Der Goldene Münchner Psalter

Der Goldene Münchner Psalter

Oxford (Vereinigtes Königreich) — 1200–1210

Goldene Miniaturen als glänzender Übergang von der Romanik zur Gotik: Der wohl schönste und wertvollste Psalter seiner Zeit, ausgestattet mit einem in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Bildprogramm

  1. Dieses Werk gilt als der wertvollste und schönste Psalter, der in einer Epoche geschaffen wurde

  2. Berühmt für seinen ungewöhnlichen neuen Malstil zwischen Romanik und Gotik

  3. 91 ganzseitige Miniaturen auf goldenem Hintergrund, 24 Kalendermedaillons und historisierte Initialen

Der Goldene Münchner Psalter

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Der Goldene Münchner Psalter

Der Goldene Münchner Psalter wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts, vermutlich von drei Oxforder Buchmalern, geschaffen. Dieser außergewöhnlich reich illustrierte und verzierte Codex enthält zahlreiche Miniaturen auf Goldgrund, goldene Schriftzüge und kostbare Zierinitialen sowie unzählige weitere Schmuckelemente. Berühmt ist der Münchner Psalter vor allem für seine ungewöhnliche neue Art der Buchmalerei, die den Übergang von der Romanik zur Gotik markiert. Sein aufwändiges und opulent mit Gold gestaltetes Bildprogramm besteht aus 91 ganzseitigen Miniaturen, 24 Kalendermedaillons und 10 großen historisierten Initialen sowie schmuckvollen roten und blauen Zeilenfüllungen, Tieren, Menschenköpfen und Mischwesen. Damit gilt die reich illuminierte Handschrift als der kostbarste Psalter, der je geschaffen wurde.

Der Goldene Münchner Psalter

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden private Andachtsbücher bei der gebildeten oberen Schicht der Gesellschaft immer beliebter. Besonders groß ist der Wunsch nach Psalterien. Dabei handelt es sich um Sammlungen von Psalmen, die im täglichen Gottesdienst verwendet wurden. Unter den zahlreichen Psalterien dieser Zeit ist auch der Goldene Münchner Psalter, der zu Beginn des 13. Jahrhunderts vermutlich von drei Oxforder Meistern verfasst wurde. Hierbei handelt es sich um ein Werk, dass durch seinen außerordentlich reichen Buchschmuck und seine neuen künstlerischen Ausdrucksformen zum kostbarsten Psalter jener Epoche wurde. Der opulente Codex enthält 166 Blätter mit 91 ganzseitige Miniaturen auf Goldgrund, 24 Kalendermedaillons, farbig und golden geschmückte Bild-Initialen sowie farbige Zierzeilen auf allen Seiten. Heute befindet sich die Prachthandschrift in der Münchner Staatsbibliothek.

Ein Buchtrend des Mittelalters

Ein Psalter enthält in der Regel 150 Gebete und Gesänge, die keine zusammenhängende Geschichte erzählen sondern eher aus Lobpreisungen Gottes, Bitten, Klagen und Dank bestehen. Noch heute sind Psalmen wichtiger Bestandteil der christlichen und auch der jüdischen Liturgie. Im Mittelalter ist der Wunsch nach diesen überschaubaren Textsammlungen rasant angestiegen, besonders in England und Nordfrankreich erfreuen sich diese Werke großer Beliebtheit. Die begabtesten und versiertesten Buchmaler dieses Genres stammen größtenteils aus England. Vermutlich handelt es sich bei den Meistern des Münchner Psalters um drei Künstler aus Oxford.

Außergewöhnlich vielfältiger Buchschmuck

In den meisten Psalterhandschriften sammeln sich die Miniaturen und Bilderzyklen zum Alten und Neuen Testament am Anfang des Werkes. Der Münchner Psalter jedoch wurde anders gestaltet. Der Codex eröffnet mit 24 eindrucksvollen Kalendermedaillons, auf welche 27 ganzseitige Miniaturen zur Genesis, zur Josephsgeschichte, zum Auszug aus Ägypten bis zum Fall Jerichos folgen. Anschließend wird in 19 Bildern zum Neuen Testament das Leben Jesu Christi thematisiert. Dieser Zyklus schließt mit Darstellungen des Jüngsten Gerichts und der Höllenqualen ab. Es folgen Miniaturen, die verschiedene Wunder Jesu zeigen, Geschichten aus den alttestamentlichen Büchern Ruth, Judith und Esther bildhaft darstellen und das Leben König Davids porträtieren. David gilt als Schöpfer, sozusagen Autor einer großen Anzahl der Psalmen. Kein weiterer Psalter jener Zeit erreicht auch nur annähernd einen solchen Reichtum an Bildern.

