Passauer Evangelistar

Passauer Evangelistar Faksimile

Augustinerchorherrenstift St. Nikola, Passau (Deutschland) — Ca. 1170–1180

Romanische und byzantinische Stilelemente wunderbar miteinander verbunden: Ein romanisches Prachtwerk aus Passau mit großen belebten Initialen und glänzenden Miniaturen auf leuchtendem Goldgrund

  1. Eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse der großen Kunst der Skriptorien Passaus

  2. Große historisierte Initialen und Miniaturen verbinden byzantinische Elemente mit dem Stil der Romanik

  3. Überraschende Plastizität zeichnet die Figuren und ihre Kleidungsstücke aus, die mit glänzendem Gold hinterlegt sind

Passauer Evangelistar

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Passauer Evangelistar

Das reich illustrierte Passauer Evangelistar entstand um 1170 bis 1180 im Augustiner Chorherrenstift St. Nikola in der Dreiflüssestadt Passau. Es enthält Textabschnitte aus neutestamentlichen Evangelien für Lesungen an Sonn- und Festtagen des Kirchenjahres. 49 phantasievolle Zierinitialen und acht farbintensive ganzseitige Miniaturen machen die romanische Handschrift zu einem besonderen Zeugnis der Kunstfertigkeit der Passauer Skriptorien. Während vor allem die historisierten Initialen mit kleinen Figuren, Tierchen oder kunstvollen Ranken das Auge des Betrachters erfreuen, sind es die byzantinischen Stilelemente, welche die funkelnden Miniaturen der zwei beteiligten Buchmaler interessant machen.

Das Passauer Evangelistar

Eine ganz besonders schöne Bilderhandschrift der Romanik stammt aus der berühmten Dreiflüssestadt Passau. Um 1170 bis 1180 entstand sie dort im Augustiner Chorherrenstift St. Nikola. In dem Passauer Evangelistar sind Lesungen zu Sonn- und Festtagen des Kirchenjahres zusammengestellt, die aus den neutestamentlichen Evangelien stammen. Auf insgesamt 44 Blatt in einem Format von circa 32,5 x 22,5 Zentimetern befinden sich 49 große Zierinitialen sowie acht ganzseitige Miniaturen. Somit laden auf fast jeder Seite farbintensive Bilder und Initialen den Betrachter zur Versenkung in die biblischen Erzählungen ein. Heute ist die mittelalterliche Handschrift ein authentisches Zeugnis der Kunstfertigkeit und Glaubenstiefe einer vergangenen Epoche.

Strahlende Initialen

Die zahlreichen golden strahlenden Zierinitialen auf farbigem Grund sind so reich und phantasievoll mit kleinen Tierchen, Blüten, Figuren oder kunstvollen Ranken verziert, dass sie selbst wie eigenständige Miniaturen wirken. Besonders spannend sind die historisierten Initialen, bei denen die Figuren entweder ganz konkret den Text der Evangelien illustrieren, oder aber andere kirchliche Festtage zum Thema haben. Wiederum andere dienen einfach nur der Zierde und erfreuen das Auge des Betrachters.

Byzantinische Stilelemente in romanischer Buchmalerei

Insgesamt waren zwei Buchmaler an der Fertigung des Evangelistars beschäftigt, die nach ihren Hauptminiaturen benannt wurden. Der Petrus-Meister und der Ecclesia-Meister schufen die Miniaturen und Initialen lagenweise. Bei beiden zeigt sich die für die romanische Buchmalerei charakteristische plastische Durchbildung von Körper und Gewand. So ist der Stoff nicht nur eine starre Hülle. Er ist so ausgearbeitet, dass er sich sanft um die Figuren legt und einzelne Körperformen hervortreten. Gewandfalten betonen zusätzlich das Körpervolumen.
Byzantinische Stilelemente gelangten über Salzburg in den süddeutschen Raum und fanden auch in dem Passauer Evangelistar ihren Niederschlag. Typisch sind die großflächig angelegten Goldgründe und die Gestaltung der Gesichter sowie des Inkarnats. Die Nasen sind meist lang und haben eine überhängende Spitze. Der starre Blick und der insgesamt strenge Ausdruck sind ebenfalls dem byzantinischen Gesichtstypus verpflichtet. Besondere Ähnlichkeit mit der Darstellung byzantinischer Heiliger weist die kräftige Modellierung der Gesichter mit olivgrünen Schatten, Weißhöhungen und roten Wangenflecken auf.

