Ulrich Pinder: Speculum passionis domini nostri Ihesu christi

Ulrich Pinder: Speculum passionis domini nostri Ihesu christi – Edition Leipzig – Bs 2405|Scr. et eccl. 551 – Staatsbibliothek zu Berlin (Berlin, Deutschland)

Text: Salzburg (Austria) Holzschnitte: Nürnberg (Deutschland) — Text: 1663 Holzschnitte: 1507

Das Leiden Christi als geistlicher Spiegel: Die Evangelien, eindringliche Betrachtungen und meisterhafte Holzschnitte aus dem Umkreis Albrecht Dürers zu einer bewegenden Passionsfolge vereint

  1. Deutsche Ausgabe im Jahr 1663 in Salzburg bei Johann Baptist Mayr erschienen

  2. Passionsberichte der vier Evangelien mit theologischer Auslegung und meditativer Betrachtung verbunden

  3. Berühmte Holzschnittfolge von 1507 mit rund vierzig großformatigen Darstellungen aus dem Umfeld Albrecht Dürers

Ulrich Pinder: Speculum passionis domini nostri Ihesu christi

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Ulrich Pinder: Speculum passionis domini nostri Ihesu christi

Als „Spiegel des bitteren Leidens und Sterbens Jesu Christi“ verbindet Ulrich Pinders Speculum passionis domini nostri Ihesu christi die Passionsberichte der vier Evangelien mit Auslegungen der Kirchenväter zu einer eindringlichen Betrachtung des Erlösungswerks. Die deutsche Salzburger Ausgabe von 1663 überträgt Pinders Passionsmeditation in die Volkssprache; die berühmte Holzschnittfolge stammt aus der Nürnberger Erstausgabe von 1507. Monumentale Darstellungen der Passion Christi und zahlreiche kleinere Bildszenen vereinen theologische Deutung mit erzählerischer Kraft. Geschaffen wurden sie von Hans Schäufelein, Hans Baldung Grien und weiteren Künstlern aus dem Nürnberger Umfeld Albrecht Dürers. Das Werk enthält die ersten von Schäufelein signierten Buchholzschnitte. Die Verbindung von Evangelienharmonie, geistlicher Betrachtung und herausragender Renaissancegrafik macht Pinders Passionsspiegel zu einem eindrucksvollen Zeugnis frühneuzeitlicher Frömmigkeit und Buchkunst.

Die Passion Christi als geistlicher Spiegel

Ulrich Pinders Speculum passionis domini nostri Ihesu christi führt die Berichte der vier Evangelien zu einer zusammenhängenden Erzählung vom Leiden, Tod und der Auferstehung Christi zusammen. Die biblischen Texte werden durch Auslegungen und betrachtende Abschnitte vertieft. So entstand eine Anleitung zur inneren Teilnahme am Passionsgeschehen.

Der Leser begleitet Christus von den Ereignissen vor der Gefangennahme über Verhör, Verspottung und Kreuztragung bis zur Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung. Die einzelnen Stationen vergegenwärtigen nicht nur das körperliche Leiden, sondern deuten es als Erlösungswerk. Das Buch verbindet damit Evangelienharmonie, Glaubenslehre und persönliche Andacht.

Ulrich Pinder und die Nürnberger Erstausgabe

Ulrich Pinder wirkte in Nürnberg als Arzt, Schriftsteller und Druckherr. Im Jahr 1507 veröffentlichte er dort die lateinische Erstausgabe seines Passionsspiegels. Das Werk gliedert sich in drei Teile und verbindet den gedruckten Text mit einer umfangreichen Bildfolge. Bereits seine Anlage zeigt den Anspruch, theologische Unterweisung durch eindringliche Anschauung zu ergänzen.

Die deutsche Ausgabe erschien 1663 in Salzburg bei Johann Baptist Mayr. Sie übertrug Pinders lateinische Betrachtungen in die Volkssprache und öffnete sie damit einem neuen Leserkreis. Die hier zusammengeführte Überlieferung verbindet diesen deutschen Text mit den berühmten Holzschnitten der Nürnberger Ausgabe von 1507 – zwei Zeugnisse aus unterschiedlichen Epochen der Passionsfrömmigkeit.

Eine Bildfolge aus dem Umkreis Albrecht Dürers

Die Holzschnitte entstanden in einem bedeutenden Zentrum der deutschen Renaissance. Den größten Teil der großformatigen Darstellungen schuf Hans Schäufelein, der damals in Albrecht Dürers Nürnberger Werkstatt tätig war. Weitere Blätter werden Hans Baldung Grien, Wolf Traut und Erhard Schön zugeschrieben. Damit vereint das Werk mehrere prägende Künstler der Nürnberger Druckgrafik.

Rund vierzig große und zahlreiche kleinere Holzschnitte begleiten den Text. Sie zeigen unter anderem den Verrat des Judas, Christus vor seinen Richtern, die Geißelung, Kreuztragung, Kreuzigung, Beweinung und Grablegung. Die Szenen verwandeln die Passion in eine bildlich erfahrbare Abfolge von Schmerz, Opfer und Erlösung.

Erzählkraft und geistliche Vertiefung

Die Figuren treten dem Betrachter mit ausdrucksstarken Gesten und deutlich lesbaren Emotionen entgegen. Gedrängte Menschengruppen, markante Architektur und präzise Bewegungen steigern die dramatische Wirkung. Zugleich lenken die Kompositionen den Blick immer wieder auf Christus als ruhenden Mittelpunkt des Geschehens.

