Ingeborg-Psalter

Ingeborg-Psalter – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. 9 olim 1695 – Bibliothèque et Archives du Château (Chantilly, Frankreich)

Nordfrankreich — Um 1200

Das wertvolle Hochzeitsgeschenk für die dänische Prinzessin Ingeborg und spätere unglückliche Königin von Frankreich: Die Geschichten des Alten Testaments in goldenen Miniaturen der Übergangszeit von der Romanik zur Gotik

  1. Ein Hochzeitsgeschenk für Ingeborg, eine dänische Prinzessin, die König Philipp II. 'Augustus' von Frankreich heiraten sollte (1165–1223)

  2. 27 goldleuchtende Miniaturseiten, welche meist zwei Szenen Ăźbereinander zeigen, schildern die wichtigsten Begebenheiten aus dem Leben Abrahams und Mose

  3. Der neue Stil der Miniaturen hat die Buchmalerei der beginnenden Gotik stark beeinflusst

Ingeborg-Psalter

Ausgabe bei uns verfĂźgbar!
Preiskategorie: €€€
(3.000€ - 7.000€)
  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (2)
Beschreibung
Ingeborg-Psalter

Ein prachtvolles Hochzeitsgeschenk, das seiner Besitzerin aber kein Glück bringen konnte: Ingeborg, eine dänische Prinzessin, sollte König Philipp II. August von Frankreich (1165–1223) heiraten. Doch unmittelbar nach der Hochzeit 1193 verstieß sie der König aus unbekannten Gründen, was zu einer jahrelangen Auseinandersetzung um die Annulierung der Ehe führte. Das schwierige Geschick Ingeborgs kann den Glanz der frühgotischen Werkes jedoch in keiner Weise trüben: 27 goldleuchtende Miniaturseiten zeigen meist zwei Szenen übereinander und geben die wichtigsten Begebenheiten aus dem Leben Abrahams und Moses’ sowie andere biblische Schlüsselszenen wieder. Der neue Stil der Miniaturen, der sich in der z. T. plastisch hervortretenden Figurgestaltung auswirkt, hat die Buchmalerei der beginnenden Gotik stark beeinflusst. Ein wirklich königliches Hochzeitsgeschenk am Übergang der Romanik zur Gotik.

Der Ingeborg-Psalter

In den letzten Jahrzehnten des ausgehenden 12. Jahrhunderts wird in Paris und seinen umliegenden Provinzen eine Hochblüte künstlerischen Schaffens erreicht. In diese Zeit des Umbruchs und Stilwandels fällt, wenige Jahre vor 1200, die Entstehung einer der bedeutendsten und prachtvollsten Handschriften der beginnenden Gotik, des Ingeborg-Psalters. Seine erste Besitzerin war die Gemahlin König Philipps II. August von Frankreich, die dänische Prinzessin Ingeborg, die von ihrem Gatten unter heute noch ungeklärten Umständen bereits kurz nach der Hochzeit verstoßen wurde.

Ein biblisches Bilderbuch

Der eigentliche Psalter wird mit einer reich verzierten Beatus-Initiale eingeleitet. Der Text der 150 Psalmen ist in einer Luxusbuchschrift, der sogenannten „littera psalteralis“, geschrieben.
Buchgeschichtlich bildet dieser Handschriftentypus die Vorstufe zum eigentlichen Stundenbuch, dessen Blüte wir dann im „Livre d’heures“ der flämischen Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts erleben. Alle Anfänge der Psalmen und anderer Texte sind durch Initialen ausgezeichnet; die meisten von ihnen sind ornamental. Zu einigen Psalmen gibt es größere figürliche Initialen mit der Darstellung von Szenen aus dem Leben Davids.

