Ramon Llulls Electorium Parvum seu Breviculum

Frankreich — Erste Hälfte des 14. Jahrhunderts (um 1321)

Ramon Llulls Electorium Parvum seu Breviculum

Ramon Llulls Electorium Parvum seu Breviculum

Frankreich — Erste Hälfte des 14. Jahrhunderts (um 1321)

  1. Ramon Llull (gest. 1315/16) war ein Mathematiker, Philosoph, Logiker, Schriftsteller und Mystiker

  2. Diese Handschrift wurde in Auftrag gegeben, um Llulls Lehren am französischen Hof bekannt zu machen

  3. Ihre 12 Miniaturen sind charakteristische Exemplare der Frühgotik aus Nordfrankreich

Ramon Llulls Electorium Parvum seu Breviculum

Alternativ-Titel:
  • Codex St. Peter perg. 92
  • Breviculum ex artibus Raimundi Lulli
  • Ramon Llull Breviculum
Ramon Llull Breviculum
Bildvon
  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Ramon Llull (ca. 1232 – ca. 1315/16) war ein spanischer Universalgelehrter aus dem Königreich Mallorca, der als einer der bedeutendsten Geister seiner Zeit gilt und dessen Genie heute wieder neue geschätzt wird, da die Bedeutung seiner Werke in den letzten Jahren wiederentdeckt wird. Diese Handschrift ist eine der schönsten und prägnantesten Quellen über sein Leben und sein Denken. Von der Königin von Frankreich in Auftrag gegeben, wurde sie von einem Schüler Llulls, Thomas Le Myésier (gest. 1336), geschaffen. Die Handschrift enthält eine bemerkenswert genaue Darstellung Lulls, die seinem tatsächlichen Aussehen sehr nahekommen dürfte, was sonst in der mittelalterlichen Kunst fast nie vorkommt. Die 12 Miniaturen der Handschrift gelten als einige der schönsten Exemplare der frühen Gotik in Frankreich.

Ramon Llulls Electorium Parvum seu Breviculum

Abgesehen davon, dass er der Autor des ersten großen Werkes der katalanischen Literatur ist, war Ramon Llull (ca. 1232 - ca. 1315/16) ein Mathematiker, Philosoph, Logiker, Schriftsteller und Mystiker aus dem Königreich von Mallorca. Er setzte sich für die Bekehrung der Mauren ein, wobei er sich der Philosophie und Theologie bediente, um sie davon zu überzeugen, aus freien Stücken zum Christentum zu konvertieren – ohne Androhung von Gewalt oder Einschüchterung. Diese prächtige Handschrift über sein Leben und seine Werke enthält zwölf Miniaturen, die als einige der schönsten Exemplare der französischen Buchmalerei des frühen 14. Jahrhunderts gelten dürfen. Sie ist nicht nur eine der wichtigsten Quellen über den berühmten katalanischen Philosophen, sondern auch eine der frühesten säkularen Biographien. Bemerkenswerterweise haben die Miniaturen Bildunterschriften wie moderne Cartoons.

Prachtvolle Bildsprache

Die meisten Miniaturen zeigen Szenen aus Llulls Leben, beginnend mit seiner religiösen Vision im Jahr 1263 und endend 1307 während seiner zweiten Reise nach Tunis, wo er mit muslimischen Gelehrten diskutierte. Seine geschmeidige, gotisch gehaltene Figur ist in einen einfachen braunen Habit gekleidet und er trägt einen grauen Vollbart, während der Leser seine Reisen und Werke verfolgt. Die übrigen Miniaturen sind allegorischer Natur und veranschaulichen Prinzipien aus Llulls philosophischen Lehren, darunter eine schöne Miniatur, in der er und Myésier einer französischen Königin seine Werke präsentieren, von einem prächtigen architektonischen Rahmen der Gotik eingefasst. Aufgrund der engen Beziehung zwischen Myésier und Llull und seiner persönlichen Aufsicht über die Herstellung der Handschrift wird außerdem angenommen, dass die Miniaturen Llulls körperliche Erscheinung ungewöhnlich genau wiedergeben dürften, was in der mittelalterlichen Kunst außergewöhnlich selten vorkommt.

Die Reisen einer königlichen Kommission

Die Handschrift wurde von Thomas Le Myésier (gest. 1336) geschaffen, der von Lull unterrichtet und betreut wurde, und scheint innerhalb weniger Jahre nach dem Tod seines Meisters im Jahr 1316, wahrscheinlich um 1321, in Nordfrankreich entstanden zu sein. Es wurde von der französischen Königin, wahrscheinlich von Johanna II. von Burgund (1292-1330), in Auftrag gegeben, um Llulls Lehren an den französischen Hof von König Philipp V. (ca. 1293-1322) zu bringen. Seitdem hat das Manuskript in den nächsten fünf Jahrhunderten eine turbulente Besitzgeschichte erlebt, während der es durch verschiedene Hände ging. Im 16. Jahrhundert verließ es zunächst Paris in Richtung Poitiers, wo es in den Besitz eines Kanonikers der Kathedrale von St. Pierre gelangte. Es ist nicht dokumentiert, was mit der Handschrift zwischen 1582 und 1736 geschah, als sie jedoch dann vom Freiburger Juristen Joseph Anton Weigel an Ulrich Bürgi, den Abt des Benediktinerklosters St. Peter im Schwarzwald, verkauft wurde. Nach der Säkularisation des Klosters 1806/07 ging sie zusammen mit dem Rest der Klosterbibliothek in der Hofbibliothek des Großherzogs von Baden in Karlsruhe auf, aus der sich die heutige Badische Landesbibliothek entwickelt hat.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Codex St. Peter perg. 92
Breviculum ex artibus Raimundi Lulli
Ramon Llull Breviculum
Umfang / Format
45 Folios / 34,5 × 28 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
Erste Hälfte des 14. Jahrhunderts (um 1321)
Stil
Sprache
Schrift
Littera Parisiensis
Buchschmuck
12 große Miniaturen
Auftraggeber
Johanna II. von Burgund, Königin von Frankreich
Künstler / Schule

2 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Ramon Llulls Electorium Parvum seu Breviculum“

Ramon Llull Breviculum
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Ramon Llull Breviculum

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Millennium Liber – Madrid, 2020
Limitierung
995 Exemplare
Kommentar
1 Band
Sprache: Spanisch
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Raimundus Lullus – Thomas le Myésier, Electorium Parvum seu Breviculum (Leather Edition)
Bildvon

Raimundus Lullus – Thomas le Myésier, Electorium Parvum seu Breviculum (Leather Edition)

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Reichert Verlag – Wiesbaden, 1989
Einband
Ledereinband
Kommentar
1 Band von Walburga Büchel, Theo Pindl-Büchel, Gerhard Stamm, Felix Heinzer und Rolf Hasler
Sprache: Deutsch
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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