Aurora Consurgens

Deutschland — Erstes Viertel des 16. Jahrhunderts

Aurora Consurgens

Aurora Consurgens

Deutschland — Erstes Viertel des 16. Jahrhunderts

  1. Der Text basiert auf dem Werk des ägyptischen Alchemisten Ibn Umayl (ca. 900 - ca. 960)

  2. Es ist noch umstritten, ob Thomas von Aquin (1225-74) diesen Kommentar zur lateinischen Übersetzung verfasst haben könnte

  3. 31 Miniaturen setzen alchemistische Prinzipien in prachtvollen metaphorischen Darstellungen um

Aurora Consurgens

Aurora Consurgens
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Diese faszinierende alchemistische Abhandlung aus Deutschland verbindet arabische und italienische Vorbilder zu einem wunderbaren künstlerischen Programm aus 31 rätselhaften Miniaturen. Die Handschrift aus dem frühen 16. Jahrhundert ist eine feine Kopie der Aurora Consurgens oder "Aufgehende Morgenröte", einem Kommentar zur lateinischen Übersetzung von al-Mā' al-Waraqī oder "Das silberne Wasser". Diese Schrift, ein echter Klassiker der islamischen Alchemie, wurde im 10. Jahrhundert von Ibn Umail geschrieben, der im lateinischen Westen auch als Senior Zadith bekannt ist. Alchemistische Prinzipien werden metaphorisch in Bildern mit meisterhaft gezeichneten menschlichen und tierischen Figuren sowie faszinierenden durchsichtigen Phiolen dargestellt.

Aurora Consurgens

Dieses alchemistische Traktat fasziniert nicht nur wegen seiner rätselhaften Miniaturen, sondern auch auf Grund seines strittigen Verfassers, wobei diesen einige in der Person des berühmten Philosophen und Theologen Thomas von Aquin (1225-74) zu entdecken meinen. Das vorliegende Exemplar der Aurora Consurgens, also der "Aufgehenden Morgenröte", entstand im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts in Süddeutschland. Alchemistische Prinzipien werden in 31 prachtvollen Aquarellminiaturen metaphorisch veranschaulicht, wie z. B. Quecksilber als Schlange. Von anderen ähnlichen Handschriften unterscheidet sich die Handschrift durch ihre Signatur in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, MS. Germ. qu. 848.

Faszinierende Bildsprache

Große, quadratisch gerahmte Initialen aus Akanthusblättern und -blüten sowie Miniaturszenen auf einer Wiese mit teils bizarren Felsformationen oder Bäumen faszinieren den Betrachter. Die Figuren sind schlank, aber wohlproportioniert und muskulös, mit weich drapierten Gewändern, modischen Frisuren und fließenden Bewegungen. Phiolen sind mit außergewöhnlicher Plastizität und Transparenz dargestellt und die flache Farbpalette wurde mit weichen Abstufungen und Details gestaltet bis hin zu Grashalmen, die mit feinen Pinselstrichen aufgetragen sind. Sowohl der Text als auch der Bildzyklus lehnen sich eng an das Ms. Rh. 172 in der Zentralbibliothek in Zürich an und die Miniaturen weisen auf italienische Vorbilder hin, besonders in der modischen Akzentuierung der Menschendarstellung. Menschliche und tierische Fortpflanzung wurde oft als alchemistische Metapher verwendet, und in einigen Handschriften, so auch hier, findet sich eine Szene mit zwei Liebenden in einem Bett - diese wurde hier jedoch von einem etwas prüden Vorbesitzer ausgeschabt.

Die arabische Vorlage

Eine ganze Gruppe von Manuskripten sind Abschriften eines Kommentars zur lateinischen Übersetzung von al-Mā' al-Waraqī, "Das silberne Wasser", einem Klassiker der islamischen Alchemie, im 10. Jahrhundert von Ibn Umayl verfasst, der im Westen Senior Zadith heißt. Seine Schrift wurde im 12. oder 13. Jahrhundert ins Lateinische übersetzt und fand unter den europäischen Alchemisten weite Verbreitung in einem Text, der oft als Senioris Zadith tabula chymica oder Die chemischen Tabellen des Senior Zadith bezeichnet wird. Der Beweis dafür ist deutlich zu sehen, wenn man die Miniaturen in lateinischen und arabischen Handschriften vergleicht, die einen weisen alten Mann zeigen, der in einem Heiligtum mit zwei Räumen sitzt und eine Tafel mit symbolischen Piktogrammen hält. Man sieht jeweils eine Gruppe von drei Personen, die in seine Richtung zeigen, und neun Vögel, die Waffen halten, fliegen über ihm. Die arabische Version zeigt ihn dabei in einem ägyptischen Tempel, während die lateinische Version ihn in einer Kirche sitzend zeigt.

Das Werk des Thomas von Aquin?

Forscher diskutieren, ob der Originaltext der Aurora consurgens dem großen Thomas von Aquin zugeschrieben werden kann oder nicht. Diejenigen, die ihn als "Pseudo-Thomas"-Handschrift einstufen, behaupten, dass es stilistisch keine Übereinstimmungen mit dem Aquinaten gebe. Für Thomas als Autor spricht, dass der Autor sowohl in der Bibel als auch in der Liturgie außergewöhnlich bewandert gewesen sein muss, andererseits jedoch nur selten klassische alchemistische Texte zitiert, und niemals chemische Rezepte oder technische Anweisungen erwähnt. Auch der Lobpreis des Autors auf die Armen könnte auf einen Dominikanermönch hindeuten. Als Gegenargument gegen die stilistische Uneinheitlichkeit bringen die Befürworter hervor, dass der leidenschaftliche Stil damit erklärbar sei, dass er den Geisteszustand eines Sterbenden widerspiegle. Dies steht im Einklang mit der Biographie des Thomas, der vor seinem Tod noch eine beunruhigende Vision gehabt haben soll. Insofern könnte dieses Werk die letzten Worte des großen Theologen und Philosophen darstellen - oder eben auch nicht. Darüber streiten sich die Gelehrten bis heute, aber eine anregende Hypothese ist es allemal!

Kodikologie

Herkunft
Deutschland
Datum
Erstes Viertel des 16. Jahrhunderts
Sprache
Buchschmuck
37 Miniaturen
Inhalt
Alchemistisches Traktat mit einem Kommentar von Pseudo-Aquinas zur lateinischen Übersetzung des Buches über das Silberwasser und die Sternenerde von Ibn Umail

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Aurora Consurgens“

Aurora Consurgens
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Aurora Consurgens

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Millennium Liber – Madrid, 2022
Kommentar
1 Band von Alejandro García Avilés und Carlos Espí Forcén
Sprache: Spanisch
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Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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