51 goldene Miniaturen

Seine eigentliche Bedeutung verdankt der Ingeborg-Psalter jedoch der ungewÜhnlichen Pracht seiner zahlreichen Miniaturen, die sich durch entscheidende stilistische Neuentwicklungen von seinen romanischen Vorgängern abheben und fßr die zukßnftige gotische Buchmalerei von prägender Bedeutung werden.
Auf 27 Miniaturseiten, welche meist zwei Szenen übereinander zeigen, sind die wichtigsten Begebenheiten aus dem Leben Abrahams und Moses’ dargestellt. Daran schließen sich nach der Wurzel Jesse, welche die Verbindung zwischen Altem und Neuem Testament betont, Miniaturen mit Themen aus dem Leben Jesu, von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt, anschließend Pfingsten, Jüngstes Gericht, Marientod und -krönung und Szenen aus der Theophiluslegende.
In diesem im Mittelalter sehr verbreiteten Epos vom SĂźnder Theophilus, der sich dem Teufel verschreibt und von Maria gerettet wird, begegnen wir zum ersten Mal dem Faust-Motiv.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Ingeborg Psalter
Umfang / Format
400 Seiten / 30,4 × 20,4 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
Um 1200
Stil
Sprache
Buchschmuck
27 Miniaturseiten, die meist zwei Ăźbereinander liegende Szenen im Register zeigen
Inhalt
Kalender, Buch der Psalmen und AuszĂźge aus anderen biblischen Texten
Auftraggeber
Bischof Stefan von Tournai (1132–1203, Bischofsweihe 1192) oder Eleonore von Vernandois, Gräfin von Beaumont-sur-Oise (1152–1213)
KĂźnstler / Schule
Vorbesitzer
Ingeborg von Dänemark, Königin von Frankreich (1174–1237)
König Ludwig IX. von Frankreich (1214–70)
König Karl V. von Frankreich (1338–80)
Graf von Lignac
Herzog von Aumale

VerfĂźgbare Faksimile-Editionen:
Ingeborg-Psalter – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. 9 olim 1695 – Bibliothèque et Archives du Château (Chantilly, Frankreich)
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1985
Limitierung: 500 Exemplare

Ingeborg-Psalter – Ars Millenii – Ms. 9 olim 1695 – Bibliothèque et Archives du Château (Chantilly, Frankreich)
Ars Millenii – Madrid, 2001
Limitierung: 120 Exemplare
Detailbild

Ingeborg-Psalter

Die Taufe Jesu

Diese romanische Miniatur zeigt byzantinische Einflüsse, z. B. gibt der goldene Hintergrund der Szene ein Gefühl des Göttlichen, gleichsam als ob sie aus Zeit und Raum herausgehoben wäre: „In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden." (Mk 1, 9-11)

Ingeborg-Psalter – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. 9 olim 1695 – Bibliothèque et Archives du Château (Chantilly, Frankreich)
Einzelseite

Ingeborg-Psalter

Der Baum Jesse

Diese ganzseitige Miniatur, die den Stammbaum Jesu Christi versinnbildlicht, ist ein wunderbares Exemplar aus diesem Manuskript, das Romanik und Gotik miteinander verbindet. Sie steht dem Matthäusevangelium voran, das den Stammbaum Christi enthält. Dieses fein gearbeitete symmetrische Bild wird von seinem polierten Goldgrund mit einer herrlichen Palette von Primärfarben dominiert.

Jesus ist natĂźrlich oben in einer Mandorla abgebildet, unter ihm ist die Jungfrau Maria mit einem Buch in der Hand zu sehen. Die beiden gekrĂśnten Musiker sind David, erkennbar an seiner Harfe, und Abraham. Wie immer ist Jesse an der Wurzel des Baumes ruhend abgebildet. Die Engel und Tauben sind ein Symbol fĂźr die Gegenwart und Inspiration, die der Heilige Geist den alttestamentlichen Propheten verlieh, die am Rand der Abbildung zu erkennen sind.

Ingeborg-Psalter – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. 9 olim 1695 – Bibliothèque et Archives du Château (Chantilly, Frankreich)
Faksimile-Editionen

#1 Der Ingeborg-Psalter

Details zur Faksimile-Edition:

Limitierung: 500 Exemplare
Einband: Leder, dem Charakter der Handschrift entsprechend. Alle Blätter sind dem Original entsprechend beschnitten.
Kommentar: 1 Band (218 Seiten) von Florens Deuchler
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht mĂśglicherweise nicht dem ursprĂźnglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Ausgabe bei uns verfĂźgbar!
Preiskategorie: €€€
(3.000€ - 7.000€)

#2 Salterio de Ingeborg

Ars Millenii – Madrid, 2001

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Ars Millenii – Madrid, 2001
Limitierung: 120 Exemplare
Einband: Hellbrauner Veloursledereinband mit Blindprägung
Kommentar: 1 Band (218 Seiten) von Florens Deuchler
Sprache: Spanisch
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht mĂśglicherweise nicht dem ursprĂźnglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Ausgabe bei uns verfĂźgbar!
Preiskategorie: €
(unter 1.000€)
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