Index Librorum Prohibitorum

Index Librorum Prohibitorum Faksimile

Officina Salviana, Rom (Italien) — 1559

Tausende von Büchern als Gefährdung für die Gläubigen in den Augen der Kirche: Die nur den standfesten Klerikern erlaubte Literatur von der "Liste der verbotenen Bücher"

  1. Der Index wurde erstmals 1557 von Papst Paul IV. (1476-1559) herausgegeben und umfasste bis 1559 bereits Tausende von Titeln

  2. Gemeinsam war den verbotenen Werken ihre theologische, kulturelle oder politische Brisanz

  3. Die zuletzt 1948 aktualisierte Liste wurde von Papst Paul VI. (1897-1978) am 14. Juni 1966 endgültig abgeschafft

Index Librorum Prohibitorum

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Index Librorum Prohibitorum

Bereits während des gesamten Mittelalters hatte die katholische Kirche zahlreiche Bücher verboten oder es zumindest versucht, doch mit der Erfindung des Buchdrucks vermehrten sich ketzerische und anderweitig unerwünschte Werke, was die Kirche zu stärkeren Maßnahmen veranlasste. Der Index Librorum Prohibitorum oder "Liste der verbotenen Bücher" war eine Sammlung von Literatur, die der durchschnittliche Katholik nicht lesen durfte. Nur Kleriker und Intellektuelle, die in der Lage waren, diese Texte zu interpretieren, ohne von ihnen korrumpiert zu werden, durften sie mit offizieller Erlaubnis studieren. Erstmals 1557 auf Geheiß von Papst Paul IV. herausgegeben, umfasste die Liste bis 1559 Tausende von Titeln und wurde bis 1948 immer wieder neu aufgelegt. Zu diesen Texten gehörten theologisch, kulturell oder politisch störende Bücher von Autoren wie Johannes Kepler und Immanuel Kant. Sie wurde schließlich am 14. Juni 1966 von Papst Paul VI. abgeschafft.

Index Librorum Prohibitorum

Wissen ist Macht, aber es kann auch gefährlich sein, so lautete zumindest die Begründung für das jahrhundertelange Verbot von Texten, die als ketzerisch, unmoralisch oder anderweitig gegen die Lehren der katholischen Kirche gerichtet galten. Damit hatten die kirchlichen Vertreter nicht ganz unrecht: Einige der beliebtesten frühen Druckwerke behandelten Themen wie Hexen und Vampire, was zu Hysterie und Hexenprozessen führte. Auch im Zuge der Reformation und verschiedener religiöser Konflikte, die im Dreißigjährigen Krieg gipfelten, kam es zu weit verbreiteter Gewalt.
Werke, die die offiziellen Positionen der katholischen Kirche direkt in Frage stellten, seien es die Schriften protestantischer Theologen wie Luther und Calvin, der Heliozentrismus von Kopernikus, Kepler und Galileo oder manche der philosophischen Schriften Kants, wurden offiziell verboten. Viele protestantische Gelehrte standen generell auf der schwarzen Liste, selbst diejenigen, die über Themen schrieben, die nichts mit religiösen Dogmen zu tun hatten. Jeder weltliche oder religiöse Text, der zwischen der Mitte des 17. und der Mitte des 20. Jahrhunderts als problematisch erachtet wurde, wurde in den Index Librorum Prohibitorum aufgenommen und gläubigen Katholiken wurde die Lektüre untersagt, mit Ausnahme der Gelehrten, die als weise genug erachtet wurden, um ihn "gefahrlos" zu studieren. Die Erstausgabe von 1559, die nach Paul IV. als Paulinischer Index bezeichnet wird, wird hier vorgestellt.

