Elisabeth-Psalter

Elisabeth-Psalter – Lito Immagine Editore – MS 137 – Museo Archeologico Nazionale di Cividale del Friuli (Cividale del Friuli, Italien)

Wohl Kloster Reinhardsbrunn, Thüringen (Deutschland) — 1201–1208

Für Landgräfin Sophia von Thüringen geschaffen und später mit der heiligen Elisabeth verbunden: Einer der frühesten deutschen Prachtpsalter für adelige Laien, leuchtend in Gold, Kalenderbildern und erzählender Buchmalerei

  1. Vor 1208 für den Thüringer Landgrafenhof und ursprünglich für Landgräfin Sophia geschaffen

  2. Ein reich gegliedertes Andachtsbuch mit illuminierten Kalenderseiten, ganzseitigen Miniaturen, Zierincipits und Initialen

  3. Ein frühes Hauptwerk adeliger Laienfrömmigkeit und ein prägendes Zeugnis deutscher Buchmalerei um 1200

Elisabeth-Psalter

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Elisabeth-Psalter

Der Elisabeth-Psalter wurde ursprünglich nicht für die Heilige geschaffen, deren Namen er heute trägt, sondern vor 1208 für Landgräfin Sophia von Thüringen, die Gemahlin Hermanns I. Seine spätere Verbindung mit Elisabeth von Thüringen verknüpft die Handschrift mit einer der meistverehrten Frauen des Mittelalters. Auf 173 Pergamentblättern treten zu den Psalmen ein Kalender, Cantica, Gebete, das Totenoffizium und eine Litanei sowie ein außergewöhnlich vielfältiges Bildprogramm. Ganzseitige Miniaturen, historisierte Kalenderszenen, prachtvolle Incipit-Seiten, Gold und leuchtende Farben verwandeln die persönliche Lektüre in höfische Andacht. Der Codex gehört zu den frühesten und bedeutendsten deutschen Prachtpsaltern für hochrangige Laien und zu den Schlüsselwerken der Buchmalerei am Beginn des 13. Jahrhunderts. Seine Seiten verbinden fürstliche Repräsentation mit den persönlichen Rhythmen von Gebet, Erinnerung und Kirchenjahr.

Ein Psalter für den Thüringer Hof

Der Elisabeth-Psalter entstand vor 1208 für den Hof des Landgrafen Hermann I. von Thüringen. Die Forschung sieht in seiner Gemahlin Sophia die ursprüngliche Empfängerin. Der vertraute Name verweist dagegen auf die spätere Verbindung der Handschrift mit ihrer Schwiegertochter, der heiligen Elisabeth von Thüringen. Diese Unterscheidung ist wesentlich: Zunächst gehört der Codex in die anspruchsvolle Literatur- und Frömmigkeitskultur des Thüringer Landgrafenhofes.

Hermann I. zählte zu den bedeutenden Förderern der deutschen höfischen Dichtung. In diesem Umfeld war der Psalter nicht nur liturgischer Text, sondern zugleich Bildungsbuch, persönliches Gebetbuch und repräsentativer Besitz. Das handliche Format, das feine Pergament und die kostbare Ausstattung entsprachen der Andacht einer hochrangigen Laienfrau zwischen Hof und Kapelle.

Bilder durchziehen das gesamte Buch

Die 173 Blätter enthalten neben den Psalmen einen Kalender, Cantica, Gebete, das Totenoffizium, das Athanasianische Glaubensbekenntnis und eine Litanei. Der Buchschmuck verteilt sich in ungewöhnlicher Vielfalt über den gesamten Band. Kalenderseiten, ganzseitige Miniaturen, kleinere Erzählszenen, Zierincipits und historisierte Initialen erzeugen wechselnde visuelle Rhythmen.

Goldgründe und intensive Farben verleihen den Bildern feierlichen Glanz. Figuren, Gewandlinien und ausdrucksstarke Gesten weisen zugleich auf jene kantige Bewegtheit voraus, die später den deutschen Zackenstil prägen sollte. Das Bildprogramm eröffnet nicht nur die Psalmen, sondern führt durch Heilsgeschichte, Jahreslauf und beispielhafte Formen christlichen Lebens.

