Miroslav Evangelistar

Miroslav Evangelistar – AIZ Dosije – MS 1536 – Serbisches Nationalmuseum (Belgrad, Serbien)

Bosnien und Herzegowina — Zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts

Seit 2005 UNESCO-Weltdokumentenerbe: 296 leuchtende Initialen und Miniaturen vereinen byzantinische Bildtradition und romanischen Westen zu einem Hauptwerk serbischer Buchkunst

  1. In den 1180er-Jahren für Fürst Miroslav von Hum als monumentales liturgisches Evangelistar auf Pergament geschaffen

  2. Mit 296 gemalten und vergoldeten Initialen und Miniaturen voller Heiliger, Tiere, Ranken und fantastischer Mischwesen

  3. Ältestes erhaltenes reich illuminiertes serbisches Kyrillisch-Manuskript und seit 2005 UNESCO-Weltdokumentenerbe

Miroslav Evangelistar

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (2)
Beschreibung
Miroslav Evangelistar

Zwischen romanischer Bildfreude und byzantinischer Liturgie entfaltet das Miroslav-Evangelistar serbische Buchkunst des 12. Jahrhunderts. Für Fürst Miroslav von Hum, Bruder Stefan Nemanjas, geschaffen, ordnet es Lesungen aus allen vier Evangelien nach dem orthodoxen Kirchenjahr. Der auf Pergament in kräftiger kyrillischer Schrift geschriebene Codex gehört zu den ältesten und bedeutendsten Zeugnissen serbischer Sprache und Schriftkultur. Seine 296 gemalten und vergoldeten Initialen und Miniaturen bevölkern die Seiten mit Evangelisten, Heiligen, Tieren, Ranken und fantasievollen Mischwesen. Dabei begegnen sich die ornamentale Tradition der orthodoxen Slawen, byzantinische Bildvorstellungen und Einflüsse romanischer Werkstätten Mittelitaliens. Kaum ein anderes südslawisches Manuskript verbindet liturgische Funktion, monumentale Schrift und erzählerischen Buchschmuck so unverwechselbar. Seit 2005 zählt das nahezu vollständig erhaltene Werk zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Ein Fürstenauftrag für das Kirchenjahr

Das in den 1180er-Jahren entstandene Miroslav-Evangelistar wurde für Fürst Miroslav von Hum geschaffen, den Bruder des serbischen Großžupans Stefan Nemanja. Wahrscheinlich war der monumentale Codex für die von Miroslav gestiftete Kirche der Heiligen Peter und Paul in Bijelo Polje bestimmt. Schon sein kostbares Pergament, das großzügige Format und die reiche Vergoldung machen den Anspruch eines fürstlichen Auftrags sichtbar.

Als Evangelistar enthält die Handschrift nicht den fortlaufenden Text der vier Evangelien. Sie versammelt vielmehr jene Abschnitte, die während der Gottesdienste im Verlauf des orthodoxen Kirchenjahres vorgelesen wurden. Beginnend mit den Osterlesungen führt sie durch Sonntage, Festtage und besondere liturgische Anlässe. So verbindet das Buch die Botschaft der Evangelien mit dem Rhythmus des kirchlichen Jahres.

Monumentale Schrift und serbische Sprachgeschichte

Der Text ist in zwei Spalten mit der Feder geschrieben, überwiegend in dunkler Tinte, während Überschriften und liturgische Hinweise rot hervortreten. Die feierliche kyrillische Schrift verleiht selbst dicht beschriebenen Seiten große Ruhe und Klarheit. Sprachlich gehört das Werk zum Altkirchenslawischen serbischer Redaktion und dokumentiert eine entscheidende Entwicklungsstufe der Raška-Orthografie.

Damit ist das Evangelistar nicht nur ein liturgisches Buch, sondern ein Grunddokument serbischer Schrift- und Sprachgeschichte. Seine Schreibweisen, Lautformen und sorgfältige Textgliederung reichen in ihrer Bedeutung weit über das mittelalterliche Serbien hinaus. Eine Notiz am Ende nennt den Diakon Gligorije, der als Schreiber oder Miniator an der Entstehung beteiligt gewesen sein dürfte.

296 Bilder, Initialen und fantastische Wesen

Der außergewöhnliche Ruhm des Codex beruht auf seinen 296 gemalten und vergoldeten Initialen und Miniaturen. Große Anfangsbuchstaben wachsen zu Ranken, Palmetten und Flechtbändern aus; in ihnen erscheinen Evangelisten, Heilige, Herrscher, Musikanten und alltägliche Figuren. Löwen, Vögel, Drachen und Mischwesen beleben die Buchstaben und machen jede neue Lesung zu einem visuellen Ereignis.

