Petrarca: Vergilianus-Codex

Petrarca: Vergilianus-Codex  Faksimile

Italien — Ca. 1300–1325

Das persönliche Vergil-Exemplar aus Petrarcas Privatbibliothek: Kurz nach seiner Herstellung gestohlen und 1338 von ihm wiedergefunden

  1. Dies ist das berühmteste Manuskript aus der riesigen Privatbibliothek von Petrarca (1304-74)

  2. Sie wurde etwa in den Jahren zwischen 1300 und 1325 in Avignon geschaffen und enthält auch Werke von Publius Papinius Statius und Horaz

  3. Simone Martini (ca. 1284-1344) fügte dem Werk um 1340 ein berühmtes allegorisches Frontispiz hinzu

Petrarca: Vergilianus-Codex

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Beschreibung
Petrarca: Vergilianus-Codex

Petrarca war nicht nur ein produktiver Autor, sondern auch ein Bibliophiler, der eine der schönsten Privatbibliotheken seiner Zeit anlegte, die zahlreiche Werke der klassischen Antike enthielt. Das berühmteste Manuskript seiner Bibliothek war der sogenannte Ambrosianische Vergil, der die wichtigsten Werke des berühmten römischen Autors sowie Werke von Publius Papinius Statius, Horaz und verschiedene grammatikalische Werke enthält. Petrarca gab das Werk für seinen eigenen Gebrauch in Auftrag, und es wurde um 1300–25 in Avignon angefertigt. Das Manuskript wurde jedoch bald darauf gestohlen und wurde erst 1338 von Petrarca wiedergefunden. Berühmt ist die Handschrift auch für ihr allegorisches Frontispiz, das die Aeneis, die Georgica und die Eklogen repräsentiert und um 1340 von Simone Martini geschaffen wurde.

Petrarca: Vergilianus-Codex

Diese berühmte Handschrift, die die Hauptwerke des so einflussreichen römischen Dichters Vergil (70–19 v. Chr.) enthält, wurde von dem humanistischen Gelehrten Petrarca (1304–74) in Auftrag gegeben und mit einem prächtigen Frontispiz des Meisters Simone Martini ausgestattet. Weitere Texte sind die Kommentare von Servius sowie Texte von Horaz, Statius und Donatus. Das Exemplar ist somit eine physische Manifestation der Frührenaissance und der Wiederentdeckung von Werken aus der Antike sowie ein Artefakt des prunkvollen Hofes des Papsttums in Avignon. Es handelt sich um ein begehrtes Manuskript mit einer turbulenten Geschichte, das auch Einblicke in Petrarcas persönliches Leben gewährt: Petrarca vermerkte darin verschiedene Ereignisse in dem Codex, darunter den Tod seines Sohnes Giovanni und seiner geliebten Laura.

Ursprünge in Avignon

Der Text des Manuskripts wurde im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts in Avignon geschrieben und ist mit blauen und roten Initialen sowie einer großen goldenen Initiale am Anfang jedes der Werke verziert. Fast jede Seite des Codex hat eine breite innere und eine schmale äußere Spalte: Die breite Spalte besteht aus Vergils Originaltext, die schmale aus dem Kommentar des Servius. Der Codex wurde sogar um 1325 gestohlen, bevor er 1338 von Petrarca wiedergefunden werden konnte. In der Zwischenzeit kam der Künstler Simone Martini (um 1284-1344) nach Avignon und fand eine Anstellung am Hof von Papst Benedikt XII. (reg. 1334–42), wo er sich mit Petrarca anfreundete. Martini schuf zwischen 1338 und 1340 eine ganzseitige Miniatur für das Manuskript, vermutlich als Geschenk für seinen Freund. Die Handschrift spiegelt auch die großzügige Förderung der Künste am dekadenten und weltlichen päpstlichen Hof in Avignon wider, den Petrarca als "Babylon des Westens" bezeichnete.

Martinis prächtige Miniatur

Diese prächtige ganzseitige Miniatur zeugt sowohl von den künstlerischen Fähigkeiten Martinis als auch von seiner Freundschaft mit Petrarca. Sie zeichnet sich durch einen raffinierten Stil mit weichem Kolorit, einem Reichtum an naturalistischen Details und einer Symbolik aus, die es in sich hat. Servius, der spätantike römische Grammatiker und Autor einer Reihe von Kommentaren zu den Werken Vergils, enthüllt im übertragenen Sinne die Bedeutung dieser Werke, indem er den Autor buchstäblich entschleiert, als ober er einen Vorhang von der verborgenen Bedeutung zurückziehen würde. Ein Soldat, ein Bauer und ein Hirte dienen als allegorische Figuren, die die jeweiligen Themen der Aeneis, der Georgica und der Eklogen darstellen. Alle Figuren haben einzigartige und berührend ausdrucksstarke Gesichter, während Servius in übertriebener Weise gestikuliert.