Neue Ausdrucksformen und kostbare Ornamentik

Die Psalmen des Münchner Psalters wurden in grenzenloser Phantasie dekoriert mit ganzseitigen goldenen Prachtinitialen, halbseitigen miniaturähnlichen Initialen, mehrfarbigen Schmuckbändern und schwungvollen Pflanzenranken. Die Entstehungszeit des Werkes zwischen 1180 und 1220 wird in der englischen Buchmalerei als Übergangsstil bezeichnet. Die Künstler der ausgehenden Romanik versuchen sich in neuen Formen bildnerisch auszudrücken, sind dabei aber noch etwas entfernt von der Buchmalerei der Gotik. Darstellungen von Figuren werden weniger expressiv. Menschliche Körper werden noch nicht exakt wiedergegeben, allerdings wird nun mehr auf richtige und nicht übertriebene Proportionen und Haltung geachtet. Sorgfältig modellierte Gesichter, fließende Gewänder, Schattierungen und Farbabstufungen prägen die Bilder des Münchner Psalters. All diese Bemühungen der Künstler weisen den Weg zu einer neuen, naturnäheren Buchmalerei.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Goldener Münchner Spalter
Munich Golden Psalter
Psautier doré de Munich
Umfang / Format
332 Seiten / 28,0 × 19,5 cm
Datum
1200–1210
Stil
Sprache
Buchschmuck
91 ganzseitige Miniaturen, 24 Kalander-Medaillon-Miniaturen und 10 große historisierte Initialen
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Herzog Maximilian I. von Bayern (1573–1651)

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Der Goldene Münchner Psalter – Clm 835 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)
Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2011
Limitierung: 680 Exemplare
Detailbild

Der Goldene Münchner Psalter

Historisierte O-Initiale

Historisierte Initialen sind ein hervorstechendes Merkmal romanischer Manuskripte, wobei die Künstler auf ihre Erschaffung ebenso viel Energie verwenden wie auf die der Miniaturen. Diese O-Initiale ist mit weißen Löwen gefüllt, die um ein Fabelwesen herumrennen, das Harfe spielt. Eine Drolerie mit dem Körper eines Pfaus hält in der linken oberen Ecke den abgetrennten Kopf eines bärtigen Mannes in ihrem Maul. Diese historisierte Initiale ist ein Kaleidoskop aus Farben und Blattgold mit diamantbesetztem Hintergrund und gewundenen Ranken.

Der Goldene Münchner Psalter
Einzelseite

Der Goldene Münchner Psalter

Die Versuchung Christi

Nach seiner Taufe durch Johannes den Täufer ging Jesus für 40 Tage und Nächte in die Judäische Wüste, um zu fasten. Während dieser Zeit wurde er vom Satan in Versuchung geführt. Diese innovative Miniatur führt all die damit verbundenen Ereignisse in einem einzigen Bild zusammen, das mit zartem Rosa und Nachtblau gerahmt wird.

Die zeit- und raumlose Wirkung des polierten Goldhintergrundes ermöglicht es, dass sich die Erzählung in ihren einzelnen Episoden über die ganze Seite erstrecken kann. Unten rechts beginnend versucht der Satan Jesus, indem er ihn bittet, Steine in Brot zu verwandeln. In der Mitte der Miniatur sehen wir auf der linken Seite die Versuchung auf dem Berg dargestellt, wo Satan Jesus die Herrschaft über alle irdischen Königreiche anbietet. Das letzte Bild oben zeigt die Versuchung auf der Spitze des Tempels. Dort leistet Jesus dem Satan erneut Widerstand, bevor ihm die herbeischwebenden Engel dienen.

Der Goldene Münchner Psalter
Faksimile-Editionen

#1 Der Goldene Münchner Psalter

Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2011

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2011
Limitierung: 680 Exemplare
Einband: Helles Wildleder mit zwei Messingschließen, dem Original nachempfunden
Kommentar: 1 Band von Nigel J. Morgan und Carolin Schreiber
Sprachen: Englisch, Deutsch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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