Caspar Stromayr - Practica Copiosa

Caspar Stromayr - Practica Copiosa

Lindau (Deutschland) — 1559

Abgrenzung der wissenschaftlichen Medizin von Scharlatanerie und Quacksalberei im Jahre 1559: Die auf eigene Praxis zurückgehende Behandlung von Augenleiden wie den Grauen Star und vieler anderer chirurgischer Krankheiten in einem kunstvoll illustrierten Lehrbuch der Medizin

  1. Caspar Stromayr (gest. 1566/67) praktizierte als Chirurg und Augenarzt in Lindau

  2. Sein Lehrbuch von 1559 ist eines der frühesten und am prächtigsten ausgestatteten Werke zur Augenheilkunde

  3. Die Papierhandschrift ist mit kunstvollen, akkuraten Miniaturen und einer wunderbar reichen Farbpalette illustriert

Caspar Stromayr - Practica Copiosa

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Caspar Stromayr - Practica Copiosa

Caspar Stromayr war ein Chirurg und Augenarzt, der in Lindau am Bodensee praktizierte und dessen bahnbrechendes chirurgisches Lehrbuch aus dem Jahr 1559 einen nachhaltigen Eindruck auf die frühe moderne Medizin hinterließ. Sein fortschrittliches Werk befasste sich in erster Linie mit der Hernienchirurgie und verwandten Verfahren, enthielt aber auch bereits einen Abschnitt mit einem der frühesten in deutscher Sprache verfassten augenheilkundlichen Werke. Dieser Teil behandelt Krankheiten wie den Grauen Star und gibt Behandlungsempfehlungen, während er gleichzeitig die Inkompetenz und Scharlatanerie zeitgenössischer Augenärzte heftig kritisiert.
Die Papierhandschrift ist mit kunstvollen und präzisen Miniaturen illustriert, die mit einer wunderbar reichen Farbpalette geschaffen wurden und es zu einem der frühesten und prächtigsten Werke seiner Art machen. Nach dem Tod von Stromayr blieb es ungebunden und wurde 1577 von der Stadt Lindau erworben. Dort wurde es zwar schließlich gebunden, allerdings in falscher Reihenfolge und mit einigen ineinander verschachtelten Texten. Nachdem das Werk jahrhundertelang in Vergessenheit geraten war, wurde es 1909 wiederentdeckt und 1925 neu aufgelegt.

Caspar Stromayr - Practica Copiosa

Caspar Stromayr (gest. 1566/67) war ein in Lindau am Bodensee praktizierender Chirurg und Augenarzt, der als Erster zwischen inneren und äußeren Leistenbrüchen differenzierte. Man nimmt an, dass er aus einer Augsburger Chirurgenfamilie stammte und in Zürich und Nürnberg tätig war, bevor er nach Lindau zog. Dort heiratete er Guta, die Tochter von Ulrich von Angelburg, einem anderen Chirurgen, in dessen Praxis er wahrscheinlich auch als Geselle arbeitete. Diese Heirat ermöglichte es Stromayr auch, der entsprechenden Zunft beizutreten und schließlich 1561 das Teilbürgerrecht zu erhalten, das es ihm ermöglichte, eine eigene Praxis zu eröffnen, ihn aber auch dazu verpflichtete, die Armen kostenlos zu versorgen und hohe Steuern zu zahlen, um zur Verteidigung der Stadt beizutragen.

