Alchemistisches Lehrgedicht von 1556

Alchemistisches Lehrgedicht von 1556 –  – Ms P 2177 – Zentralbibliothek Zürich (Zürich, Schweiz)

Deutschland — 1556

Von der Erschaffung des Steins der Weisen und der eigenen Transformation: Die älteste und vielleicht schönste erhaltene Handschrift der alchemistischen Poesie des rätselhaften, norddeutschen Autors Lambspring

  1. Lambspring ist der rätselhafte, niederdeutsche Autor des einflussreichen alchemistischen Traktats aus 15 kurzen Lehrgedichten

  2. Die älteste erhaltene Handschrift ist mit 15 runden, kolorierten Emblemen illuminiert, die die allegorische Gedichte visualisieren

  3. Das Werk wurde im 17. Jahrhundert zu einem Bestseller der Alchemie-Literatur und beeinflusste noch im 19. Jahrhundert zahlreiche Esoteriker*innen

Alchemistisches Lehrgedicht von 1556

Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €€
(1.000€ - 3.000€)
  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
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Beschreibung
Alchemistisches Lehrgedicht von 1556

Das Alchemistische Lehrgedicht von 1556 oder auch Buch Lambspring wurde im 16. Jahrhundert von einem oder einer Adligen aus dem niederdeutschen Raum verfasst, der oder die sich im Vorwort selbst „Lambspring“ nennt. Darüber hinaus bleibt die Identität des Autors oder der Autorin bis heute rätselhaft, obwohl das Traktat einen erheblichen Einfluss auf die alchemistische Literatur des 17. Jahrhunderts haben sollte und noch Esoteriker*innen im 19. Jahrhundert inspirierte. Die älteste erhaltene Handschrift wird heute in der Zentralbibliothek Zürich bewahrt und enthält neben den 15 allegorischen Lehrgedichten 15 runde und reich kolorierte Embleme. Sie übersetzen die mystischen Inhalte der Versfolgen in fesselnde Bilder und machen den besonderen Reiz dieses Exemplars aus. Während sich die ersten zehn Gedichte mit der Erschaffung des legendären Steins der Weisen beschäftigen, beschreiben die letzten fünf Gedichte die Verwendung des Steins in Form einer allegorischen Erzählung von einem alten König, seinem Sohn und einem spirituellen Führer, in der es auch um persönliche Transformation geht. Ein kunstvoller Einblick in die mystische Vorstellungswelt der Frühen Neuzeit!

Alchemistisches Lehrgedicht von 1556

Die kunstvolle Handschrift öffnet mit einer informationsträchtigen Doppelseite: links befindet sich eine auf 1556 datierte, posthume Widmungsinschrift an einen Kleriker namens „Hermannus Marsovi“, bei dem es sich wahrscheinlich um den lutherischen Theologen und Reformator Hermann Marsow (gest. 1555) handelt. Unter der Widmung erstrahlt in kräftigem Gelb und abgetöntem Blau ein Wappen mit einem weißen Lamm – ein symbolisches Fantasiewappen für den Autor oder die Autorin des Textes, der oder die sich im auf der gegenüberliegenden Seite beginnenden Prolog als „Lamspringkh“ bezeichnet. Mit der dutzendfachen Verbreitung des Werks, insbesondere durch frühneuzeitliche Druckausgaben setzte sich mit der Zeit die Schreibweise „Lambspring“ durch. Da das Buch Lambspring das einzige überlieferte Werk der Autorin oder des Autors ist und der besagte Prolog kaum Informationen über die rätselhafte Person enthält, liegt ihre wahre Identität bis heute im Dunkeln.

