Augustinerregeln, Heilkunde und Gebete: Das Ergebnis einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit einer Chorfrau und eines Chorherrn

Codex Guta-Sintram

Abtei von Marbach, Oberelsass (Frankreich) — 1154

Codex Guta-Sintram

Codex Guta-Sintram

Abtei von Marbach, Oberelsass (Frankreich) — 1154

  1. Die Handschrift ist Ergbnis der außergewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen Augustiner-Chorfrau Guta von Schwarzenthann und dem Augustiner-Chorherrn Sintram von Marbach

  2. Das Herzstück der Handschrift aus der Mitte des 12. Jahrhunderts sind 35 prächtige, doppelseitige Kalenderabbildungen

  3. Im Gebetbuch für das Kloster Schwarzenthann sind darüber hinaus verstorbene Äbte, Nonnen usw. verzeichnet

Codex Guta-Sintram

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P-Initiale mit Kletter-Drachen

Abgesehen von den humorvollen Kalenderseiten der Handschrift und den aufwändigen ganzseitigen Miniaturen ist auch der Dekor der Textseiten außergewöhnlich. Hier sehen wir eine goldene P-Initiale mit drei silbernen Rechtecken mit Rautenmuster vor filigranem Hintergrund aus Grün, Blau und Rot. Der Drache neben der Initiale hat Flügel sowie einen zweiten Kopf am Ende seines Schwanzes und klettert zwischen den Textspalten eingequetscht sichtlich angestrengt nach oben. Der klare, einheitlich geschriebene Text in schwarzer und roter Tinte vervollständigt die Perfektion dieses romanischen Meisterwerks.

Codex Guta-Sintram

Alternativ-Titel:
  • Guta-Sintram Codex
Codex Guta-Sintram – Ms. 37 – Bibliothèque du Grand Séminaire (Strasbourg, Frankreich)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Der Codex Guta-Sintram ist ein in ungewöhnlicher Zusammenarbeit entstandenes Sammelwerk, das einen einmaligen Einblick in die Welt eines Klosters in der Romanik gibt. Neben Gebetstexten, Rechtssprüchen und wichtigen Informationen über das Klosterleben gibt das Werk medizinische Ratschläge und ist besonders berühmt geworden für seinen aufwendig verzierten, humorvollen Monatskalender.

Codex Guta-Sintram

Etwa um 1154 entsteht im Kloster Marbach im Oberelsass eine unvergleichliche Handschrift. Sie vereint in sich ein Gebetbuch, ein Rechtsbuch, ein Totenverzeichnis, eine Sammlung von Predigten und ein besonders aufwendig gestaltetes Kalendarium. Die 326 Seiten des Werkes sind reich verziert und im Mittelpunkt steht der 70 Seiten umfassende Monatskalender mit medizinischen Ratschlägen, der ein wahres Kunstwerk der frühen Buchillustration darstellt. Der Codex ist die wohl kostbarste Handschrift des Elsass und gehört zu den Kulturschätzen des europäischen Mittelalters.

Ein begabtes Duo

Der Codex Guta-Sintram entstand in einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit und wurde nach seinen beiden Autoren benannt. Das Duo bestand aus Guta von Schwarzenthann, einer Chorfrau und dem Chorherrn Sintram, die beide dem Augustinerorden des Klosters Marbach im Elsass angehörten. Guta ist für die schöne Schrift verantwortlich, während die wundervollen ganzseitigen Illustrationen und unzähligen Schmuckinitialen von Sintram stammen. Sie vollendeten ihr Werk 1154 und weihten es des Jungfrau Maria. Das Kloster Marbach existiert seit 1089 und war Ausgangspunkt für wichtige Klostergründungen am Oberrhein, in Süddeutschland und der Schweiz.

