Bibel von Moutier-Grandval

Bibel von Moutier-Grandval – Verein Schweizerischer Lithographie-Besitzer – Add.10546 – British Library (London, Vereinigtes Königreich)

Tours (Frankreich) — Zwischen 820 und 840

Ein Meisterwerk karolingischer Gelehrsamkeit und Kunstfertigkeit, unglaublicherweise über Jahrhunderte auf dem Klosterdachboden in Vergessenheit geraten: Eine der ältesten, vollständig erhaltenen illuminierten Bibelhandschriften der Welt

  1. Enthält eine von Alkuin überarbeitete, vollständige Version der Vulgata sowie Vorwörter des heiligen Hieronymus und Gedichte Alkuins

  2. Alkuin war einer der einflussreichsten Gelehrten des Frühmittelalters, Lehrer und Berater Karls des Großen und Abt des Klosters Saint-Martin de Tours

  3. Das Kloster war mit seinem herausragenden Skriptorium eines der wichtigsten kulturellen Zentren der karolingischen Renaissance

Bibel von Moutier-Grandval

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Bibel von Moutier-Grandval

Wenige Bibelhandschriften aus Antike und frühem Mittelalter sind uns bis heute in vollem Umfang erhalten geblieben. Der imposanten, karolingischen Bibel von Moutier-Grandval konnte der Zahn der Zeit trotz ihrer turbulenten Besitzgeschichte erstaunlicherweise wenig anhaben. Sie wurde vor beinahe 1200 Jahren im Kloster Saint-Martin de Tours geschaffen – einem der wichtigsten kulturellen Zentren der karolingischen Reformbewegung, der sog. karolingischen Renaissance. Diese wurde im 8. Jahrhundert unter Karl dem Großen und seinem einflussreichen Berater Alkuin etabliert und setzte sich im 9. Jahrhundert fort. In der Bibel von Moutier-Grandval zeigt sie sich unter anderem in der kalligrafischen Präzision, mit der die Texte des Alten und Neuen Testaments inklusive mehrerer Hieronymus-Vorwörter und Alkuin zugeschriebenen Gedichten in karolingischer Minuskel und einer in Tours entwickelten Halbunzialis von wohl mehr als 20 Schreibern realisiert wurden. Zudem enthält die Handschrift eine von Alkuin überarbeitete Version der lateinischen Bibelübersetzung des heiligen Hieronymus, der Vulgata. Zusammen mit ihrer prächtigen Illumination ist sie ein seltenes Meisterwerk karolingischer Gelehrsamkeit und Kunstfertigkeit.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Bible of Moutier-Grandval
Grandval-Bibel
Moutier-Grandval-Bibel
Bible de Moutier-Grandval
Umfang / Format
898 Seiten / 51,0 × 37,5 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
Zwischen 820 und 840
Sprache
Schrift
Karolingische Minuskel Halbunzialis
Buchschmuck
Vier ganzseitige Miniaturen, eine prachtvolle Incipit-Seite und zahlreiche große historisierte und ornamentale Initialen
Inhalt
Altes und Neues Testament in der von Alkuin überarbeiteten Version der Vulgata mit Vorwörtern des Heiligen Hieronymus; Gedichte von Alkuin
Vorbesitzer
Kloster Moutier-Grandval

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Detailbild

Bibel von Moutier-Grandval

Mose empfängt die Zehn Gebote

Mose steht nahe dem Gipfel des kargen Berges Sinai. Er ist in eine fliederfarbene Tunika mit goldenen Borten und ein hellgelbes Pallium gekleidet. Sein dunkles Haar weist bereits graue Strähnen auf, was auf das fortgeschrittene Alter des Anführers der Israeliten beim Auszug aus Ägypten hindeutet. Er ist umringt von züngelnden Flammen, die jedoch keinerlei Furcht in ihm auszulösen scheinen. Vielmehr sind sie ein Zeichen für Gottes Präsenz. Und tatsächlich ragt die Hand Gottes aus der durch wellige Streifen angedeuteten Himmelssphäre, um Mose die Gesetzestafeln herabzureichen. Dieser streckt sich mit seinem ganzen Körper entgegen und umfasst die Tafeln ehrfürchtig mit beiden Händen.

Bibel von Moutier-Grandval – Verein Schweizerischer Lithographie-Besitzer – Add.10546 – British Library (London, Vereinigtes Königreich)
Einzelseite

Bibel von Moutier-Grandval

Von der Erschaffung Adams bis zur Geburt Kains

Die erste Miniaturseite der Handschrift füllt ein Bilderzyklus zur Genesis in vier Registerstreifen, die jeweils mit einer goldenen Inschrift auf purpurfarbenem Grund überschrieben sind. Zunächst erschafft Gott links oben Adam, den ersten Menschen. Rechts daneben zieht er eine Rippe aus Adams schlafendem Körper, um darauf Eva zu schaffen, die im Register darunter bereits an Adams Seite ist.

Nun beginnt ihre gemeinsame Geschichte. Nachdem Gott den beiden die Früchte des Baumes der Erkenntnis verbietet, überredet die Schlange Eva im dritten Register dazu, doch von den verbotenen Früchten zu kosten. Adam und Eva beißen genüsslich in das rundliche Obst. Rechts folgt die Strafe auf dem Fuße: die beiden empfinden plötzlich Scham über ihre Nacktheit und verdecken ihren Intimbereich. Darunter ist schließlich ihre Vertreibung aus dem Paradies durch einen Engel dargestellt. Fortan müssen sie selbst unter großer Anstrengung für ihre Nahrung sorgen und Kinder unter Schmerzen gebären. So zeigt die letzte Szene Eva mit neugeborenen Kain und Adam bei der Feldarbeit.

Bibel von Moutier-Grandval – Verein Schweizerischer Lithographie-Besitzer – Add.10546 – British Library (London, Vereinigtes Königreich)
Faksimile-Editionen

#1 Die Bibel von Moutier-Grandval : British Museum ADD. MS. 10546

Details zur Faksimile-Edition:

Limitierung: 1020 Exemplare
Einband: Einband aus rotem Torchon-Büttenpapier und Kalbspergament. Blindprägung auf dem Vorderdeckel.
Kommentar: 1 Band (212 S.) von Johannes Duft, Bonifatius Fisher, Albert Bruckner, Ellen J. Beer, Alfred A. Schmid, Eva Irblich und Hermann J. Frede
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Teilfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Die Faksimile-Ausgabe umfasst 42 Tafeln mit Reproduktionen der gesamten Illumination der Originalhandschrift. Die Seiten werden auf einem größeren weißen Hintergrund dargestellt.
Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €
(unter 1.000€)
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