Mystische Gedichte und allegorische Bilder

Lambsprings Werk zeugt jedoch von einem ausgeprägten Kenntnisstand alchemistischer Literatur, die hier in 15 allegorischen Gedichten in höchst verschleierter Form zutage tritt. Sie sind nicht als konkrete Anleitungen für die Laborpraxis zu verstehen, sondern beschreiben die aufwändige Herstellung und die Wirkung des Steins der Weisen vielmehr in Form kunstvoller Poesie. Jedem dieser Gedichte ist ein kreisrundes Emblem mit einer allegorischen Darstellung darin vorangestellt, das jeweils von einer deutsch-lateinischen Bildbeischrift begleitet und erklärt wird. Dabei sind sich Emblem und Gedicht jedoch nicht etwa gegenübergestellt. Stattdessen ist immer zuerst das Bild auf einer recto-Seite zu sehen und erst nach dem Umblättern kann dann das zugehörige Gedicht auf der jeweiligen verso-Seite gelesen werden. Die runden Miniaturen mit ihren charmanten Rahmungen aus Blattwerk scheinen für die Handschrift-Gestaltung also ausschlaggebend gewesen zu sein.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Alchemical Didactic Poem from 1556
Alchimie 1556
Book of Lambspring
Buch Lambspring
Umfang / Format
34 Seiten / 24,0 × 18,0 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
1556
Buchschmuck
15 allegorische Miniaturen
Inhalt
Alchemistisches Traktat
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Hermann Lavater-Wegmann

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Alchemistisches Lehrgedicht von 1556 –  – Ms P 2177 – Zentralbibliothek Zürich (Zürich, Schweiz)
Introligatornia Budnik Jerzy – 2021
Limitierung: 999 Exemplare
Detailbild

Alchemistisches Lehrgedicht von 1556

Hirsch und Einhorn

Das dritte Emblem zeigt einen aufrechtstehenden Hirsch und ein liegendes Einhorn am Rande eines Waldes. Sie verkörpern die Anima bzw. Seele und den Spiritus bzw. Geist, die zusammen mit dem Körper, der hier durch den Wald repräsentiert wird, eine Einheit. Nach Auffassung des zugehörigen Gedichts müssen Seele und Geist zusammengeführt und aus dem Körper herausgeführt werden, um dann wieder in ihn hineingetrieben zu werden. Ein solches Binden und Lösen spielt für Lambsprings Alchemie eine wichtige Rolle für den aufwändigen Prozess, der den Stein der Weisen hervorbringen soll. Dabei geht es im Grunde um die Transformation aller drei Komponenten – Körper, Geist und Seele – , die jedem Lebewesen und Ding zugesprochen werden.

Alchemistisches Lehrgedicht von 1556 –  – Ms P 2177 – Zentralbibliothek Zürich (Zürich, Schweiz)
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Alchemistisches Lehrgedicht von 1556

Putrefaktion – die Fäulnis

Vor einem Panorama einer Graslandschaft mit einer Stadt im Hintergrund kämpft am Rande eines Waldes ein Krieger gegen einen tiefschwarzen Drachen. Der Kämpfer wirkt in seiner Rüstung wie ein antiker, römischer Soldat und hat sein Schwert bereits zum Todesstoß erhoben. Das Biest scheint sich ein letztes Mal aufbäumen zu wollen, während es seinen schlangenartigen Schwanz um einen Baum wickelt – andere Bäume scheinen ihm schon zum Opfer gefallen zu sein.

Die Darstellung, die an Bilder des Heiligen Georgs erinnert, der den teuflischen Drachen ersticht, bezieht sich auf eine der ersten Stufen der Herstellung des Steins der Weisen: die Putrefaktion – die Fäulnis. Zur Überwindung dieses schwarzen Zustands der noch kaum veredelten Ausgangsmaterie, müsse dem Tier laut entsprechendem Gedicht der Kopf abgeschlagen werden, was seine Farbe in Weiß umwandeln würde.

Alchemistisches Lehrgedicht von 1556 –  – Ms P 2177 – Zentralbibliothek Zürich (Zürich, Schweiz)
Faksimile-Editionen

#1 Alchemistisches Lehrgedicht

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Introligatornia Budnik Jerzy – 2021
Limitierung: 999 Exemplare
Einband: Blauer Ledereinband mit Goldprägung
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €€
(1.000€ - 3.000€)
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