Passauer Buchmalerei als Rarität

Passauer Skriptorien brachten im 12. Jahrhundert zahlreiche kostbare Handschriften hervor, die von weltlichen wie geistlichen Fürsten gleichermaßen hoch geschätzt wurden. Im Laufe der Jahrhunderte haben jedoch Brände und Erdbeben die einst reiche Überlieferung fast zur Gänze ausgelöscht. Das Passauer Evangelistar ist beinahe das einzige erhaltene Zeugnis für die künstlerisch hochstehende und eigenständige Passauer Buchmalerei aus der romanischen Zeit und damit in ihrem Wert kaum zu überschätzen.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Passau Evangeliary
Gospel of Passau
Pericope Book of Passau
L’Évangéliaire de Passau
Umfang / Format
88 Seiten / 32,5 × 22,5 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
Ca. 1170–1180
Stil
Sprache
Buchschmuck
8 prächtige ganzseitige Miniaturen, 49 oft historisierte Zierinitialen und opulenter Goldschmuck im gesamten Werk
Inhalt
Textabschnitte (Perikopen) der Evangelien für die Lesung an den Sonn- und Feiertagen in der Reihenfolge des Kirchenjahres
Künstler / Schule

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Passauer Evangelistar – Clm 16002 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland) Faksimile
Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2018
Limitierung: 680 Exemplare
Detailbild

Passauer Evangelistar

Darstellung Jesu im Tempel

Gold und Silber dominieren die Szene in dieser außergewöhnlichen romanischen Miniatur: Die Jungfrau Maria präsentiert dem frommen Simeon Jesus, während die Prophetin Hannah einen Korb mit Tauben hält, ein übliches Momentin solchen Szenen und eine Anspielung auf den Heiligen Geist. Blattgold und Blattsilber stehen in der Szene im Vordergrund und werden als Kontrast zueinander verwendet. Die Figuren stehen unter einem bogenförmigen Architekturelement zwischen gesprenkelten Säulen – das war der Versuch des Künstlers, Marmor nachzuahmen.

Das Passauer Evangelistar
Einzelseite

Passauer Evangelistar

Das letzte Abendmahl

Dieses romanische Meisterwerk ist ein Zeugnis des Passauer Scriptoriums und des fortwährenden Einflusses der byzantinischen Kunst, insbesondere im Heiligen Römischen Reich. Der gold-grüne Rahmen hat zusätzlich ein wunderschönes Blattmuster in Hellblau und Pink, abgesehen von der unteren linken Ecke, die grün gemalt ist. Die Szene ist außerdem durch zwei Säulen und einen auf ihnen aufruhenden Bogen als Innenraum erkenntlich.

Die Miniatur wird von Blattgold dominiert, insbesondere von dem im byzantinischen Stil polierten Goldgrund, der bei den Heiligenscheinen mit Silber variiert wird. Ausdrucksstarke Gesichter mit langen, gebogenen Nasen, durchdringenden Augen und kräftigen Gesten sind ebenfalls eindeutig byzantinisch. Judas ist getrennt von den übrigen Aposteln abgebildet: Als er seinen Mund öffnet, um die Eucharistie zu empfangen, schlüpft sogar ein kleiner, böser Geist hinein.

Das Passauer Evangelistar
Faksimile-Editionen

#1 Das Passauer Evangelistar

Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2018

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2018
Limitierung: 680 Exemplare
Einband: Entsprechend dem Originaleinband aus dem 12. Jahrhundert in Halbseide gebunden, die ein Muster aus Löwen- und Pfauenpaaren in Rautenfeldern trägt. Die Faksimile-Edition kommt in einem Schuber aus Acrylglas.
Kommentar: 1 Band von Karl-Georg Pfändtner
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Der heutige Einband stammt aus einer späteren Zeit. Der Stoffeinband wurde mit Hilfe von Spezialisten für historische Stoffe dem Romanischen Vorbild nachempfunden.
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