Anglo-Normannisches Martyrologium: Bilderbuch der Madame Marie

Anglo-Normannisches Martyrologium: Bilderbuch der Madame Marie – Club Bibliófilo Versol – NAF 16251 – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)

Nordfrankreich — 1285–1290

Entstanden in Westminster und im späteren Besitz der Herzöge von Burgund: Die schonungslosen Darstellungen der Qualen beliebter Heiliger und Märtyrer in 87 detaillierten ganzseitigen Miniaturen

  1. Diese gotische Prachthandschrift zeigt auf 87 Miniaturen realistisch und berührend die Qualen berühmter Heiliger und Märtyrer

  2. Blut, gebrochene Knochen, abgetrennte Köpfe und entkleidete Körper in goldenen Miniaturen

  3. Das Werk wurde erstmals im Inventar des burgundischen Herzogs Philipp des Kühnen (1342–1404) erfasst

Anglo-Normannisches Martyrologium: Bilderbuch der Madame Marie

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  1. Beschreibung
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  3. Einzelseite
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Beschreibung
Anglo-Normannisches Martyrologium: Bilderbuch der Madame Marie

Zwischen 1285 und 1290 entstand im anglonormannischen Westminster eine unglaublich expressive Bilderhandschrift im Auftrag einer nordfranzösichen Adeligen: Maria von Rethel (1231–1315). Das sogenannte Bilderbuch der Madame Marie enthält 87 ganzseitige Miniaturen, die in kräftigen Farben und leuchtendem Gold die Qualen bekannter Heiliger und Märtyrer sowie die bewegende Vita Christi ebenso schonungslos wie kunstvoll unter filigranen Spitzbögen in Szene setzen. Kurze Bildunterschriften sind neben dem Kalendarium mit Heiligenfesttage die einzig vorhandenen Texte in dieser einzigartigen Handschrift, die der Nutzerin die Martyrien rein visuell vor Augen führt. Das schmuckvolle Kleinod gelangte im frühen 15. Jahrhundert in den Besitz der Herzöge von Burgund und wird estmals im Inventar Philipps des Kühnen erwähnt. Später war es Teil der Bibliotheken von Johann Ohnefurcht und Philipp dem Gutem und wird heute in der Bibliothèque nationale de France verwahrt.

Das anglonormannische Martyrologium

Bei dem uns hier vorliegenden Manuskript handelt es sich um ein mittelalterliches Bilderbuch par excellence. Auf 110 Seiten enthält das Martyrologium 87 ganzseitige Miniaturen mit kurzen Inschriften unterhalb der Bilder. Historiker gingen zunächst davon aus, dass es sich bei dem Werk um ein Stundenbuch handelt. Es beinhaltet die typischen Bestandteile eines Stundenbuches, beispielsweise einen Kalender und Illustrationen zum Martyrium der Heiligen. Allerdings fehlen in diesem privaten Andachtsbuch das Verzeichnis der kanonischen Stunden und die spezifischen liturgischen Gebete. Das anglonormannische Martyrologium nimmt eine einzigartige Stellung in der Geschichte der Literatur ein.

Eine interessante Herkunft

Das sogenannte Bilderbuch der Madame Marie ist erstmals im Jahr 1405 Inventar des Burgunderherzoges Philipps des Kühnen verzeichnet. Dieser vererbte die Schrift seinem Sohn Johann Ohnefurcht. Im Jahr 1467 befindet sich das kostbare Manuskript im Besitz Philipps des Guten. Entstanden ist der Codex wohl zwischen 1285 und 1290 für Maria von Rethel, eine Adelige aus der nordfranzösischen Grafschaft Rethel, die im 14. Jahrhundert an das Herzogtum Burgund ging. Ein Stifterbild zeigt die Auftraggeberin kniend und betend vor dem Hl. Jakobus. Die Miniaturen des gotischen Meisterwerkes zeigen den Stil der anglonormannischen Buchkunst aus Westminster. Der ursprüngliche Titel des Bilderbuches lautete „Die erste Apokalypse aus Westminster“. Ein verantwortlicher Künstler konnte nie bestimmt werden.

