Schätze der Reichenauer Buchmalerei

Deutschland — 10.–11. Jahrhundert

Schätze der Reichenauer Buchmalerei

Schätze der Reichenauer Buchmalerei

Deutschland — 10.–11. Jahrhundert

  1. Der ottonische Stil verschmolz karolingische Kunst mit spätantiken und byzantinischen Kunsttraditionen

  2. Er wird mit der Dynastie der Ottonen (919-1024) in Verbindung gebracht, dauerte aber weit über deren Herrschaft hinaus an

  3. Das Skriptorium auf der Insel Reichenau im Bodensee hat die ottonische Kunst stark beeinflusst

Schätze der Reichenauer Buchmalerei

Alternativ-Titel:
  • Treasures from the Ottonian Book Illumination (Collection)
  • Schätze der Reichenauer Buchmalerei - Die ottonischen Handschriften aus dem Weltdokumentenerbe der UNESCO
Schätze der Reichenauer Buchmalerei - Die ottonischen Handschriften aus dem Weltdokumentenerbe der UNESCO
Bildvon
  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Die ottonische Renaissance brachte einige der größten, am üppigsten verzierten und am schönsten gebundenen Meisterwerke des gesamten Mittelalters hervor. Es war eine reiche, aber relativ kurzlebige Renaissance, die mit der Dynastie der Ottonen (919-1024) verbunden war, diese aber überlebte und sich allmählich zur deutschen Romanik weiterentwickelte. Stilistisch knüpften die ottonischen Handschriften an karolingische Traditionen an und versuchten bewusst, spätantike und byzantinische Kunsttraditionen zu imitieren. Die ottonische Buchmalerei zeichnet sich durch reiche Materialien wie glänzende Goldhintergründe im byzantinischen Stil, durch Gold- und Silbertinte und satte, flächige Farben aus exotischen Materialien aus. Dieser großartige, monumentale Stil der Buchmalerei war Ausdruck eines erneuerten Glaubens an das Heilige Römische Reich und des Wunsches, von den Byzantinern als ebenbürtig angesehen zu werden. So dienten die prächtigen Codices aus dieser Zeit auch als politisches Statement: In ihren Bildern zeigen sich die ottonischen Könige und Kaiser als von Gott gekrönte Herrscher.

Schätze der Reichenauer Buchmalerei

Kräftige Farben aus Edelpigmenten, ausgiebiger Einsatz von hochglänzendem Gold und stilisierte Figuren: ein ausdrucksstarker Malstil in höchster Vollendung! Noch heute ziehen die aufwändig illuminierten Prachthandschriften in Bann, die die Mönche auf der Insel Reichenau im 10. und 11. Jahrhundert für die ottonischen Herrscher sowie für wichtige Auftraggeber am kaiserlichen Hof schufen. Tatsächlich bildete das Kloster Reichenau das Zentrum der ottonischen Kunst und die Bilderhandschriften der so genannten Reichenauer Schule aus dieser Zeit faszinieren die Menschen noch heute wie wenige andere. Jede Seite dieser Handschriften evoziert eine feierliche Aura des Erhabenen und Sakralen. Im Jahr 2003 beschloss die UNESCO, zehn dieser Werke in ihr Weltdokumentenerbe aufzunehmen. Die vom Quaternio Verlag Luzern herausgegebene Faksimile-Kassette gibt einen Einblick in die wunderbare Bildsprache dieser ottonischen Meisterwerke.

Ein ausladender und majestätischer Stil

Die ottonische Kunst entstand vor allem im heutigen Deutschland sowie in Norditalien und den Niederlanden. Als Fortsetzung der karolingischen Buchmalerei war die ottonische Buchmalerei stark beeinflusst von der spätantiken und byzantinischen Kunst und suchte in ihnen sowohl nach ästhetischer Inspiration als auch nach den politischen Implikationen dieser klassischen Formen, als die Könige von Deutschland den Mantel eines Kaisers des Heiligen Römischen Reiches für sich in Anspruch nahmen. Die Kompositionen wirken statisch und beeindrucken oft durch expressive Blicke und durch Gesten mit verlängerten Fingern. Einige insulare Einflüsse sind auch in der ottonischen Kunst zu erkennen, vor allem in Bezug auf marginale Flechtwerkmuster, große dekorative Initialen und vor allem Incipit-Seiten. Die Ottonische Buchmalerei zeichnet sich durch eine große Ästhetik aus, die in der Frühzeit manchmal auch etwas schwerfällig wirkt, dann aber um 1000 "eine feierliche Monumentalität mit einer lebendigen Innerlichkeit verbindet, eine weltfremde, visionäre Qualität mit scharfer Aufmerksamkeit für die Aktualität, Oberflächenmuster aus fließenden Linien und satten leuchtenden Farben mit leidenschaftlicher Emotionalität". Oft mit luxuriösen Einbänden ausgestattet, zählen die ottonischen Handschriften zu den größten Meisterwerken der gesamten mittelalterlichen Handschriftenkunst.