Eine turbulente Besitzgeschichte

Nach Petrarcas Tod wurde die Handschrift Francesco da Carrara in Padua vermacht. Als die Stadt 1388 von Gian Galeazzo erobert wurde, gelangte das Manuskript zusammen mit den übrigen Sammlungen der Carraresi in die große Visconti-Sforza-Bibliothek in Pavia. Im Jahr 1471 wurde die Handschrift für zwanzig Tage an Alessandro Sforza ausgeliehen, damit er sie kopieren konnte. Nach der Niederlage und Gefangennahme von Ludovico Sforza wurde Pavia zusammen mit dem Rest des Herzogtums Mailand 1499 von französischen Truppen besetzt, und der Codex sollte zu den 900 Handschriften gehören, die als Beute nach Frankreich zurückgebracht wurden, wurde aber von einem gewissen patriotischen Pavianer namens Antonio di Pirro ein weiteres Mal gestohlen. Das Manuskript befand sich Ende des 16. Jahrhunderts in Rom, bis es im Jahr 1600 von Kardinal Agostino Cusani an den Erzbischof von Mailand, Federico Borromeo, verkauft wurde, der es im Namen der Biblioteca Ambrosiana erwarb**.

Kodikologie

Alternativ-Titel
The Ambrosian Virgil of Francesco Petrarca
Francisci Petrarcae Vergilianus Codex
Virgilio ambrosiano
Umfang / Format
538 Seiten / 41,0 × 26,5 cm
Herkunft
Italien
Datum
Ca. 1300–1325
Stil
Sprache
Inhalt
Vergils Bucolica, Georgica und Aeneis; Servius' Exegese; Statius' Achilleis inklusive Accessus und Kommentar; 4 Oden von Horaz (II 3, II 10, II 16 und IV 7) mit dem Kommentar des Pseudo-Acron und einigen mittelalterlichen Glossen; zwei Exegesen des dritte
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Francesco da Carrara
Visconti Bibliothek in Pavia
Cardinal Federico Borromeo

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Detailbild

Petrarca: Vergilianus-Codex

Einleitung der Achilleis

Dieses unvollendete epische Gedicht des griechisch-römischen Dichters Statius schildert das Leben von Achilles und ist im hinteren Teil der Handschrift zusammen mit anderen vergilverwandten Werken, darunter vier Oden von Horaz, angefügt. Ein glänzender Goldbuchstabe "M" mit Verzierungen in roter und blauer Tinte leitet die Anfangszeilen des Gedichts ein, die eine Anrufung des Dichters an die Musen und Apollo mit der Bitte um Inspiration darstellen. Die Götter mögen Statius zwar die Inspiration gegeben haben, das Werk zu beginnen, aber sie schenkten ihm nicht die Langlebigkeit, es zu vollenden, und so wurden bis zu seinem Tod um 96 n. Chr. nur eineinhalb Bücher fertiggestellt.

Francisci Petrarcae Vergilianvs codex
Einzelseite

Petrarca: Vergilianus-Codex

Allegorisches Frontispiz

Dieses berühmte Frontispiz wurde 1340 von dem sienesischen Meister Simone Martini geschaffen und stellt allegorisch die drei Hauptwerke Vergils dar. Der antike römische Dichter lehnt mit einer Feder in der rechten Hand an einem Baum, während er mit der linken Hand ein Buch auf den Knien hält und in den Himmel blickt, als suche er nach den richtigen Worten. Er verbirgt sich hinter einem Vorhang, der von dem spätantiken römischen Grammatiker Servius, dem Verfasser einer Reihe von Kommentaren zu den Werken Vergils, buchstäblich und metaphorisch zurückgezogen wird.

Aeneas ist neben Servius dargestellt, wie er sich auf einen langen Speer stützt und seine Hand auf den Griff eines Langschwerts legt. Sein blauer Mantel zeigt ein grünes Futter und einen roten Gürtel mit einem Dolch. Der Bauer, der in der linken unteren Ecke mit einem Schnabelhaken Weinreben beschneidet, steht für die Georgica, während der Hirte, der neben ihm ein Schaf melkt, die Eklogen darstellt. Die beiden Banderolen in der Mitte der Seite enthalten Widmungen an Vergil bzw. Servius.

Francisci Petrarcae Vergilianvs codex
Faksimile-Editionen

#1 Francisci Petrarcae Vergilianvs codex

Hoepli – Mailand, 1930

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Hoepli – Mailand, 1930
Kommentar: 1 Band von Achille Ratti und Giovanni Galbiati
Sprache: Italienisch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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