Die Ursprünge der Liste der verbotenen Bücher

Die Kirche versuchte im Mittelalter, verschiedene als ketzerisch angesehene Bücher zu verbieten, aber es waren vor allem die Knappheit und die Kosten der Bücher, die diese ohnehin vor allem auf den Klerus beschränkten. Mit der Erfindung des Buchdrucks gelangten Bücher jedoch auch in die Hände von Laien, und es mussten Maßnahmen ergriffen werden, um sie vor "gefährlichem" Wissen zu "schützen". Der ursprünglich 1557 eingeführte Index wurde aus unbekannten Gründen bald wieder zurückgezogen, bevor 1559 ein neuer Index veröffentlicht wurde, der neben Hunderten von einzeln Titeln auch das Gesamtwerk von etwa 550 Autoren verbot. Viele Menschen, darunter Mitglieder katholischer intellektueller Kreise, waren jedoch der Meinung, dass die Zensoren ihre Aufgabe zu eifrig erfüllten, und nach dem Konzil von Trient wurde 1564 der gemäßigtere Tridentinische Index verkündet, der bis zum Index Leonianus von 1897 Papst Leo XIII. (1810-1903) als Grundlage für alle späteren Listen diente.

Wer entschied, welche Bücher verboten wurden?

Im Jahr 1571 wurde eine Kongregation, die Indexkongregation gegründet, deren Aufgabe es war, verbotene Texte zu recherchieren, die Liste regelmäßig zu aktualisieren und die Werke zu identifizieren, die von der Liste gestrichen werden konnten, wenn bestimmte Korrekturen an ihnen vorgenommen wurden; diese Werke wurden deshalb zuvor als donec corrigatur oder "verboten, bis sie korrigiert wurden" bezeichnet. Diese Gruppe trat mehrmals im Jahr zusammen, um verschiedene Werke zu prüfen und zu diskutieren, und dokumentierte diese Diskussionen. Zwischen diesen Treffen wurden die einzelnen Werke von zwei Klerikern geprüft, die ihre Ergebnisse vortrugen, und die Gruppe entschied gemeinsam, ob die Werke in die Liste aufgenommen werden sollten oder nicht. Das endgültige Urteil oblag dem Papst, der anhand der Aufzeichnungen dieser Diskussionen entschied. Werke, die zuvor in den Index aufgenommen worden waren, konnten später wieder gestrichen werden. Beispielsweise wurde in der Ausgabe von 1758 das Verbot von Werken aufgehoben, die für ein heliozentrisches Modell des Universums plädierten.

Die späteren Ausgaben

Nach der Aktualisierung der Liste im Jahr 1897 wurden die nachfolgenden Ausgaben nuancierter und differenzierter: Anstatt Autoren zu verbieten oder nicht zu verbieten, wurden sie nach ihrem vermeintlichen Schädlichkeitsgrad eingestuft und einzelne Passagen zur Korrektur angegeben, anstatt ganze Bücher anzuprangern. Einzelne Bücher wurden weiterhin in den Index aufgenommen, bis die letzte Ausgabe im Jahr 1948 mit insgesamt 4000 Titeln veröffentlicht wurde **, von denen die meisten deshalb zensiert wurden, weil sie häretisch, moralisch mangelhaft oder offenkundig sexuell anstößig waren. Die Indexkongregation wurde 1917 mit dem Heiligen Offizium zusammengelegt und heißt jetzt **Dikasterium für die Glaubenslehre. Als der Index 1966 endgültig abgeschafft wurde, geschah dies nicht, weil die Kirche der Meinung war, dass er seine moralische Kraft als Leitfaden zum Schutz der Christen vor einer Gefährdung ihres Glaubens oder ihrer Moral nicht mehr besaß, sondern weil die Kirche erkannte, dass sie einfach nicht mehr die Macht besaß, um ein solches Verbot durchzusetzen.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Pauline Index
Herkunft
Italien
Datum
1559
Sprache
Inhalt
Verzeichnis der als häretisch eingestuften Autoren und Bücher
Auftraggeber
Papst Paul IV.

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Index Librorum Prohibitorum – Houghton Library (Cambridge, USA) Faksimile
Houghton Library – Cambridge, 1980
Limitierung: 600 Exemplare
Faksimile-Editionen

#1 Index Librorum Prohibitorum. 1559.

Houghton Library – Cambridge, 1980

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Houghton Library – Cambridge, 1980
Limitierung: 600 Exemplare
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. 300 der 600 Exemplare dieses Faksimiles wurden am 26. Juni 1980 in der Houghton Library an Mitglieder der Rare Books & Manuscripts Section der Association of College and Research Libraries übergeben. Die 300 weiteren Exemplare wurden für den Handel gedruckt.
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