Kalligraphiebuch

Kalligraphiebuch Faksimile

Wien (Österreich) — 1561–1562 und 1591–1596

Geschaffen für Kaiser Ferdinand I.: Ein wunderschön gestalteter Überblick über die Raffinesse der Kalligraphie der nördlichen Renaissance

  1. Eine schöne Übersicht über verschiedene Schriften und dekorative Elemente aus der Zeit, als die letzten und zugleich prächtigsten Handschriften entstanden

  2. Die Handschrift wurde für Kaiser Ferdinand I. (1503–64) erschaffen und war später im Besitz von Kaiser Rudolf II. (1552–1612)

  3. Ursprünglich von Georg Bocskay (gest. 1575) gestaltet, wurde sie später von Joris Hoefnagel (1542–1601) illuminiert

Kalligraphiebuch

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Beschreibung
Kalligraphiebuch

Präzise ausgeführte Kalligraphie ist eines der markantesten Merkmale illuminierter Manuskripte. Bis ins 16. Jahrhundert war sie eine wahre Kunst und es entstanden zahlreiche Schrifttypen, die es den Mäzenen erlaubten, sogar die Buchstaben ihrer Aufträge individuell gestalten zu lassen. Das für Kaiser Ferdinand I. geschaffene Musterbuch ist ein wunderbares Exemplar, das nicht nur verschiedene Schriften vorstellt, sondern auch einige besonders kunstfertige Elemente enthält.

Schriftmusterbuch

Diese Handschrift besteht aus zwei Teilen, einem Schriftmusterbuch mit dem lateinischen Titel „Mira calligraphiae monumenta“ und einem Abecedarium. Das Musterbuch, das Beispiele verschiedener Schriftartenvorstellt, wurde von Georg Bocskay (1510–75), dem aus Kroatien stammende Hofsekretär Kaiser Ferdinands I. (1503–64) in dessen Auftrag in den 1560er Jahren angefertigt. Etwa 30 Jahre nach Fertigstellung und 15 Jahre nach Bocskays Tod ging der Codex in den Besitz Kaiser Rudolfs II.(1552–1612) über, des Kaisers Enkel, der, wenn nicht als großer Herrscher, so doch als enthusiastischer Förderer von Kunst und Wissenschaft in die Geschichte einging. Rudolf beauftragte wiederum den flämischen Miniaturist Joris Hoefnagel (1542–1601) mit der Illuminierung des geerbten Werkes, das dieser mit meisterhaftem Pflanzen- und Tierdekor ausschmückte. Das angefügte Abecedarium von ca. 1595 präsentiert zwei Alphabetreihen von unbekannter Hand, eine in römischer Capitalis und eine zweite in gotischen Kleinbuchstaben, die als kalligraphische Schreibanleitung konzipiert sind und ebenfalls von Hoefnagel aufwendig mit floralem Rankwerk, Symbolen und heraldischen Motiven wie Masken, Tieren, Pflanzen und Obelisken verziert wurden. Das Zusammenbinden der beiden Werke zu einem Codex erfolgte vermutlich auf Initiative von Hoefnagel und Kaiser Rudolf II. Sowohl Schrift als auch Illuminierung beider Teile sind von höchster Qualität und bieten einen herrlichen Überblick über die herausragenden künstlerischen Leistungen der Nordischen Renaissance.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Mira Calligraphiae Monumenta
Model Book of Calligraphy
Georg Bocskay's Model Book of Calligraphy
Sketchbook by Joris Hoefnagel
Umfang / Format
254 Seiten / 16,6 × 12,4 cm
Herkunft
Österreich
Datum
1561–1562 und 1591–1596
Sprache
Inhalt
Modellbuch mit einer Sektion über die Konstruktion von Buchstaben
Auftraggeber
Ferdinand I.
Rudolph II.
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Ferdinand I.
Rudolph II.
Albert Milde
Friedrich Ludwig von Gans
Louis Koch

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Kalligraphiebuch – Ms. 20 (86. MV. 527) – Getty Museum (Los Angeles, USA) Faksimile
Faksimile Verlag – Luzern, 1993
Limitierung: 290 Exemplare
Detailbild

Kalligraphiebuch

Idealisierte Natur

Dieses Beispiel zeigt wunderbar, dass die prachtvoll gestaltete Handschrift so viel mehr ist als ein kalligraphisches Musterbuch: sie ist auch ein fantastisches Zeugnis der nördlichen Renaissance, das Naturalismus und Idealismus mit einem Schattenspiel kombiniert, welches eine Lichtquelle im Hintergrund suggeriert. Die grün-schwarze Färbung des Frosches wird von einem kunstvollen Schimmer durchbrochen, der Ausdruck der feuchten Amphibienhaut ist. Während der Frosch neben einer blauen Lilie sitzt, landet eine Libelle mit haarigen Beinen auf dem langen Stiel einer frisch geschnittenen Birne.

Mira Calligraphiae Monumenta
Einzelseite

Kalligraphiebuch

Die Zehn Gebote und ein Maibaumtanz

Diese schwarz eingefärbte Seite eröffnete dem Kalligraphen eine hervorragende Gelegenheit, sein großartiges Können zu demonstrieren. Nur einem wahren Meister wäre die Goldtinte anvertraut worden, die sich glänzend von dem dunklen Pergament abhebt. Schon die Eisen-Kupfer-Lösung an sich, die zum Färben der Seiten verwendet wurde, war sehr kostspielig und schwierig herzustellen, weshalb solche Arbeiten äußerst selten sind.
Über dem Text scheint eine Wolke mit einer Kakophonie aus Licht und donnernden Posaunen zu explodieren, während Moses die Zehn Gebote auf zwei Steintafeln empfängt. Dieser Szene aus dem Alten Testament steht die pagane Bas-de-Page-Miniatur gegenüber, die eine ausgedehnte Landschaft zeigt, in der die Menschen vor einem Meer aus bunten Zelten um einen Maibaum tanzen.

Mira Calligraphiae Monumenta
Faksimile-Editionen

#1 Mira Calligraphiae Monumenta

Faksimile Verlag – Luzern, 1993

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Faksimile Verlag – Luzern, 1993
Limitierung: 290 Exemplare
Kommentar: 1 Band von Lee Hendrix, Thea Vignau-Wilberg und Regula Krahenbuhl
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Die Seiten sind auf einem größeren weißen Hintergrund dargestellt. Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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