Ein unvollendetes Opus Magnum

Sein chirurgisches Lehrbuch aus dem Jahr 1559, das sich mit Leistenbrüchen befasst und damals als fortschrittlich galt, enthält einen Anhang über Augenheilkundeeines der frühesten Werke zu diesem Thema in deutscher Sprache – in dem mögliche Ursachen des Grauen Stars sowie praktische Möglichkeiten zu seiner Behandlung beschrieben werden. Das Manuskript, das sein Werk in künstlerischer Vollendung präsentiert, wurde von einem Schreiber und einem Team von vier Buchmalern geschaffen, während Stromayr es noch schrieb, was darauf hindeutet, dass er eng in die Entstehung des prächtigen Codex eingebunden war. Die meist ganzseitigen Miniaturen zeigen nicht nur chirurgische Instrumente, sondern auch detaillierte Darstellungen zeitgenössischer Kleidung und Alltagsgegenstände. Sie bieten somit einen herrlichen Einblick in das Leben in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Arbeit an der Handschrift bricht jedoch mitten in einigen bereits vorbereiteten Kapiteln im Jahr 1566 ab, so dass man davon ausgeht, dass Stromayr um diese Zeit oder im Jahr darauf starb.
Die ungebundenen Faszikel gingen an seinen Schwiegervater über und wurden vorübergehend an den Lindauer Barbier Ludwig Oberreit ausgeliehen, der einige seiner eigenen Anmerkungen auf den Blättern hinterließ. 1577 verkaufte von Angelburg die Handschrift an die Stadt Lindau, die sie noch im selben Jahr binden ließ. Allerdings waren die Texte nicht in der richtigen Reihenfolge geordnet, zumal der augenheilkundliche Text ursprünglich als separates Werk konzipiert war: Die Abhandlung über die Hernien war als Geschenk für den Zürcher Arzt Peter Hafner gedacht, während das Werk über die Augenheilkunde in Lindau bleiben sollte.

Kodikologie

Umfang / Format
588 Seiten / 20,0 × 28,5 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
1559
Sprache
Buchschmuck
Zahlreiche illustrative Miniaturen mit reicher Farbpalette, viele davon ganzseitig
Inhalt
Lehrbuch der Chirurgie mit Teil zur Augenheilkunde
Künstler / Schule

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Caspar Stromayr - Practica Copiosa – Idion Verlag – Stadtbibliothek Lindau (Lindau, Deutschland)
Idion Verlag – München, 1978
Limitierung: 895 Exemplare
Detailbild

Caspar Stromayr - Practica Copiosa

Öffnen eines Abszesses

Obwohl die Behandlung von Leistenbrüchen das Hauptthema dieses Buches ist, werden auch verwandte Verfahren dargestellt, in diesem Fall die Inzision und Drainage eines Abszesses. Während der Chirurg und seine Assistenten mit besorgten und konzentrierten Blicken dargestellt sind, hat der Patient einen gelassenen Ausdruck der Erleichterung im Gesicht, ein Gefühl, das wohl jeder kennt, dem schon einmal ein Geschwür aufgestochen wurde. Jede der Figuren hat ausgeprägte, individuelle Gesichtszüge, die durch geschickte Schattierungen hervorgehoben werden.

Caspar Stromayr - Practica Copiosa (Vorzugsausgabe)
Einzelseite

Caspar Stromayr - Practica Copiosa

Autorenporträt

Caspar Stromayr (gest. 1566/67), der aus einer Augsburger Chirurgenfamilie stammte, ist nicht nur der Autor dieses reich illustrierten chirurgischen Handbuchs, sondern auch eines der frühesten Werke zur Augenheilkunde in deutscher Sprache. Darin beschreibt er mögliche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des Grauen Stars und prangert gleichzeitig die Scharlatanerie der zeitgenössischen Augenärzte an.

Stormayrs Porträt verdeutlicht den Grund für sein Interesse an der Augenheilkunde: Er war ein gut aussehender junger Mann mit blauem Hemd und Spitzenkragen, lockigem braunem Haar, hohen Wangenknochen und Grübchen am Kinn. Er hat jedoch ein auffälliges linkes Auge, das geschwollen und rot ist und eine große graue Trübung über der Linse aufweist. Trotz seines Leidens blickt der begabte Chirurg ruhig und zuversichtlich aus dem Blatt heraus.

Caspar Stromayr - Practica Copiosa (Vorzugsausgabe)
Faksimile-Editionen

#1 Caspar Stromayr - Practica Copiosa (Vorzugsausgabe)

Idion Verlag – München, 1978

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Idion Verlag – München, 1978
Limitierung: 895 Exemplare
Einband: Gebunden in rotem Leder im Stil zeitgenössischer Renaissanceeinbände mit reicher Goldverzierung
Kommentar: 1 Band
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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