Die Bilder sind nicht bloß ornamentale Zugaben. Figuren, Gesten und Tiermotive reagieren häufig auf den benachbarten Evangelientext und eröffnen zusätzliche Deutungsebenen. Schrift und Bild verschmelzen zu einer kunstvollen Liturgie auf Pergament, in der das heilige Wort buchstäblich von lebendiger Schöpfung umgeben ist.

Zwischen Byzanz und romanischem Westen

Die Ausstattung verbindet mehrere künstlerische Welten. Die liturgische Ordnung und viele Bildvorstellungen wurzeln in der byzantinisch-orthodoxen Tradition. Zugleich erinnern Figurenstil, kräftige Konturen und einzelne Ornamentformen an romanische Handschriften aus Mittelitalien. Der Codex bezeugt damit eindrucksvoll, wie offen die Adriaküste und der Balkan für den Austausch zwischen Ost und West waren.

Diese Verbindung wirkt keineswegs wie ein Nebeneinander entlehnter Formen. Aus byzantinischer Spiritualität, slawischer Schriftkultur und romanischer Erzählfreude entsteht eine vollkommen eigenständige Bildsprache. Sie prägte die weitere Entwicklung südslawischer Handschriften und macht das Evangelistar zu einem Schlüsselwerk mittelalterlicher Buchkunst.

Ein nahezu vollständig bewahrtes Nationalheiligtum

Der Codex umfasst ursprünglich 181 Pergamentblätter; ein im 19. Jahrhundert abgetrenntes Blatt befindet sich heute in Sankt Petersburg, während der Hauptbestand im Nationalmuseum in Belgrad verwahrt wird. Trotz seiner bewegten Geschichte hat sich das Werk nahezu vollständig erhalten.

Seit 2005 gehört das Miroslav-Evangelistar zum UNESCO-Register „Memory of the World“. Seine einzigartige Verbindung aus Evangelientext, serbischer Frühschrift und 296 leuchtenden Bildschöpfungen macht es zum bedeutendsten erhaltenen Denkmal der mittelalterlichen Buchkultur Serbiens.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Miroslav Gospel
Umfang / Format
360 Seiten / 41,5 × 28,5 cm
Datum
Zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts
Buchschmuck
Fast 300 goldgeschmückte Zierinitialen und einige weitere Illuminationen
Inhalt
Evangelienlesungen in der Reihenfolge des orthodoxen Kirchenjahres
Auftraggeber
Miroslav Zavidović, Fürst von Hum
Künstler / Schule

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Miroslav Evangelistar – AIZ Dosije – MS 1536 – Serbisches Nationalmuseum (Belgrad, Serbien)
Limitierung: 300 Exemplare

Faksimile-Editionen

#1 Miroslav Gospel

Details zur Faksimile-Edition:

Limitierung: 300 Exemplare
Einband: Dunkelbrauner Ledereinband mit Blindprägung, silbernen Beschlägen und zwei Schließen. Faksimile und Kommentarbände kommen in einer schützenden Kassette mit Leder- und Samtbezug und Goldprägung.
Kommentar: 2 Bände von Veljko Topalović und Dušan Mrđenović
Sprache: Englisch

Titel: "The Miroslav Gospel - Divine Providence" und "The Miroslav Gospel - Divine Inspiration".
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €
(unter 1.000€)

#2 Miroslavljevo Jevanđelje : Fototipsko Izdanje

Details zur Faksimile-Edition:

Limitierung: 300 Exemplare
Einband: Dunkelbrauner Ledereinband mit Blindprägung, silbernen Beschlägen und zwei Schließen. Faksimile und Kommentarbände kommen in einer schützenden Kassette mit Leder- und Samtbezug und Goldprägung.
Kommentar: 2 Bände von Veljko Topalović, Dušan Mrđenović, Dejan Medaković, Branka Ivanić, Ljubomir Stojanović, Nikola Rodić, Gordana Jovanović und Vera Radosavljević
Sprachen: Englisch, Serbisch

Titel: "Miroslavljevo jevanđelje - Istorijat" (Serbisch, Vorwort auf Englisch) und "Miroslavljevo jevanđelje - Komentari" (Serbisch und Englisch) .
Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €
(unter 1.000€)
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