Die Harley Lyrics

Die Harley Lyrics Faksimile

Benediktiner-Priorei von Leominster, Herefordshire (Vereinigtes Königreich) — Spätes 13. Jahrhundert – erste Hälfte des 14. Jahrhunderts

Geistliche und weltliche Poesie von herausragender Qualität: Auf Grund der Seltenheit und Fülle der Sammlung ein unvergleichlicher Schatz englischer Handschriften des Mittelalters

  1. Die Handschrift wurde um 1340 von drei Schreibern in gotischer Kursivschrift verfasst

  2. Das Manuskript enthält weltliche und religiöse Texte in Mittelenglisch, Anglonormannisch und Latein

  3. Zahlreiche rote und blaue Initialen zieren den Text, der auch Leerstellen für unvollendete Initialen aufweist

Die Harley Lyrics

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Die Harley Lyrics

Die um 1340 entstandene sogenannte Harley Lyrics ist ein Kompendium religiöser und weltlicher Poesie, das aufgrund seiner Seltenheit, Qualität und Fülle als eine der bedeutendsten erhaltenen englischen Handschriften des Mittelalters gilt. Es wurde in gotischer Kursivschrift von den geschickten Händen dreier Schreiber geschrieben und lässt sich in zwei Teile gliedern. Teil I umfasst eine Sammlung hagiographischer Texte, die in anglo-normannischer Sprache verfasst sind, während Teil II aus einem Gemisch weltlicher und religiöser Texte in Mittelenglisch, Anglo-Normannisch und Latein besteht. Zahlreiche rote und blaue Initialen zieren den Text, der auch verschiedene Leerstellen für Initialen aufweist, was darauf hindeutet, dass die Ausschmückung des Manuskripts nie abgeschlossen wurde. Das begehrte Manuskript war im Besitz zahlreicher Bibliophiler, bevor es 1753 von der British Library als Teil einer größeren Sammlung erworben wurde.

Die Harley Lyrics

Diese begehrte Handschrift aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, die einst dem berühmten Bibliophilen Robert Harley (1661–1724) gehörte und nach ihm auch benannt wurde, ist dafür berühmt, dass sie die früheste Sammlung weltlicher und religiöser Lyrik – kurzer Gedichte – ist, die in anglo-romanischer, mittelenglischer und lateinischer Sprache verfasst wurde, und tatsächlich mehr als die Hälfte der weltlichen Lyrik enthält, die vor dem 15. Jahrhundert geschrieben wurde. Sie wird weiter auch dafür wertgeschätzt, dass sie drei Hagiographien angelsächsischer Heiliger und vier Fabliaux – komische und unzüchtige Minnesängergeschichten aus Nordostfrankreich – sowie biblische Geschichten, Pilgerberichte und Traumdeutungen enthält. Andere Werke geben Einblicke in das tägliche Leben, wie z. B. Zusammenstellungen von Sprichwörtern, Verhaltensliteratur, politische Lieder, Satiren und Komödien. Der große Umfang und die Vielfalt der Texte, die in dem Manuskript erhalten sind, das eine Mischung aus einem Miscellany und einer Anthologie ist, machen es zu einem der wertvollsten englischen mittelalterlichen Manuskripte, die bis heute erhalten geblieben sind.

