Die "Katharina-Gruppe": Hl. Katharina, Hl. Margareta, Hl. Juliana, Hali Meiðhad und Sawles Warde

Die "Katharina-Gruppe": Hl. Katharina, Hl. Margareta, Hl. Juliana, Hali Meiðhad und Sawles Warde

Hereford (Vereinigtes Königreich) — Ca. 1240

  1. Die Texte werden nach wie vor von Sprachwissenschaftlern, Kulturhistorikern und feministischen Forschenden untersucht

  2. Linguisten glauben, dass der verwendete Dialekt die Lücke zwischen Alt- und Mittelenglisch schließt

  3. Alle fünf Texte richten sich an Einsiedlerinnen und preisen die Tugend der Jungfräulichkeit

Die "Katharina-Gruppe": Hl. Katharina, Hl. Margareta, Hl. Juliana, Hali Meiðhad und Sawles Warde

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Die "Katharina-Gruppe": Hl. Katharina, Hl. Margareta, Hl. Juliana, Hali Meiðhad und Sawles Warde

Nachdem die Katharina-Gruppe jahrhundertelang unberührt im Dunkel der Bodleian Library in Oxford gelegen hatte, wurde sie 1929 von dem berühmten Autor J.R.R. Tolkien wiederentdeckt. Die fünf Texte stammen aus dem 13. Jahrhundert und wurden von einem anonymen Autor in den West Midlands von England verfasst. Abgesehen von der Bedeutung des mittelalterlichen englischen Dialekts, in dem sie verfasst wurden, handelt es sich bei der Handschrift um einen ungewöhnlichen Text des Mittelalters, da er sich an ein weibliches Publikum richtet, speziell an Eremitinnen und andere religiöse Einsiedlerinnen. Alle fünf Texte drehen sich um die Tugend und Kraft der Jungfräulichkeit und die Bewahrung der eigenen Frömmigkeit.

Die "Katharina-Gruppe": Hl. Katharina, Hl. Margareta, Hl. Juliana, Hali Meiðhad und Sawles Warde

Die sogenannte Katharina-Gruppe ist die ungewöhnliche Zusammenstellung fünf hochmittelalterlicher Texte in einem Dialekt aus den südwestlichen Midlands, von dem Linguisten glauben, dass er die Lücke zwischen Alt- und Mittelenglisch überbrückt. Diese faszinierenden Werke erregten auch die Aufmerksamkeit eines der berühmtesten Autoren des 20. Jahrhunderts, J. R. R. Tolkiens (1892-1973), werden heute noch von Linguisten und Kulturhistorikern studiert und sind außerdem für Genderthemen bearbeitende Forschungen einschlägig. Dies liegt daran, dass diese Handschriften aus dem 13. Jahrhundert einen weiblichen Schwerpunkt haben, einschließlich der Vitae dreier weiblicher Heiliger, einer Predigt mit dem Titel Hali Meiðhad oder "Heilige Jungfräulichkeit" und der Sawles Warde oder "Hüterschaft der Seele", einer Predigt darüber, wie man die eigene Seele am besten bewahrt, die besonders Leserinnen angesprochen hat. Obwohl der Text nicht illustriert ist, hat das unvollendete Werk freie Flächen für große Initialen ausgespart, die später noch hätten hinzugefügt werden sollen. Wenn auch der Verbleib der Handschrift über die meiste Zeit ein Rätsel bleiben muss, wurde sie dennoch 1612 von Thomas Twyne (1543-1613) an die Bodleian Library in Oxford gespendet, wo sie sich bis heute befindet.

Eine frauenzentrierte Werksammlung

Das Werk beginnt mit drei Heiligenviten: ff. 1r-18r befassen sich mit der hl. Katharina von Alexandria, ff. 18r-36v mit der hl. Margareta von Antiochia, und ff. 36v-52r mit der hl. Juliana von Nicomedia. Alle diese Heiligen bestätigen den Triumph der Jungfräulichkeit über die Verlockungen und Bedrohungen von materiellem Reichtum und Macht. Damit sind sie besonders für fromme adlige Frauen interessant, die den für eine Frau ihres Standes normalen Fallen zugunsten eines Lebens in Gebet und Frömmigkeit entkommen wollen. Weiterhin enthalten ff. 52r-71v den Traktakt Hali Meiðhad, der sich an Eremitinnen und Einsiedlerinnen richtet und die Tugenden der Jungfräulichkeit gegenüber der weltlichen Ehe preist. Er stammt aus einem Brief, der im frühen 12. Jahrhundert von Hildebert von Lavardin (ca. 1055-1133) an die Einsiedlerin Athalisa geschrieben wurde. Schließlich findet sich auf ff. 72r-80v die Sawles Warde, ein allegorischer Text, der die Seele als kostbaren Schatz in einem Schloss beschreibt und die Leserinnen ermutigt, in ihrem irdischen Leben ein emotionales Gleichgewicht zu erreichen und die Fallstricke von Leidenschaft, Stolz und Verzweiflung zu vermeiden. Diese Art von christlichem Stoizismus dürfte besonders für Frauen attraktiv gewesen sein, die ein gottgeweihtes oder gar eremitisches Leben führen wollten.

Im 20. Jahrhundert prominent wiederentdeckt

Abgesehen davon, dass er der Autor von Werken wie Der Herr der Ringe und Der Hobbit ist, war Tolkien ein angesehener Professor für Linguistik an der Universität Oxford, der 1929 erstmals auf MS Bodley 34 aufmerksam machte. Tolkien brachte die Katharina-Gruppe mit den Ancrene Wisse oder dem Handbuch für Einsiedlerinnen in Verbindung, einer weiteren wichtigen Quelle zur mittelalterlichen Spiritualität, und erkannte auch den einzigartigen Dialekt, in dem die Werke geschrieben sind. Die Texte zeigen die Einflüsse sowohl der skandinavischen als auch der walisischen Sprache und Tolkien konnte schlussfolgern, dass sie in der Gegend von Herefordshire entstanden sind: einer Region an der Grenze zu Wales, die Jahrhunderte zuvor von Skandinaviern besiedelt worden war. Tolkien prägte den Begriff "AB language", um diesen ziemlich standardisierten Dialekt zu beschreiben, der "von französischen und nordischen Lehnwörtern, umgangssprachlichen Ausdrücken, konservativer Rechtschreibung und Ähnlichkeiten zur altenglischen Syntax gekennzeichnet ist" und in den West Midlands während des 13. Jahrhunderts verwendet wurde.

Kodikologie

Alternativ-Titel
The "Katherine Group": St. Katherine, St. Margaret, St. Juliana, Hali Meiðhad and Sawles Warde
The Katherine Group
St. Katherine, St. Margaret, St. Juliana, Hali Meiðhad, Sawles Warde
Umfang / Format
81 Folios / 15,4 × 10,8 cm
Datum
Ca. 1240
Stil
Sprache
Schrift
Protogotische und Gotische Textura
Buchschmuck
Zahlreiche Initialen und ornamentierte Zeilen
Inhalt
Heiligenleben der hl. Katharina von Alexandrien, der hl. Margareta von Antiochien, der hl. Juliana von Nikomedien; Sermon "Hali Meiðhad" (Heilige Jungfräulichkeit); "Sawles Warde", eine Allegorie über Körper und Seele
Vorbesitzer
Thomas Twine
Faksimile-Editionen

#1 St. Katherine, St. Margaret, St. Juliana, Hali Meiðhad, Sawles Warde

Details zur Faksimile-Edition:

Kommentar: 1 Band von Neil Ker Ripley
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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