Passionsgeschichte der Äbtissin Kunegunda

Passionsgeschichte der Äbtissin Kunegunda – Odeon – MS XIV A 17 (Truhlar lat. 2430) – Nationalbibliothek der Tschechischen Republik (Prag, Tschechische Republik)

Prag (Tschechische Republik) — 1313–1321

Ein bedeutendes Monument der tschechischen Kulturgeschichte: Ein wunderbar illuminierter Sammelband aus verschiedenen mystischen Abhandlungen über die Passion, geschmückt mit dem ältesten erhaltenen farbigen Wappen Böhmens

  1. Die Handschrift wurde von einem Prager Kanoniker namens Beneš geschrieben und wahrscheinlich auch illuminiert

  2. Sie ist nach ihrer Auftraggeberin, der Benediktineräbtissin Kunigunde von Böhmen (1265-1321), benannt

  3. Äbtissin Kunigunde war die älteste Tochter von König Ottokar II. von Böhmen (um 1233-1278)

Passionsgeschichte der Äbtissin Kunegunda

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Beschreibung
Passionsgeschichte der Äbtissin Kunegunda

Das Passionale Abbatissae Cunegundis (dt.: Passionale der Äbtissin Kunigunde) entstand in der Zeit zwischen 1312 und 1321. Benannt ist es nach seiner Auftraggeberin, der Benediktineräbtissin Kunigunde von Böhmen, Tochter von König Ottokar II. von Böhmen. Die Handschrift, die heute als Denkmal der tschechischen Kultur gilt, ist eine Anthologie verschiedener mystischer Traktate über die Passion, von denen zwei vom tschechischen Dominikanermönch Kolda von Koldice verfasst wurden. Der Prager Kanoniker und Priester des St.-Georgs-Klosters Beneš wirkte als Schreiber und möglicher Buchmaler der Handschrift, die unter anderem durch die älteste erhaltene farbige Darstellung des böhmischen Wappens bemerkenswert ist.

Passionsgeschichte der Äbtissin Kunegunda

Diese Handschrift mit fünf geistlichen Texten vom Beginn des 14. Jahrhunderts entstand auf Initiative von Kunigunde von Böhmen (1265–1321), einer Angehörigen der Přemysliden-Dynastie und Fürstin von Masowien, die später Äbtissin des St. Georgs-Klosters auf der Prager Burg wurde. Der erste Text wurde ca. 1312 verfasst, die Buchmalerei wurde im folgenden Jahr begonnen, und die Handschrift schließlich um 1321 vollendet. Mit ihren 26 illuminierten Seiten, darunter 5 ganzseitige Miniaturen, ist die künstlerische Ausstattung der Handschrift eines der schönsten Zeugnisse der Buchmalerei der damaligen Zeit.
Es wird vermutet, dass sie das Werk des Kanonikers und Schreibers Beneš ist, der als Priester im St. Georgs-Kloster tätig war. Die naturalistischen Figuren sind in elegante, fließende Gewänder und Strumpfhosen gekleidet, für die eine helle Farbpalette verwendet wurde. Einige der Figuren sind zudem mit goldenen Heiligenscheinen und Kronen ausgestattet. Um daran zu erinnern, dass das Thema, das die fünf Texte dieses handschriftlichen Meisterwerks verbindet, die Passion ist, werden die Arma Christi, die Marterwerkzeuge Christi, in zwei der ganzseitigen Miniaturen eingehend dargestellt.

Buchmalerei von historischer Bedeutung

Die Buchmalerei dieser Handschrift ist nicht nur wegen ihrer außergewöhnlichen Qualität für Kunsthistoriker von Bedeutung, sondern auch, weil sie historisch signifikant ist. Das Widmungsbild, das Äbtissin Kunigunde auf einem Thron mit den Wappen Böhmens und der Přemysliden zeigt, ist die früheste erhaltene farbige Darstellung des heraldischen Emblems von Böhmen, das heute als Kleines Wappen der Tschechischen Republik dient. Außerdem stammt die Handschrift aus einer Zeit, in der die Geschicke Böhmens und des tschechischen Volkes einen Aufschwung erlebten.
Die Přemysliden hatten Böhmen als Herzogtum gegründet und im vorangegangenen Jahrhundert in ein Königreich ausgebaut, doch starb ihre männliche Linie zu Beginn des 14. Jahrhunderts aus, und die letzte Erbin wurde 1310 mit einem Mitglied des Hauses Luxemburg verheiratet. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde Böhmen zu einem Machtzentrum im Heiligen Römischen Reich und Prag entwickelte sich zu einem Zentrum der Kunst und Kultur. Aus diesen Gründen wurde die Handschrift im Jahr 2005 von der tschechischen Regierung zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt.

Das Leben der Patronin

Kunigunde war die älteste Tochter von Ottokar II. von Böhmen (ca. 1233–78) und seiner zweiten Frau Kunigunda von Slawonien (1245–85), nachdem seine erste Ehe annulliert worden war, weil er und seine 26 Jahre ältere Frau keine Kinder zeugen konnten. Ursprünglich war sie mit dem Sohn von König Rudolf I. von Deutschland, dem ersten Habsburger auf dem Thron, verlobt, um durch eine politische Heirat Frieden zwischen den beiden Dynastien zu schaffen, doch die Verlobung wurde nach einem Jahr gelöst, und ihr Bruder Wenzel und ihre Schwester Agnes heirateten schließlich Habsburger, um das Bündnis zu sichern.
Kunigunde konnte tun und lassen, was sie wollte, und nahm den Habit des Ordens der Heiligen Klara in Prag an, wo sie einige Jahre lang glücklich blieb, bis ihr Bruder, der nun König von Böhmen war, sie mit Bolesław II. von Masowien (ca. 1253/58–1313) verheiraten ließ. Die beiden heirateten 1291 und bekamen zwei Kinder, doch obwohl das Bündnis zunächst funktionierte, kam es zwischen Kunigundes Bruder und ihrem Ehemann zu einem Streit um Land. Bolesław zog seine Unterstützung für die Herrschaft von Wenzel zurück und schickte Kunigunde zurück nach Prag. 1302 wurden die beiden geschieden.
Wieder von den ehelichen Verpflichtungen befreit, kehre sie zum religiösen Leben im Kloster St. Georg zurück, dessen Äbtissin sie schließlich wird. Während ihrer Zeit als Äbtissin gab sie die heute berühmte Passionale Abbatissae Cunegundis in Auftrag.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Pasional abatyse Kunhunty
Pasionál Přemyslovny Kunhuty
Passional of Abbess Kunegunda
Umfang / Format
74 Seiten / 30,0 × 25,0 cm
Herkunft
Tschechien
Datum
1313–1321
Stil
Sprache
Schrift
Gotisch Textualis
Buchschmuck
26 Miniaturen und Dutzende Fleuronnée-Initialen
Inhalt
Anthologie aus fünf mystischen Traktaten über die Passion Christi
Auftraggeber
Kunigunde von Böhmen (1265-1321)
Künstler / Schule

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Faksimile-Editionen

#1 Pasionál Přemyslovny Kunhuty = Passionale Abbatissae Cunegundis

Odeon – Prag, 1975

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Odeon – Prag, 1975
Kommentar: 1 Band
Sprache: Tschechisch

Abstracts auf Französisch, Deutsch und Russisch
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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