Meisterwerke von der Reichenau

Illuminierte Handschriften aus dem Kloster Reichenau gehören zu den prächtigsten Kunstwerken, die unter den ottonischen Königen entstanden sind. Die Benediktinerabtei auf der Bodenseeinsel Reichenau war zu dieser Zeit eines der wichtigsten kulturellen und wissenschaftlichen Zentren des ostfränkischen Reiches. Das im Kloster Reichenau untergebrachte Skriptorium produzierte Prachthandschriften von großer Schönheit, deren Ästhetik die ottonische Kunst maßgeblich beeinflusste. Die Abtei Reichenau wurde 724 vom heiligen Pirmin (gest. 753), einem vermutlich iroschottischen Wanderbischof, auf einer Insel im Bodensee gegründet. Zur Zeit Karls des Großen zählte die Abtei zu den großen fränkischen Reichsklöstern und gewann unter den Ottonen noch mehr Einfluss. Das Skriptorium produzierte vor allem unter den Äbten Witigowo, Immo und Berno (985-1048) illuminierte Handschriften von herausragender künstlerischer Qualität für Kaiser, Könige und den höheren Klerus. Mindestens 58 Prachthandschriften der 'Reichenauer Schule' sind bis heute erhalten, doch nur von sieben dieser Werke sind die Namen ihrer Schreiber und Buchmaler überliefert.

Dieses Kompendium von Einzelblättern in Passepartouts, die für eine Rahmung bestens geeignet sind, besteht aus zehn herausragenden Beispielen der ottonischen Buchmalerei aus den folgenden Handschriften:
Bamberger Daniel-Kommentar - Bamberg, Staatsbibliothek Bamberg, Msc. Bibl. 22
Bamberger Apokalypse - Bamberg, Staatsbibliothek Bamberg, Msc. Bibl. 140
Evangeliar Ottos III. - München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4453
Evangeliar aus dem Bamberger Dom - München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4454
Perikopen Heinrichs II. - München, Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 4452
Codex Egberti - Trier, Stadtbibliothek Weberbach, Hs. 24
Egbert-Psalter - Cividale del Friuli, Museo Archeologico Nazionale di Cividale del Friuli, Ms. 136
Evangelistar von Poussay - Bibliothèque nationale de France, Ms. lat. 10514
Evangeliar Ottos III. (Liuthar-Evangeliar) - Domschatzkammer Aachen, G 25.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Treasures from the Ottonian Book Illumination (Collection)
Schätze der Reichenauer Buchmalerei - Die ottonischen Handschriften aus dem Weltdokumentenerbe der UNESCO
Umfang / Format
10 Einzelseiten / 42,5 × 23,5 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
10.–11. Jahrhundert
Stil
Sprache
Buchschmuck
10 Miniaturen
Inhalt
Zehn Einzelblätter bedeutender ottonischer Handschriften: Bamberger Daniel-Kommentar, Bamberger Apokalypse, Evangeliar Ottos III., Evangeliar aus dem Bamberger Dom, Perikopenbuch Heinrichs II., Egbert-Codex, Egbert-Psalter, Evangelistar von Poussay, Evang

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Schätze der Reichenauer Buchmalerei“

Schätze der Reichenauer Buchmalerei - Die ottonischen Handschriften aus dem Weltdokumentenerbe der UNESCO
Bildvon

Schätze der Reichenauer Buchmalerei - Die ottonischen Handschriften aus dem Weltdokumentenerbe der UNESCO

Faksimile: 10 Einzelseiten Vollfaksimile des Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2018
Limitierung
800 Exemplare
Einband
Handgefertigte Kassette mit einer Replik einer geschnitzten Elfenbeintafel, die für den Magdeburger Dom geschaffen wurde (heute im British Museum verwahrt).
Kommentar
1 Band von Eberhard König
Sprache: Englisch
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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