Der Ludlow-Schreiber

Das Manuskript wurde datiert auf etwa 1340, wenn auch viele der Texte noch sehr viel älter sind. Es gibt Belege für drei Hände, aber nur eine ist identifizierbar, wenn auch immer noch anonym, der so genannte Ludlow-Schreiber, der für das Kopieren des größten Teils des Textes verantwortlich zeichnet. Während die Schreiber A und C völlig unbekannt sind, ist Schreiber B in drei Handschriften und 41 Rechtsschriften identifiziert worden. Wie die meisten mittelalterlichen Schreiber ist er nur durch seine charakteristische Handschrift zu identifizieren. Es wird angenommen, dass er ein erfolgreicher professioneller Rechtsschreiber war, der zwischen 1314 und 1349 in der Nähe von Ludlow in Shropshire tätig war.
Belege für die formale Ausbildung des Ludlow-Schreibers in Latein, Religion und Recht in Verbindung mit seiner Vorliebe für weltliche Aufführungsstücke deuten darauf hin, dass er ein privater Schreiber in einem herrschaftlichen Haushalt gewesen sein könnte. In dieser Funktion wäre er dafür verantwortlich gewesen, seine adligen Arbeitgeber mit geistlicher Führung, Rechtsberatung und Unterhaltung zu versorgen und gleichzeitig deren männliche Erben zu erziehen und ihnen Manieren beizubringen. Es gibt Hinweise darauf, dass er während des Schwarzen Todes, der England von 1348 bis 1350 heimsuchte, umgekommen sein könnte.

Der Sinn der Handschrift

Der Inhalt dieses Codex ist manchmal schwer zu verstehen, wenn man ihn von Anfang bis Ende liest, da er nicht wie ein modernes Buch geordnet ist, sondern eher durcheinander und zufällig. Dennoch ist die Abgrenzung der insgesamt sieben internen Teile hilfreich, um sowohl die Schreiber als auch die mögliche Organisation des Inhalts zu unterscheiden. Einige Wissenschaftler haben behauptet, dass es eine übergreifende Metaerzählung für die Anthologie gibt, die aufeinanderfolgende Texte mit der Erzählung oder dem Blickwinkel eines anderen in Beziehung setzt. Diese Beziehung ist jedoch in Teil drei nicht immer klar und setzt die Kenntnis der vom Schreiber verwendeten Quellen voraus.
Im vierten Teil werden die Beziehungen zwischen den Texten deutlicher. Es beginnt beispielsweise mit einer Hagiographie des St. Ethelbert, eines angelsächsischen Königs, der von heidnischen Wikingern gemartert wurde, worauf die Geschichte von Simon de Montfort folgt, dem Anführer des Zweiten Baronenkriegs, der kurzzeitig als faktischer Herrscher Englands regierte, bevor er am 4. August 1265 in der Schlacht von Evesham von den Truppen Königs Heinrichs III. besiegt und getötet wurde. Er wird als Märtyrer gegen die tyrannischen Übergriffe der königlichen Macht dargestellt, ähnlich wie Thomas Becket, was die lokalen Sympathien für die Sache der Barone gegen die kleinliche, korrupte Herrschaft und willkürliche Besteuerung widerspiegelt.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Harley 2253
Henri d'Acre: Miscellany of secular and religious lyrics
Miscellany of English, French, and Latin works
Miscellany of the 'Harley Lyrics'
Umfang / Format
284 Seiten / 29,0 x 19,0 cm
Datum
Spätes 13. Jahrhundert – erste Hälfte des 14. Jahrhunderts
Stil
Schrift
Gotisch Gotische Kursive
Buchschmuck
Rot kolorierte Initialen
Inhalt
Sammlung hagiographischer Texte in anglo-normannischem Französisch (ff. 1r-48v); Zusammenstellung diverser Texte, darunter weltliche und religiöse Lyrik in Englisch, Anglo-Normannisch und Latein, auch bekannt als die "Harley Lyrics" (ff. 49r-142v)
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Edward Harley
Henrietta Harley
Margaret Cavendish Bentinck

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Die Harley Lyrics – Harley MS 2253 – British Library (London, Vereinigtes Königreich) Faksimile
Oxford University Press – Oxford, 1965
Faksimile-Editionen

#1 Facsimile of British Museum MS. Harley 2253

Oxford University Press – Oxford, 1965

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Oxford University Press – Oxford, 1965
Kommentar: 1 Band von Neil Ker Ripley
Sprache: Englisch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion der Folios 1r-48v, 141rv and 142v des Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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