Thomas Murner - M. A. Sabellici Hystory von anbeschaffener welt

Thomas Murner - M. A. Sabellici Hystory von anbeschaffener welt – Badenia Verlag – K 15 und K 3117 / Ms. 268 – Badische Landesbibliothek (Karlsruhe, Deutschland) / Humanistenbibliothek Schlettstadt (Schlettstadt, Frankreich)

Elsass (Frankreich) — 1534/35

Mit nicht weniger als 343 Abbildungen von der Hand des Hofdichters Kaiser Maximilians: Ein spätes und ungedruckt gebliebenes Werk der Universalgeschichte übersetzt von Thomas Murner, das nur in einem einzigen Manuskript erhalten war

  1. Thomas Murner (1475 - ca. 1537) war ein elsässischer Dichter, Übersetzer, Satiriker und Mitglied des Franziskanerordens

  2. Er erhielt Anerkennung als Dichter und Theologe von Kaiser Maximilian I. und König Heinrich VIII. von England

  3. Murners Übersetzung der Universalgeschichte von Sabellicus (1436-1506) war wahrscheinlich sein letztes Werk

Thomas Murner - M. A. Sabellici Hystory von anbeschaffener welt

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Thomas Murner - M. A. Sabellici Hystory von anbeschaffener welt

Thomas Murner war ein Dichter, Übersetzer und Satiriker aus dem Elsass, der 1490 in den Franziskanerorden eintrat, bevor er 1495 zu ausgedehnten Reisen aufbrach. Seine Reisen, bei denen er als Lehrer und Prediger tätig war, führten ihn nach Frankreich, in die Schweiz, nach Polen und Italien. Im Jahr 1505 wurde er von Kaiser Maximilian I. zum Hofdichter ernannt und kam 1523 auf Einladung von König Heinrich VIII. nach England. Die über 70 erhaltenen Werke Murners zeugen nicht nur von seinen vielfältigen Interessen, sondern auch von seiner beißenden Satire, die sich gegen Korruption und die Reformation, insbesondere gegen Martin Luther, richtete. Er war auch ein geschickter und produktiver Übersetzer, der nicht nur aus dem Lateinischen, sondern auch aus dem Hebräischen übersetzen konnte. Murners Übersetzung der berühmten, von Sabellicus verfassten Universalgeschichte war ein Spätwerk und wurde nie gedruckt. Sie ist teilweise in einem Manuskript mit 343 Abbildungen von Murners eigener Hand erhalten, das nun erstmals als Faksimile-Ausgabe vorliegt.

Thomas Murner - M. A. Sabellici Hystory von anbeschaffer welt

Enneades sive Rhapsodia historiarum ist das berühmteste Werk des venezianischen Historikers, Professors und Kurators der Biblioteca Marciana Marcus Antonius Coccius Sabellicus (1436–1506). Er arbeitete zwischen 1498 und 1504 an seiner 92 Bände umfassenden Universalgeschichte, dem ersten humanistischen Werk dieser Art. Der populäre Text wurde mehrfach übersetzt und veröffentlicht, so auch in dieser unveröffentlichten deutschen Übersetzung aus einem elsässischen Manuskript von 1534/35. Sie wurde von Thomas Murner (1475 – ca. 1537) geschrieben und illustriert und ist möglicherweise das letzte Werk, das von seiner Hand stammt. Ursprünglich bestand es aus zehn Bänden, von denen drei erhalten geblieben sind: zwei werden in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt, während sich der dritte in der berühmten Humanistischen Bibliothek von Sélestat (Schlettstadt) in Frankreich befindet. Außerdem sind 344 Miniaturen erhalten, die von Murner als Vorlagen für Holzschnitte geschaffen wurden. Die Faksimile-Ausgabe führt die drei erhaltenen Bände zusammen und enthält somit alle 344 überlieferten Bildwerke.