Dramatische Szenen

Die ausdrucksstarken, farbigen Bilder des Werkes präsentieren dem Betrachter detailreiche Szenen in gotischer Malerei. Charakteristische Persönlichkeitsmerkmale, sozialer Status oder historische Attribute von Personen werden aufgezeigt. Die Höllenqualen, die Heilige und Märtyrer der Legende nach erleiden mussten, werden hier schonungslos zum Ausdruck gebracht. Eine Miniatur zeigt beispielsweise einen nackten Mann, der auf einem Rost gebraten wird (Hl. Laurentius). Eine weitere Szene stellt eine an einen Baum gefesselte Person dar, mit einem von Pfeilen durchbohrten Körper (Hl. Sebastian). Ungeschminkter Realismus, Blut, gebrochene Knochen, abgeschlagene Köpfe und zerstreute Eingeweide – mit hervorragender Linienführung und intensiven Farben inszeniert das Buch bekannte Märtyrerlegenden. Solche Bilder benötigen keinen langen Text zur Erklärung.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Anglo‐Norman Martyrology: Picture Book of Madame Marie
Martiriologe des Saints: Le livre d'images de Madame Marie
Martirologio Anglonormando: Libro de Imágenes de Madame Marie
El libro de imagenes de Madame Marie
Martiriologio Anglonormando: le livre d'images de Madame Marie
Images de la vie du Christ et des saints
Martirologio Anglonormando del Siglo XIII. El libro de imágenes de Madame Marie
Le livre d'images de Madame Marie
Umfang / Format
220 Seiten / 18,0 × 12,8 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
1285–1290
Stil
Schrift
Gotische Textualis Rotunda Gotische Textualis Semiquadrata
Buchschmuck
87 reich kolorierte, meisterhafte ganzseitige Miniaturen und 12 große Goldinitialen
Inhalt
Zisterzienserkalender, Legendentafel, Vita Christi, Martyrologie
Auftraggeber
Maria von Rethel (1231–1315)
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Herzog Philipp der Kühne von Burgund (1342–1404)
Herzog Johann Ohnefurcht von Burgund (1371–1419)
Herzog Philipp der Gute von Burgund (1396–1467)
Margaret Angelique d’Oÿenbrüghe de Duras
Pierre Van Lierde
Lazare Carnot (1753–1823)
Jeanne-Pierrette Carnot (1751–1825)
A. Dupont Carnot
Fély Bertrand
François Carnot (1837–94)

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Anglo-Normannisches Martyrologium: Bilderbuch der Madame Marie – Club Bibliófilo Versol – NAF 16251 – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)
Club Bibliófilo Versol – Madrid, 2010
Limitierung: 575 Exemplare
Detailbild

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Martyrium des heiligen Nicasius und der heiligen Eutropia von Reims

Der heilige Nicasius war im 5. Jahrhundert der erste Bischof von Reims und prophezeite, dass die Stadt von den Vandalen angegriffen werden würde. Tatsächlich schlugen ihm der Legende nach die Barbaren den Kopf ab, als er gerade einen Psalm rezitierte. Deshalb wird er als einer der Cephalophoren dargestellt, also als ein Märtyrer, der seinen eigenen abgetrennten Kopf in der Hand oder unter dem Arm trägt. Die Vandalen wollten zunächst seine schöne jungfräuliche Schwester Eutropia noch verschonen. Aber als sie den Mörder ihres Bruders angriff und sich in seine Augen krallte, wurde auch sie auf dieselbe Weise getötet und wurde so zur Heiligen Eutropia.

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Einzelseite

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Die heilige Margarete von Antiochia

Der Legende nach weigerte sich die heilige Margarete, nachdem sie Gott ihre Jungfräulichkeit gelobt hatte, den römischen Gouverneur ihrer Provinz zu heiraten und ihren Glauben aufzugeben. Daraufhin verschluckte zwar Satan sie in Form eines Drachen, aber sie entkam ihm, da das Kreuz, das sie trug, die Innereien des Drachen irritierte. Trotz ihres Martyriums wird die heilige Margarete mit dem für die englische Gotik typischen fröhlichen Ausdruck dargestellt.

Man ist sofort beeindruckt von der ausgewogenen Zusammensetzung des Bildes und dem Reichtum der Pigmente, die für diese Miniaturseite verwendet werden. Die tiefen undurchsichtigen Rot-, Blau-, Grün- und Orangetöne werden durch den Blattgoldrahmen, den Heiligenschein, das Kreuz und die Spitzbögen ergänzt. Subtile Muster finden sich sowohl im roten Hintergrund als auch in den blauen Spitzbögen oben.

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Faksimile-Editionen

#1 Martirologio Anglonormando: Libro de Imágenes de Madame Marie Madame Marie's Picture Book

Club Bibliófilo Versol – Madrid, 2010

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Club Bibliófilo Versol – Madrid, 2010
Limitierung: 575 Exemplare
Einband: Goldgeprägtes Leder
Kommentar: 1 Band
Sprache: Spanisch
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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