Text und Bild erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Die Evangelien berichten, die Auslegungen erschließen den geistlichen Sinn, und die Holzschnitte machen die Ereignisse unmittelbar gegenwärtig. Dieses Zusammenwirken von Erzählung, Deutung und Anschauung prägt den Charakter des Passionsspiegels.

Zwischen spätmittelalterlicher Andacht und Renaissancekunst

Das Speculum passionis entstand in einer Zeit, in der die persönliche Betrachtung des Leidens Christi zu den wichtigsten Formen christlicher Frömmigkeit gehörte. Gläubige sollten die einzelnen Stationen nicht nur kennen, sondern sie im Gebet miterleben und daraus Trost, Reue und Hoffnung gewinnen. Die Drucktechnik erlaubte es, solche Texte und Bilder über einen größeren Leserkreis zu verbreiten.

Pinders Werk bewahrt diese intensive Passionsfrömmigkeit in einer künstlerisch eindrucksvollen Form. Die Verbindung des deutschen Textes von 1663 mit der Holzschnittfolge von 1507 zeigt zugleich, wie dauerhaft seine Bildsprache wirkte. So begegnen sich in einem Buch spätmittelalterliche Meditation, frühneuzeitliche Glaubensvermittlung und die Ausdruckskraft der deutschen Renaissance.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Ulrich Pinder: Speculum passionis. Das Das ist: Spiegel deß bitteren Leydens vnd Sterbens Jesu Christi
Umfang / Format
357 Seiten / 20,5 × 16,0 cm
Herkunft
Österreich
Datum
Text: 1663 Holzschnitte: 1507
Sprache
Buchschmuck
41 große und 32 kleinere kolorierte Holzschnitte
Künstler / Schule
Faksimile-Editionen

#1 Ulrich Pinder: Speculum passionis. Das Das ist: Spiegel deß bitteren Leydens vnd Sterbens Jesu Christi

Edition Leipzig – Leipzig, 1986

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Edition Leipzig – Leipzig, 1986
Einband: Hardcover im roten Pappschuber mit zwei Christusdarstellungen
Kommentar: 1 Band von Helmer Junghans und Christa-Maria Dreißiger
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Teilfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion der deutschen Ausgabe von 1663 mit den Holzschnitten der lateinischen Originalausgabe von 1507 (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Ausgabe bei uns verfügbar!
Preis bitte anfragen!
Das könnte Sie auch interessieren:
Kaiser Maximilian der I. - Die Abenteuer des Ritters Theuerdank – Müller & Schindler – Ra 16 The 1 – Württembergische Landesbibliothek (Stuttgart, Deutschland)
Kaiser Maximilian der I. - Die Abenteuer des Ritters Theuerdank
Augsburg (Deutschland) – 1517

Der Kaiser als ritterlicher Held im bedeutendsten Werk der deutschen Renaissance: Ein Ritterepos mit biographischen Zügen, verfasst von Kaiser Maximilian I. höchst selbst und mit 118 meisterlichen Holzschnitten illustriert

Erfahren Sie mehr
Maximilian I. und Melchior Pfintzing: Theuerdank – Pytheas Books – Sp Coll Hunterian At.1.10 – University of Glasgow (Glasgow, Vereinigtes Königreich)
Maximilian I. und Melchior Pfintzing: Theuerdank
Nürnberg (Deutschland) – 1517

Verfasst vom deutsch-römischen Kaiser Maximilian I. höchst selbst und mit starken autobiografischen Zügen: Das letzte ritterliche Versepos des Mittelalters, ausgestattet mit 118 goldverzierten Holzschnitten

Erfahren Sie mehr
Speculum Animae – Edilan – Esp. 544 – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)
Speculum Animae
Valencia (Spanien) – Spätes 15. Jahrhundert

Der berühmt gewordene "Spiegel der Seele" aus der Feder einer der wichtigsten Autorinnen des Mittelalters: Religiöse Texte und biblische Szenen in 75 wunderbaren Miniaturen von Schwester Isabel de Villena

Erfahren Sie mehr
Die Geschichte der Passion unseres Herrn Jesuchrist – Vicent Garcia Editores – Inc. 304 – Biblioteca Històrica de la Universitat de València (Valencia, Spanien)
Die Geschichte der Passion unseres Herrn Jesuchrist
Valencia (Spanien) – 11. Januar 1493

Der Übergang vom Mittelalter zur Renaissance: Ein Kleinod der hohen Dichtkunst der Schule von Valencia und ein Meilenstein des frühen spanischen Buchdrucks mit 130 meisterhaften Holzschnitten zur Passion Christi

Erfahren Sie mehr
Triumphzug Kaiser Maximilians I. - Grazer Codex – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Rara 1   III 11722 – Universitätsbibliothek Heidelberg (Heidelberg, Deutschland)
Triumphzug Kaiser Maximilians I. - Grazer Codex
Wien (Österreich) – 1526

Hochmoderne PR-Arbeit aus der Zeit der Renaissance, geschaffen von den besten Holzschneidern dieser Tage: 99 kolorierte Holzschnitte mit den glanzvollsten Momenten aus der Regierungszeit Kaiser Maximilians I.

Erfahren Sie mehr
Speculum Humanae Salvationis: Ein niederländisches Blockbuch – Pieper Verlag – Xylogr. 37 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)
Speculum Humanae Salvationis: Ein niederländisches Blockbuch
Utrecht (Niederlande) – Um 1468–1479

Ein äußerst seltener Einblick in die Bücherwelt des 15. Jahrhunderts: Ein „Spiegel des menschlichen Heils“ in einem Blockbuch mit 58 meisterhaften Holschnitten als erschwinglichere Alternative zu Gutenbergs Erfindung der beweglichen Lettern

Erfahren Sie mehr
Filterauswahl
Verlag