Die Kunst der Chiromantia des Dr. Hartlieb

Die Kunst der Chiromantia des Dr. Hartlieb – Verlag der Münchner Drucke – Xylogr. 35 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)

Augsburg (Deutschland) — Ca. 1485/95

Das Schicksal in den Linien der Hand: Liebe, Glück und außergewöhnliche Lebenswege kunstvoll gedeutet in 44 faszinierenden Handbildern eines kostbaren Augsburger Blockbuchs aus der Frühzeit des Drucks

  1. Dem Münchner Hofarzt Johannes Hartlieb zugeschrieben und im Widmungsbild Anna von Braunschweig überreicht

  2. Mit 44 paarweise angeordneten Männer- und Frauenhänden samt kurzen deutschen Deutungen

  3. Um 1488–1490 in Augsburg als beidseitig bedrucktes Blockbuch geschaffen

Die Kunst der Chiromantia des Dr. Hartlieb

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Beschreibung
Die Kunst der Chiromantia des Dr. Hartlieb

Was verraten Linien, Erhebungen und Zeichen der Hand über Charakter, Liebe und Schicksal? Die Kunst der Chiromantia gibt darauf eine bildreiche spätmittelalterliche Antwort. Das Johannes Hartlieb zugeschriebene Werk deutet rechte Männer- und linke Frauenhände paarweise und erklärt ihre Merkmale durch kurze deutsche Beischriften. So begegnen dem Leser Glück und Unglück, Abenteuerlust, Zauberei sowie unterschiedliche Formen von Liebesfreude und Liebesleid. Die um 1488–1490 in Augsburg gedruckte Ausgabe ist als beidseitig bedrucktes Blockbuch mit 44 Handdarstellungen überliefert: Text und Bild wurden gemeinsam aus geschnittenen Holztafeln vervielfältigt. Ein Widmungsbild zeigt den gelehrten „Doctor Hartlieb“, wie er das Werk Anna von Braunschweig überreicht. Besonders bemerkenswert sind die mit Holzschnitten verzierten Papierumschläge, die gotische Ledereinbände nachahmen. So verbindet das Buch Wahrsagekunst, anschauliche Wissensvermittlung und frühe Drucktechnik.

Die Hand als Spiegel des Schicksals

Im späten Mittelalter galt die Hand manchen Gelehrten als lesbare Karte des Menschen. Linien, Erhebungen und besondere Zeichen sollten Auskunft über Charakter, Liebe und künftiges Geschick geben. Die Kunst der Chiromantia führt in diese Deutung ein und verbindet praktische Anleitung mit einer Folge schematischer Handbilder.

Betrachtet wurde bei Männern die rechte, bei Frauen die linke Hand. Form, Verlauf und Überschneidung der Linien erhielten jeweils eine Bedeutung. Damit erscheint die Handlesekunst als geordnetes System wiedererkennbarer Zeichen und festgelegter Auslegungen.

Glück, Liebe und außergewöhnliche Lebenswege

Nach einer Einführung folgen paarweise angeordnete Männer- und Frauenhände. Kurze deutsche Beischriften erläutern, welche Merkmale auf Glück oder Unglück, Abenteuerlust, Krankheit, Zauberei oder ein bestimmtes Verhalten hinweisen sollen. Auch Liebesfreude, Untreue, Eifersucht und Liebesleid nehmen breiten Raum ein.

Die Bilder machen das Regelwerk unmittelbar anwendbar: Der Leser konnte die gezeigten Linien mit einer wirklichen Hand vergleichen und die Deutung direkt ablesen. So wird die Handfläche zu einem Schauplatz menschlicher Hoffnungen, Ängste und Lebensentwürfe.

Ein Werk für Anna von Braunschweig

Der Text wird traditionell Johannes Hartlieb zugeschrieben, dem Leibarzt und Berater Herzog Albrechts III. von Bayern. Nach älterer Überlieferung entstand die Abhandlung 1448 für dessen Gemahlin Anna von Braunschweig. Die Verfasserschaft Hartliebs ist allerdings nicht endgültig geklärt.

