigen Bibel und enthĂ€lt den grĂ¶ĂŸten Umfang des Textes des Alten Testaments. Es ist ein Paradebeispiel fĂŒr die Kunst des 12. Jahrhunderts, als sich neue Kunststile mit Ă€lteren vermischten. So werden byzantinische, romanische und sogar schon EinflĂŒsse des neuen gotischen Stils zu einem beispielhaften Codex integriert.

Die Bury Bibel

Dieser Band aus dem 12. Jahrhundert ist eines der berĂŒhmtesten BĂŒcher in der Parker Library und die ĂŒberlebende HĂ€lfte einer zweibĂ€ndigen Bibel. Obwohl sie einst ein einziger Codex war, ist sie heute in drei BĂ€nde (2I, 2II, 2III) gebunden: 2I enthĂ€lt ff. 1r-121v mit dem Prolog des heiligen Hieronymus und den BĂŒchern von Genesis bis Josua; 2II enthĂ€lt ff. 122r-241v mit den BĂŒchern von Richter bis Jesaja; 2III enthĂ€lt die ff. 242r-357v mit den BĂŒchern von Jeremia bis Hiob. Der erhaltene Band bot also die BĂŒcher des Alten Testaments von Genesis bis Hiob, wĂ€hrend der fehlende zweite Band den Rest der Bibel in sich barg. Die Handschrift kann als diejenige Bibel identifiziert werden, die Hervey, der KĂŒster, fĂŒr seinen Bruder Talbot, den Prior von Bury St. Edmunds Abbey, um 1135 in Auftrag gegeben hatte und die von Meister Hugo (fl. ca. 1130-50) illuminiert wurde. Nach der Auflösung von Bury St. Edmunds Abbey 1539 im Zuge der Reformation gelangte die Bibel schließlich 1575 in die HĂ€nde von Matthew Parker (1504-75), des Erzbischofs von Canterbury und des Namensgebers der Parker Library am Corpus Christi College in Cambridge. Er wurde deshalb namensgebend, da er nach seinem Tod der UniversitĂ€t eine unschĂ€tzbare Handschriftensammlung vermachte.

Das Werk von Meister Hugo

Die Miniaturen und einige der illuminierten Initialen sind auf separaten, auf die Seite geklebten PergamentstĂŒcken gemalt, und die Beschreibung der Bibel in der Gesta Sacristarum bezeugt, dass Meister Hugo "in diesen Gegenden kein geeignetes Kalbsleder finden konnte" und Pergament aus Irland kaufen musste. Meister Hugo war von der byzantinischen Malerei beeinflusst und laut dem Fitzwilliam Museum "legen die prĂ€chtigen Farbmuster seiner GemĂ€lde, die verblĂŒffend neuen byzantinischen Draperien und die tiefblickenden Augen von Moses, Aaron und den Juden nahe, dass er zumindest nach SĂŒditalien und wahrscheinlich auch nach Zypern, Byzanz und sogar ins Heilige Land gereist war." Meister Hugo werden auch die BronzetĂŒren fĂŒr den westlichen Eingang der Abteikirche, eine große Glocke, ein geschnitztes Kruzifix mit der Figur der Jungfrau Maria und des Heiligen Johannes fĂŒr den Mönchschor zugeschrieben. Es wird auch angenommen, dass er der KĂŒnstler ist, der fĂŒr die Schaffung des sogenannten Cloister Cross verantwortlich ist, ein komplexes romanisches Altarkreuz aus Walrosselfenbein in The Cloisters, einem Teil des Metropolitan Museum of Art in New York.

Eine stilistische Mischung

Sechs große Miniaturen, teilweise ganzseitig, sind einigen der BĂŒcher vorangestellt, wĂ€hrend die anderen mit historisierten oder ornamentalen Initialen versehen sind. Insgesamt sind 42 Initialen erhalten. Sechs der großen Bilder wurden aus dem Buch entfernt und sind verloren. Der byzantinische Stil von Meister Hugo vermischt sich mit romanischen Figuren, gotischer Schrift und einigen frĂŒhen kĂŒnstlerischen EinflĂŒssen der Gotik. So ist die Bury-Bibel ein wunderbares Spiegelbild der Kunst des 12. Jahrhunderts, das eine Übergangszeit war, die prĂ€chtige Hybride aus alten und neuen Kunststilen hervorbrachte. Sie ist ein Paradebeispiel fĂŒr die sehr großen Luxusbibeln, die im 12. Jahrhundert fĂŒr die Klöster hergestellt wurden. Die Gesichter sind mit Schattierungen in GrĂŒn und Grau modelliert, und die Falten sind in Abschnitte unterteilt, die die Position der Gliedmaßen widerspiegeln. Dieser Stil, der auf Englisch als „Damp-fold style“ bezeichnet wird, beeinflusste viele andere KĂŒnstler, die in der Zeit um 1140-70 in England in Canterbury, Winchester und anderswo arbeiteten.

Kodikologie

Alternativ-Titel
The Bury Bible
Umfang / Format
714 Seiten / 52,5 × 35,0 cm
Datum
Ca. 1135
Stil
Schrift
Gotische Textualis Rotunda
Buchschmuck
6 ganzseitige illustrative Frontispizien, darĂŒber hinaus eine Vielzahl von historisierten Hauptinitialen, durchgehend farbige und verzierte kleinere Initialen
Inhalt
Altes Testament von Genesis bis Hiob der einst vollstÀndigen Bibel in zwei BÀnden (nur ein Band erhalten)
Auftraggeber
Hervey (KĂŒster) fĂŒr Talbot (Prior von St. Edmunds Abbey)
KĂŒnstler / Schule
Vorbesitzer
Matthew Parker

VerfĂŒgbare Faksimile-Editionen:
Bury Bibel – Boydell & Brewer – MS 002I – Parker Library in the Corpus Christi College (Cambridge, Vereinigtes Königreich)
Boydell & Brewer – Woodbridge, 2001
Faksimile-Editionen

#1 The Bury Bibel

Boydell & Brewer – Woodbridge, 2001

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Boydell & Brewer – Woodbridge, 2001
Kommentar: 1 Band von Rodney M. Thomson
Sprache: Englisch
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprĂŒnglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Ausgabe bei uns verfĂŒgbar!
Preis Kategorie: €€
(1.000€ - 3.000€)
Das könnte Sie auch interessieren:
Oxforder Bestiarium – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. Ashmole 1511 – Bodleian Library (Oxford, Vereinigtes Königreich)
Oxforder Bestiarium
Möglicherweise Peterborough oder Lincoln (Vereinigtes Königreich) – Um 1210

Eine moralisch-religiöse Perspektive auf die Natur und einer der schönsten Vertreter seiner Gattung: Das berĂŒhmte Bestiarium aus Oxford mit seinen ĂŒber 130 goldenen Miniaturen von wilden Tieren und fantastischen Fabelwesen

Erfahren Sie mehr
Albani-Psalter – MĂŒller & Schindler – Ms. St. God. 1|Inv. No. M694 – Dombibliothek Hildesheim (Hildesheim, Deutschland) / SchnĂŒtgen Museum Köln (Köln, Deutschland)
Albani-Psalter
Abtei St. Alban, London (Vereinigtes Königreich) – 1123–1135

Ein erhabenes Zeugnis der BlĂŒtezeit der englischen Romanik: Ein Kunstwerk von allererstem Rang, prachtvoll und meisterlich illuminiert mit 42 ganzseitigen Goldminiaturen und ĂŒber 200 kunstvollen Zierinitialen

Erfahren Sie mehr
Lesenswerte Blog-Artikel
Filterauswahl
Verlag