Ein umstrittener Theologe

Obwohl Thomas Murner ein produktiver Schriftsteller und Übersetzer war, der für seinen schonungslosen satirischen Humor bekannt war, war er in erster Linie Franziskanermönch und Reformationsgegner. Murners Vorgesetzte erkannten seine Intelligenz und schickten ihn zum Studium an Universitäten in ganz Europa. Obwohl er mit Leidenschaft und Fleiß zahlreiche Abschlüssen in den freien Künsten und der Theologie sowie Doktortitel im Zivil- und Kirchenrecht erwarb, machten ihm seine scharfe Zunge und seine Feder überall, wo er hinkam, Feinde. Dies mag einer der Gründe für seine vielen Reisen gewesen sein, da er wegen seiner streitsüchtigen Art schnell unbeliebt wurde und sogar den Spitznamen Murnar erhielt, der so viel wie "dumme Katze" bedeutet und auf seinen Namen anspielt.
Nichtsdestotrotz wurde sein Talent aber weiterhin anerkannt, so dass er etwa 1505 vom späteren römisch-deutschen Kaiser Maximilian I. (1459–1519) zum Poeta laureatus in Wien "gekrönt" wurde. Im Sommer 1523 kam Murner auf Einladung von König Heinrich VIII. (1491–1547) nach England und erregte dort die Aufmerksamkeit des berühmten englischen Humanisten Thomas More (1478–1535). Murner kehrte mit 100 Pfund und einem Brief des englischen Königs an den Magistrat der Stadt nach Straßburg zurück, um dort orthodoxen Einfluss zu üben. Die Reformation in Straßburg war jedoch zu viel für Murner, so dass er in die Schweiz zog und die letzten Jahre seines Lebens als Pfarrer von Oberehnheim verbrachte.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Thomas Murner - M. A. Sabellici Hystory von anbeschaffener Welt. Übersetzung der Enneades des Marcus Antonius Sabellicus
Umfang / Format
1308 Seiten / 33,0 × 21,0 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
1534/35
Sprache
Buchschmuck
343 illustrative Zeichnungen, die als Vorlage für Holzschnitte dienen sollten
Detailbild

Thomas Murner - M. A. Sabellici Hystory von anbeschaffer welt

Der König von Rom

Diese Medaillonminiatur, die fast eine halbe Seite einnimmt, erscheint in einem Abschnitt über die antiken römischen Könige, insbesondere die Tarquinier. Dargestellt ist ein zeitgenössischer Monarch mit Bart, der von den Römern als barbarisch angesehen wurde, bis er von Kaiser Hadrian popularisiert und mit dem hellenischen Griechenland assoziiert wurde. Der gekrönte König hält ein Zepter in der einen und einen globus cruciger, einen Reichsapfel, in der anderen Hand – die Insignien seiner Herrschaft. Er sitzt in ein prachtvolles Wams und mit Strumpfhosen bekleidet auf einem ausladenden Thron.

Thomas Murner - M. A. Sabellici Hystory von anbeschaffener Welt. Übersetzung der Enneades des Marcus Antonius Sabellicus
Einzelseite

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Die Schmiedekunst

Die Miniatur offenbart einen detaillierten Blick in eine mittelalterliche Schmiede: Ein gut gekleideter Schmied in Rückenansicht steht vor seiner Esse und betätigt einen Blasebalg. Hinter ihm steht ein Amboss, auf dem ein Hammer ruht, während rings umher Zangen und andere Werkzeuge zu sehen sind. Der Künstler nutzte geschickt perspektivische Mittel, um den Innenraum auf überzeugende Weise für den Betrachter zu öffnen.

Der Eingang zur Werkstatt wird von einer nackten, geflügelten weiblichen Figur auf einem hohen Podest bewacht. Sie ist gekrönt und hält einen Speer in der rechten und einen griechischen Schild in der linken Hand. Damit ist sie möglicherweise als Personifikation des Sieges zu verstehen. Es ist offenkundig, dass diese Miniatur, wie auch die anderen in der Handschrift, so gestaltet wurde, dass sie leicht in einen Holzschnitt umgewandelt werden konnte. Das zeigen insbesondere die vielen Linien, die zur Schattierung eingesetzt wurden.

Thomas Murner - M. A. Sabellici Hystory von anbeschaffener Welt. Übersetzung der Enneades des Marcus Antonius Sabellicus
Faksimile-Editionen

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