Das Widmungsbild greift diese Verbindung auf. Ein als Gelehrter dargestellter „Doctor Hartlieb“ überreicht der thronenden Fürstin ein geöffnetes Buch, auf dessen Seiten eine Hand zu erkennen ist. So erhält die gelehrte Unterweisung einen höfischen und persönlichen Rahmen.

Vierundvierzig Hände im Blockbuchdruck

Die erhaltene Ausgabe wurde um 1488–1490 in Augsburg hergestellt. Sie umfasst eine Einführung und 44 Tafeln mit Handdarstellungen. Jeweils eine linke Frauenhand auf der Versoseite steht einer rechten Männerhand auf der gegenüberliegenden Rectoseite gegenüber. Linien, Zeichen und Schriftbänder wurden gemeinsam in die Holztafeln geschnitten und in einem Arbeitsgang gedruckt.

Diese Technik kennzeichnet das Blockbuch. Anders als beim Satz mit beweglichen Lettern entstand jede Seite aus einem vollständig geschnittenen Druckstock. Für ein Werk, in dem Bild und Beschriftung untrennbar zusammengehören, bot das Verfahren einen entscheidenden Vorteil: Jede Deutung blieb fest mit dem zugehörigen Handdiagramm verbunden.

Vier Zustände einer Blockbuchausgabe

Die Druckstöcke wurden aufbewahrt, erneut verwendet und dabei verändert. Von der Ausgabe sind vier Zustände bekannt. In den ersten beiden fehlen Lagenbezeichnungen und ein Herstellerhinweis; später kamen typografische Signaturen und ein Kolophon mit dem Namen Jörg Schapf hinzu.

Das überlieferte Exemplar gehört zum letzten Zustand. Ob der Augsburger Formschneider und Buchbinder Schapf bereits die ersten Abzüge herstellte oder die Holzstöcke später übernahm, bleibt offen. Die Veränderungen machen das Buch zu einem Dokument fortlaufender Bearbeitung im frühen Druckwesen.

Papierumschläge wie kostbare Ledereinbände

Eine besonders reizvolle Eigenheit sind die gedruckten Papierumschläge. Holzschnitte ahmen darauf die ornamentale Gestaltung gotischer Ledereinbände nach. Mit einfachem Material wurde so der Eindruck eines aufwendig verzierten Buchdeckels erzeugt.

Die Kunst der Chiromantia bewahrt damit weit mehr als eine Anleitung zum Handlesen. In ihren Handdiagrammen, Beischriften, Druckzuständen und ungewöhnlichen Umschlägen begegnen sich spätmittelalterliche Zukunftsdeutung, höfische Wissenskultur und die Experimentierfreude des frühen Buchdrucks.

Kodikologie

Alternativ-Titel
The Art of Palmistry by Dr. Hartlieb
Die Kunst des Handlesens
The Art of Palm Reading
The Art of Chiromancy
Umfang / Format
48 Seiten / 29,0 × 21,0 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
Ca. 1485/95
Sprache
Buchschmuck
46 Holzschnitte
Künstler / Schule

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Die Kunst der Chiromantia des Dr. Hartlieb – Verlag der Münchner Drucke – Xylogr. 35 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)
Verlag der Münchner Drucke – München, 1923
Limitierung: 50 Exemplare (Nr. 1-10)

Die Kunst der Chiromantia des Dr. Hartlieb – Verlag der Münchner Drucke – Xylogr. 35 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)
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#1 Die Kunst Chiromantia

Verlag der Münchner Drucke – München, 1923
Die Kunst der Chiromantia des Dr. Hartlieb – Verlag der Münchner Drucke – Xylogr. 35 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)
Die Kunst der Chiromantia des Dr. Hartlieb – Verlag der Münchner Drucke – Xylogr. 35 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland) Copyright Bildmaterial: Ziereis Faksimiles

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Einband: Halbpergament / hellbraunes, geprägtes Leder
Kommentar: 1 Band (2 S.) von Ernst Weil
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#2 Die Kunst Chiromantia

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