Lesen, Sehen und Erinnern

Ein Psalter gehörte zu den am häufigsten benutzten Büchern mittelalterlicher Frömmigkeit. Seine Texte begleiteten Gebetszeiten, persönliche Betrachtung, Buße, Krankheit und Totengedenken. In dieser Handschrift helfen Bilder und geschmückte Anfänge der Leserin, sich zu orientieren, Worte mit Szenen der Heilsgeschichte zu verbinden und geordnet durch das Jahr zu schreiten. Der Kalender verzeichnet nicht nur Festtage: Seine Darstellungen machen Zeit sichtbar und verknüpfen den wiederkehrenden Lauf der Jahreszeiten mit dem wiederkehrenden Rhythmus des Gottesdienstes.

Die Vielfalt des Schmucks eröffnet unterschiedliche Formen der Aufmerksamkeit. Eine monumentale Miniatur lädt zu längerem Betrachten ein; eine historisierte Initiale verdichtet eine Erzählung in den Anfang eines Textes; eine ornamentale Seite kündigt einen wichtigen Abschnitt durch Farbe und Gold an. Seine Pracht dient dem Gebrauch: Schönheit unterstützt Erinnerung, Orientierung und Andacht.

Besonders aufschlussreich sind die deutschen Elemente. Sie zeigen, dass der Band trotz seiner überwiegend lateinischen Texte nicht nur für geistliche Spezialisten bestimmt war. Beischriften und Anweisungen konnten einer hochrangigen Laienfrau und ihrem Umfeld den Zugang erleichtern.

Die spätere Verbindung mit der heiligen Elisabeth zeigt zudem, wie Handschriften neue Identitäten gewinnen. Eine verehrte Besitzerin oder erinnerte Beziehung kann die Wahrnehmung eines Codex lange nach seiner Entstehung verändern. Der Psalter ist daher zugleich Zeugnis von Sophias höfischer Frömmigkeit und Träger der späteren Erinnerung an Elisabeth.

Sophia, Elisabeth und weibliche Frömmigkeit

Für die Geschichte weiblicher Lektüre besitzt der Codex besondere Bedeutung. Er zeigt, wie Bibeltext, Gebet, Bild und volkssprachliche Hilfen gelehrte religiöse Kultur für eine adelige Laienleserin erschließen konnten. Neben dem vorherrschenden Latein stehen deutsche Bildbeischriften und eine Gebetsanweisung – deutliche Spuren praktischer Nutzung außerhalb rein geistlicher Kreise.

Die spätere Verbindung mit der heiligen Elisabeth verlieh dem Buch zusätzliche Aura. Seine eigentliche historische Bedeutung liegt jedoch in der Hofkultur, die es hervorbrachte. Der ***Elisabeth-Psalter*** ist eines der frühesten großen deutschen Bücher adeliger Laienfrömmigkeit – ein Werk, in dem fürstliche Förderung, weibliche Schriftkultur und die neue erzählerische Kraft der Buchmalerei um 1200 zusammenfinden.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Saint Elizabeth Psalter
Salterio di Santa Elisabetta
Umfang / Format
346 Seiten / 22,5 × 17,0 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
1201–1208
Stil
Sprache
Schrift
Gotische Textualis
Buchschmuck
12 illuminierte Kalenderseiten, 15 ganzseitige und 7 kleinere Miniaturen, 4 prachtvolle Incipit-Seiten, 6 reich illuminierte Textseiten, 3 historisierte Initialen, 1 bewohnte Initiale, 1 ganzseitige Zierinitiale, zahlreiche kleinere Zierinitialen
Auftraggeber
Hermann I. von Thüringen und Sophia von Wittelsbach
Vorbesitzer
Möglicherweise Hl. Elisabeth von Thüringen

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Faksimile-Editionen

#1 Salterio di Santa Elisabetta : Facsimile del Ms. CXXXVII del Museo Archeologico Nazionale di Cividale del Friuli

Lito Immagine Editore – Udine, 2022

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Lito Immagine Editore – Udine, 2022
Limitierung: 1000 Exemplare
Kommentar: 1 Band von Claudio Barberi
Sprache: Italienisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Veröffentlicht unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Kulturerbe und kulturelle Aktivitäten, Regionalaufsicht für Kulturerbe und kulturelle Aktivitäten Friaul-Julisch Venetien.
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(unter 1.000€)
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