Eine überraschende Fülle an Informationen

Der Codex wurde ursprünglich als Gebetbuch für die Frauen des Klosters Schwarzenthann verfasst. Er bot aber und bietet noch immer weit mehr als nur eine Sammlung von Gebeten und lithurgischen Texten. Das Werk enthält Hinweise zum Lebensstil der Klosterfrauen, er beinhaltet eine Abschrift päpstlicher Privilegien für das Konvent und bietet somit eine Rechtsgrundlage, ein Verzeichnis von Märtyrern und anderen Heiligen sowie ein Verzeichnis der im Kloster verstorbenen Äbte, Pröpste, Mönche, Prionrinnen und Nonnen. Desweiteren findet sich eine Sammlung von Predigten zum Tagesevangelium im Werk und eine Sammlung der üblichen Sitten und Gebräuche des Klosters. Es gibt kein weiteres Werk dieser Zeit, das einen so genauen Einblick in den damaligen Klosteralltag ermöglicht.

Kunstwerke der Buchmalerei

Es finden sich viele bewundernswerte, teils ganzseitige Miniaturen von außerordentlicher Qualität im Buch wieder, aber bei der Gestaltung des Kalenders stellte der Chorherr Sintram wirklich sein ganzes Talent unter Beweis. Die 35 Doppelseiten sind mit großen Initialen, ausgestalteten Spruchbändern, Tierkreiszeichen und Personengruppen geschmückt. Die Spruchbänder beschreiben Vorschriften für den Aderlass, geben diätische Ratschläge oder empfehlen pflanzliche und tierische Arzneimittel. Der Monatskalender ist mit Witz und Humor liebevoll gestaltet und stellt einen wahrhaft einmaligen Einblick in die klösterliche Medizin des Mittelalters dar.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Guta-Sintram Codex
Umfang / Format
326 Seiten / 35,5 x 27,0 cm
Datum
1154
Sprache
Buchschmuck
230 farbige Miniaturen (einige von ihnen ganzseitig), zahlreiche große und kleinere Initialen
Künstler / Schule
Codex Guta-Sintram

Codex Guta-Sintram

Porträt des heiligen Augustinus’

Diese Handschrift stammt aus dem Oberelsass, näherhin aus Marbach, einem Stift der Augustinerchorherren. Daher finden wir hier diese obligatorische Miniatur, die dem Gründer des Ordens, dem heiligen Augustinus (354-430), gewidmet ist. Auch wenn der Orden formal natürlich in einem ganz anderen Jahrhundert gegründet wurde, enthält dieses Manuskript aus dem 12. Jahrhundert unter anderem die Regel des hl. Augustinus.

Dieses seltene romanische Porträt erinnert an Porträts der Evangelisten im Stil der britischen Inseln und zeigt den Heiligen, der von zwei Nonnen und zwei Mönchen mit Tonsur flankiert wird. Im Vergleich zu seinen kleineren, nur leicht schattierten Begleitfiguren links und rechts ist der hl. Augustinus durch seine zentrale Stellung in der Mitte der Seite und die satten Grundfarben hervorgehoben. Seine Augen sind nach oben gerichtet und sein Ausdruck ist erhaben.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Codex Guta-Sintram“

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Codex Guta-Sintram – Ms. 37 – Bibliothèque du Grand Séminaire (Strasbourg, Frankreich)
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Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Faksimile Verlag – Luzern, 1982
Limitierung
930 Exemplare
Einband
Die Seiten sind der originalen Blattform gemäß beschnitten, von Hand geheftet und in ihrem heutigen Zustand wiedergegeben. Der leuchtende und differenzierte Farbreichtum des Originals wird zum Verwechseln ähnlich präsentiert und voll zur Geltung gebracht. Das prachtvolle Werk wurde mit einem Rindsledereinband versehen, der dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Original-Einband nachgebildet wurde.
Kommentar
1 Band (240 Seiten) von Béatrice Weis, Pierre Bachoffner, Gérard Cames, Marie Popin, Joseph Siegwart, R.P. Luc Verheijen, Robert Will und Cyrille Vogel
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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