Stil: Karolingisch

Die karolingische Renaissance: Kaiserliche Pracht aus der Hof- und Palastschule Kaiser Karls des Großen
Zum Blogbeitrag

Karolingische Buchmalerei

Von den Geheimnissen der Sterne

Die karolingische Renaissance (ca. 780-ca. 900) wurde von Kaiser Karl dem Großen (742-814), dem Begründer eines Nachfolgestaats des Weströmischen Reichs, auf den Weg gebracht und war die erste von drei „Erneuerungsbewegungen“, die in der italienischen Renaissance des 14. Jahrhunderts ihren vollendetsten Ausdruck fand. Sie ist benannt nach Karl dem Großen, von zeitgenössischen Chronisten auch Karolus genannt, der Ordnung und Stabilität im lateinischen Europa herstellte, Klöster in seinem Reich und Skriptorien an seinem Hof gründete, und darüber hinaus unter den fränkischen Adeligen und Kirchenfürsten eine Kultur der Kunstförderung etablierte.

Durch das Zusammenführen von irischen, angelsächsischen und byzantinischen Gelehrten an seinem Hof – Alkuin von York (ca. 735-804) war einer davon – bündelte er nicht nur die führenden Köpfe seiner Zeit, sondern beförderte auch die Verschmelzung verschiedener Kunsttraditionen. Eine Leistung dieser Gelehrten-Kollaboration war die Schaffung einer einheitlichen Schrift für das Reich, die sogenannte karolingische Minuskel, die die Grundlage unserer modernen Schrift ist.

Die karolingische Buchmalerei entstand um ca. 780 in den Hof- und Palastschulen Karls des Großen und bestand bis ins 10. Jahrhundert. Sie brachte solch unvergleichliche Prachthandschriften wie das Lorscher Evangeliar hervor, das an Kostbarkeit und Kunstfertigkeit kaum zu überbieten ist. Sie verbindet die Dynamik der insularen Kunst mit der monumentalen und symbolträchtigen Ästhetik der spätantiken und byzantinischen Kunst, wodurch eine Kontinuität mit Rom als auch ein Verweis auf den Beginn einer neuen Zeit zum Ausdruck gebracht wurden. Die ottonischen, romanischen und gotischen Kunsttraditionen haben allesamt ihre Wurzeln in der karolingischen Kunst und dürfen als ihre Nachfahren gelten.

Lorscher Evangeliar

Christus in seiner Herrlichkeit

Hier sehen wir ein perfektes Beispiel der karolingischen Buchmalerei aus dem *Lorscher Evangeliar*, einem der am besten erhaltenen und einflussreichsten Exemplare der karolingischen illuminierten Handschriften. Das Bild wird von teurem Blattgold und lila Farbe dominiert, was darauf hinweist, dass dies ein Auftrag Kaiser Karls des Großen an seine Hofschule gewesen sein dürfte, die für ihren reich verzierten und prunkvollen Stil bekannt ist.

Die Mischung aus byzantinischen und insularen Elementen ist eindeutig: Die Figur Christi ist byzantinisch mit klassischen Gewändern, abgeflachten, standardisierten Gesichtszügen und durchdringenden Augen, während die komplizierten Muster, die das Bild umrahmen, eindeutig ibero-angelsächsischen Ursprungs sind. Innerhalb des Bandes der Mandorla, die Christus umgibt, erscheinen die Symbole der Evangelisten in insularem Stil neben kleinen Porträts, die an spätantike Bilder erinnern.