Ragyndrudis-Codex des Hl. Bonifatius

Ragyndrudis-Codex des Hl. Bonifatius Faksimile

Deutschland — Ca. 720–737

Aus den Händen des Bonifatius und Zeuge seines Martyriums: Ein früher religiöser Codex, mit dem sich Bonifatius gegen die Waffen der heidnischen Friesen vergeblich verteidigte

  1. Der heilige Bonifatius wurde am 5. Juni 754 in der Nähe von Dokkum in Friesland in den heutigen Niederlanden getötet

  2. Die Handschrift, mit der er sich gegen die Angreifer verteidigte, befindet sich heute in Fulda, wo sie als Kontaktreliquie verehrt wird.

  3. Es handelt sich nicht um ein Evangelienbuch, sondern um eine Sammlung von exegetischen, apologetischen und dogmatischen Texten

Ragyndrudis-Codex des Hl. Bonifatius

Bonif. 2 Dom St. Salvator zu Fulda (Fulda, Deutschland)
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Beschreibung
Ragyndrudis-Codex des Hl. Bonifatius

Der Ragyndrudis-Codex des Hl. Bonifatius ist ein früher religiöser Codex, der der Überlieferung nach vom heiligen Bonifatius zur Zeit seines Martyriums benutzt wurde, um die Schwerter und Äxte der Friesen abzuwehren, die ihn am 5. Juni 754 bei Dokkum in Friesland töteten. Der "Heiligenschild" trägt tiefe Schnitte im Originaleinband und auf den Seiten. Er gilt daher als Kontaktreliquie –ein physischer Gegenstand, der durch den Kontakt mit dem Körper einer heiligen Person den Status einer Reliquie erhalten hat. Er ist auch als Ragyndrudis-Codex bekannt, weil eine Inschrift auf Folio 2v besagt: "Zu Ehren unseres Herrn Jesus Christus habe ich Ragyndrudis dieses Buch zusammengestellt". Das Manuskript ist kein Evangelienbuch, sondern stellt eine Sammlung von Texten zur Exegese, Apologetik und Dogmatik dar. Es gehört zu einer Gruppe von drei Manuskripten, von denen man annimmt, dass sie sich im persönlichen Besitz des heiligen Bonifatius befanden und die heute in Fulda aufbewahrt werden.

Ragyndrudis-Codex des Hl. Bonifatius

Der heilige Bonifatius war ein berühmter angelsächsischer Missionar, der eine der wichtigsten Persönlichkeiten bei der Gründung der katholischen Kirche in Deutschland wurde, weshalb er heute als „Apostel der Deutschen“ bekannt ist. Einer in Utrecht verfassten Vita aus dem 10. Jahrhundert zufolge hielt der Heilige bei seinem Martyrium ein Evangelienbuch über den Kopf, um sich – freilich vergeblich – vor den Schwertern und Äxten der heidnischen Friesen zu schützen**. Bei dem fraglichen Manuskript handelte es sich nicht um ein Evangelienbuch, sondern um eine Sammlung religiöser Texte, die für seine Missionstätigkeit nützlich waren, und der Hinweis, dass ein Nagel durch das Buch geschlagen wurde, deutet darauf hin, dass es im Rahmen eines antichristlichen, heidnisch-deutschen Rituals an einen Baum genagelt wurde. In jedem Fall diente der Codex, der auch als Codex Bonifatianus II bekannt ist, als Schild des Heiligen und hat den Status einer Kontaktreliquie, die heute ein Publikumsmagnet des Fuldaer Domschatzes ist.

Das Leben des heiligen Bonifatius

Bonifatius wurde um 675 in Crediton in England geboren und war Missionar, Reformator der fränkischen Kirche und eine der Schlüsselfiguren beim Zustandekommen des Bündnisses zwischen dem Papsttum und der karolingischen Dynastie. Viele der von ihm gegründeten oder vorgeschlagenen Diözesen bestehen noch heute, und er gilt aufgrund seiner Missionstätigkeit als ein Hersteller der Einheit Europas. Die modernen deutschen Katholiken betrachten ihn als Patron neben dem Erzengel Michael, und 2019 wurde er zum Schutzpatron von Devon erklärt, der englischen Grafschaft, in der er geboren wurde. Das dramatischste Ereignis seiner Missionstätigkeit war das Fällen der Donar-Eiche, eines im deutschen Heidentum gefürchteten Baumes, der jedoch tatsächlich von einem starken Wind umgeworfen wurde, nachdem Bonifatius begonnen hatte, ihn mit einer Axt zu fällen. Dies veranlasste die Einheimischen dazu, zum Christentum überzutreten. Jahrzehnte später, im Jahr 574 (der Überlieferung nach am Morgen des 5. Juni), wurde der siebzigjährige Missionar zusammen mit seiner etwa 50-köpfigen Truppe in Friesland getötet. Die Angreifer stellten enttäuscht fest, dass seine Truhen nicht mit Gold und Silber, sondern mit – Büchern gefüllt waren, die sie im Zorn weitgehend zerstörten. Dieses Manuskript war angeblich eines von nur drei, die am Ort des Massakers gefunden wurden. Die sterblichen Überreste des Bonifatius wurden zunächst nach Utrecht, dann nach Mainz und schließlich nach Fulda gebracht, wo er noch heute begraben ist.

Die Arbeit von Ragyndrudis

Eine große Hilfe für die Forscher ist die Tatsache, dass es sich um eine der seltenen mittelalterlichen Handschriften handelt, die von ihrem Verfasser signiert wurde, in diesem Fall von jemandem mit dem etwas sperrigen Namen Ragyndrudis. Leider ist es nie gelungen, sie zu identifizieren, aber eine Laienfrau namens Ragyndrugis, die durch Heirat mit der Abtei Saint Bertin in Saint-Omer, Frankreich, verbunden war, wurde als wahrscheinlichste Kandidatin vermutet. Der Text ist in einer Minuskel geschrieben, die aus der Abtei Luxeuil aus dem späten 7. oder frühen 8. Jahrhundert stammt; es gibt auch Glossen aus dem 8. Jahrhundert, die in einer angelsächsischen Handschrift verfasst sind. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Handschrift aus der Abtei Corbie in der Picardie in Nordfrankreich stammt, die von Mönchen aus Luxeuil gegründet wurde und Schreiber von den britischen Inseln hatte, die mit ihren Kollegen vom Kontinent zusammenarbeiteten. Insgesamt enthält das Manuskript 14 Texte zu Exegese, Apologetik und Dogmatik, darunter Werke des Ambrosius von Mailand und Isidors von Sevilla.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Codex Bonifatianus II
Ragyndrudis Codex
Umfang / Format
286 Seiten / 28,5 × 19,0 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
Ca. 720–737
Sprache
Schrift
Luxeuil Minuskel

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Parzellers Buchverlag – Fulda, 1994
Limitierung: 500 Exemplare
Faksimile-Editionen

#1 Der Ragyndrudis-Codex des Hl. Bonifatius

Parzellers Buchverlag – Fulda, 1994

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Parzellers Buchverlag – Fulda, 1994
Limitierung: 500 Exemplare
Kommentar: 1 Band von Lutz E. Padberg und Hans-Walter Stork
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion der ff. 98/99 and 116/117 des Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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