Sammelband von Oxford

Sammelband von Oxford

Worcester (Vereinigtes Königreich) — 1271–1283

  1. Die Handschrift schuf in den Jahren noch vor 1283 Richard de Grimhill II. (ca. 1263-ca. 1308)

  2. Ihr Inhalt reicht von Gebeten bis hin zu unzüchtigen, sogar obszönen Geschichten, die für Laien geschrieben waren

  3. Dieses seltene "Kollektaneenbuch" gibt wertvolle Einblicke in das tägliche Leben des gebildeten Adels

Sammelband von Oxford

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Sammelband von Oxford

Der Sammelband von Oxford ist ein Kollektaneenbuch aus dem späten 13. Jahrhundert, das zwischen 1271 und 1283 entstand, in Mittelenglisch, anglo-normannischem Französisch und Latein verfasst wurde und fast 100 Texte verschiedenster Gattungen enthält, darunter u. a. Schwank, Romanze, Andachts- und Lehrtext, Prophezeiung, Zauberspruch und Gebet. Diese Handschrift wurde von ihrem Besitzer geschrieben und weist dilettantische Schreiberzeichnungen und Ausschmückungen auf, enthält aber auch äußerst seltene und wichtige Beispiele für das frühe Mittelenglisch. Es ist ein unschätzbares Artefakt für Gelehrte der englischen und französischen Sprachwissenschaft sowie der Literaturgeschichte.

Sammelband von Oxford

Die Handschrift, die unter der Signatur MS Digby 86 in der Bodleian Library in Oxford aufbewahrt wird, ist mit ihrer wunderbaren Vielfalt an Inhalten ein vollkommenes Unikat. Auf dem letzten Folio unterzeichnet der Schreiber mit einem Selbstporträt - einem cartoonhaft gezeichneten männlichen Kopf mit einer eng anliegenden Kapuze samt einer Beischrift: scripsi librum in anno et iii mensibus - "Ich schrieb das Buch in einem Jahr und drei Monaten". Das Ergebnis seiner fünfzehnmonatigen Arbeit ist eines der bedeutendsten Kollektaneenbücher, die aus dem mittelalterlichen England überlebt haben: skurrile Kombinationen von fast 100 Texten, die von Religion über Wissenschaft bis hin zu weltlicher Literatur reichen und in drei Sprachen geschrieben sind: Mittelenglisch, anglo-normannisches Französisch und Latein. Der sogenannte Sammelband von Oxford enthält medizinische Rezepte, Zaubersprüche, Gebete, Prophezeiungen, Zaubertricks, fromme Lehren, einen liturgischen Kalender, religiöse Lieder, lebhafte Debatten, Gedichte über Liebe und Tod, Sprichwörter, Fabeln, schwankartige Erzählungen, skurrile Spiele und geschlechtsspezifische Schmähtexte. Nach dem vom Schreiber verwendeten Dialekt zu urteilen, entstand die Handschrift in Gloucestershire oder Süd-Worcestershire zwischen 1271 und 1283.
Eine echte Rarität
Die Tatsache, dass Digby aus dem 13. Jahrhundert stammt, trägt zu besonderem Reiz bei, denn englische literarische Überreste aus der Zeit vor 1300 sind sehr selten. Gelehrte auf beiden Seiten der Volkssprachen Französisch und Englisch sind zutiefst von ihm fasziniert. **Einige der Texte sind nirgendwo sonst zu finden, z. B. die französischen Artusgeschichten Lai des Trinkhorns (eine mittelalterliche Versdichtung über ein Trinkhorn, aus dem betrogene Männer nicht trinken können, ohne etwas zu verschütten) und Strife between Two Ladies (eine offene Debatte über weibliche Politik) wie auch die englische Fabliau (komische, schwankartig-obszöne Erzählungen, die aus dem hochmittelalterlichen Frankreich stammen) Dame Sirith sowie die Fabel Der Fuchs und der Wolf. Die Sammlung enthält auch die früheste erhaltene Fassung von Die Drossel und die Nachtigall. Die in diesem Band dargebotenen Interpretationen der jeweiligen Texte, die Aufmachung und die Besitzverhältnisse der Handschrift zeigen, dass es in Digbys lebendiger **Aufzeichnung des gesellschaftlichen und geistigen Treibens einer buchbesitzenden Adelsfamilie
viel zu entdecken gibt. Neben literarischen und religiösen Texten handelt es sich vor allem um ein Handbuch mit praktischen Informationen, das einen Kalender, einen Text über arabische Zahlen, Prophezeiungen nach dem Wochentag, auf den Weihnachten fällt, Pflege von Jagdvögeln, Anweisungen zur Berechnung beweglicher Feste und eine Liste der englischen Könige bis Edward I. enthält. Zwei Texte befassen sich auch mit der Vermeidung von Unglück, einer berechnet Glücks- und Unglückstage nach dem Mond, der andere listet einfach die Unglückstage des Jahres auf - wie die Festtage sind einige fest und andere nicht.

Die Geschichte der Handschrift

Die Handschrift wurde vom Schreiber Richard de Grimhill II. (ca. 1263 - ca. 1308) für seinen Eigengebrauch angefertigt und scheint nach seinem Tod über seine Tochter Amice an die Familie Underhill übergegangen zu sein. In der Handschrift finden sich verschiedene Randnotizen von Mitgliedern der Familie Underhill zusammen mit einem Testament. Thomas Allen (1540-1632) war ein Mitglied des Trinity College in Oxford und erwarb das Buch im 16. Jahrhundert. Der 1622 erstellte Katalog seiner Sammlung listet Digby 86 als „80 A.I“ mit der Referenznummer "I" auf f. 1r der Handschrift auf. Das Manuskript wurde von Allen an Kenelm Digby (1603-65) vermacht, der es seinerseits im Jahr 1663 der Bodleian Library schenkte.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Facsimile of Oxford, Bodleian Library, MS Digby 86
Compilation of Oxford
Umfang / Format
210 Folios / 20,6 × 14,0 cm
Datum
1271–1283
Stil
Schrift
Anglicana
Buchschmuck
Einige Marginalien
Inhalt
Sammlung von 97 Texten, darunter Fabeln und romantische Lyrik, Rezepte, Zaubersprüche, aber auch Gebete und ein Kalender
Auftraggeber
Richard de Grimhill II.
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Richard de Grimhill II.
Amice Grimhill
William Underhill
Thomas Allen
Kenhelm Digby
Faksimile-Editionen

#1 Facsimile of Oxford, Bodleian Library, MS Digby 86

Details zur Faksimile-Edition:

Kommentar: 1 Band von Judith Tschann und Malcolm B. Parkes
Sprache: Englisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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