Vander dochtere van Syon

Vander dochtere van Syon – De Nederlandsche Boekhandel – KW 150 B 66|R 47.3 – Koninklijke Bibliotheek Den Haag (Den Haag, Niederlande)

Antwerpen (Belgien) — 7 Jan. 1492

Von himmlischer Liebe verwundet: Die Seele als Tochter Zion, sieben anmutige Holzschnitte und innige Christusmeditationen vereint in einer kostbaren Antwerpener Inkunabel voll poetischer Bildkraft

  1. Am 7. Januar 1492 von Gheraert Leeu in Antwerpen in mittelniederländischer Sprache gedruckt

  2. Mystische Liebesallegorie um die Tochter Zion, begleitet von sieben anmutigen Holzschnitten

  3. Nur in zwei bekannten Exemplaren überliefert und durch zwei Meditationen zu Kindheit und Passion Christi ergänzt

Vander dochtere van Syon

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Beschreibung
Vander dochtere van Syon

Die Vander dochtere van Syon erzählt in eindringlichen Bildern von der menschlichen Seele, die als Tochter Zion von einer geheimnisvollen Liebe verwundet wird. Erkenntnis sucht vergeblich nach dem Urheber, Hoffnung und Glaube versuchen zu trösten, bis Weisheit offenbart, dass Caritas im Auftrag Christi gehandelt hat. Liebe und Gebet ziehen daraufhin zum himmlischen König und bringen heilenden Honig aus der Seitenwunde Christi zurück. Die mystische Allegorie gründet auf der Bildwelt des Hohelieds und verwandelt die Sehnsucht nach Gott in eine bewegende Geschichte von Liebeskrankheit, Suche und geistlicher Heilung. Gedruckt wurde das mittelniederländische Büchlein am 7. Januar 1492 von Gheraert Leeu in Antwerpen. Sieben anmutige Holzschnitte begleiten die Handlung; zwei anschließende Übungen führen zur Betrachtung der Kindheit und Passion Christi. Von dieser kostbaren Inkunabel sind nur zwei Exemplare bekannt.

Eine Seele, verwundet von himmlischer Liebe

Die anonyme Vander dochtere van Syon verwandelt die Beziehung zwischen Mensch und Gott in eine poetische Liebesgeschichte. Im Mittelpunkt steht die Tochter Zion, Sinnbild der liebenden Seele. Ein unsichtbarer Schütze hat ihr Herz verwundet und eine Sehnsucht entfacht, die sie körperlich und seelisch überwältigt. Die Allegorie greift die mystische Auslegung des Hohelieds auf und gestaltet Gottesliebe als schmerzhaftes, zugleich heilendes Verlangen.

Erkenntnis, im Text als Cognitio personifiziert, wird ausgesandt, den unbekannten Geliebten zu suchen. Sie durchstreift die Erde, kehrt jedoch ohne Erfolg zurück. Hoffnung und Glaube versuchen, die ohnmächtig gewordene Tochter zu trösten, können ihre Liebeskrankheit aber nicht lindern. Erst Weisheit enthüllt, dass Caritas die Seele im Auftrag des himmlischen Königs verwundet hat.

Liebe und Gebet auf dem Weg zu Christus

Die Tochter Zion verlangt nun danach, Christus ihrerseits mit Liebe zu verwunden. Caritas übernimmt die Botschaft und zieht gemeinsam mit Oratio, dem Gebet, zum König der Herrlichkeit. Der Höhepunkt überrascht: Die Tochter selbst begegnet Christus nicht. Stattdessen schießt Caritas auf den thronenden Erlöser, während Oratio den aus seiner Seitenwunde fließenden süßen Honig auffängt.

Mit diesem Heilmittel kehren beide zur Kranken zurück. Der Honig aus der Wunde Christi beendet ihre Qual und verwandelt unerfüllte Sehnsucht in geistliche Gewissheit. Liebe, Gebet und Betrachtung vermitteln die Nähe des abwesenden Christus – eine Botschaft, die auch den Leser zur inneren Teilnahme auffordert.

Eine lebendige Schule der Meditation

Die Handlung ist mehr als eine fromme Geschichte. Personifikationen wie Erkenntnis, Hoffnung, Glaube, Weisheit, Liebe und Gebet zeigen, welche Kräfte der Seele auf dem Weg zu Gott zusammenwirken. Trauer, Ohnmacht, Hoffnung, süße Tränen und stille Hingabe verleihen der Lehre eine ungewöhnlich eindringliche psychologische und erzählerische Gestalt.

Zwei weitere Texte führen die geistliche Übung fort. Der erste lädt dazu ein, Maria und das Christuskind von Weihnachten bis Mariä Lichtmess täglich zu besuchen und sinnbildlich einen Korb reifer Früchte mitzubringen. Jedem Wochentag ist eine Frucht und eine Szene aus dem Leben Jesu oder Mariens zugeordnet. Eine anschließende Fürbitte für eine Seele im Fegefeuer verbindet die Geburt Christi mit einer anschaulichen Betrachtung seiner Passion.

Sieben Holzschnitte voller erzählerischer Anmut

Sieben verschiedene Holzschnitte begleiten die Geschichte. Sie zeigen die verwundete Tochter, die Suche der Erkenntnis, Ohnmacht und Krankenlager, die Abreise von Liebe und Gebet, deren Begegnung mit Christus und ihre Rückkehr. Schlanke Figuren, ausdrucksvolle Gesten und sorgfältig komponierte Räume verleihen der mystischen Lehre eine anmutige, unmittelbar verständliche Bildsprache.

Text und Bild sind eng aufeinander bezogen. Die Holzschnitte halten entscheidende Momente fest und laden zum verweilenden Betrachten ein. Mehrere Druckstöcke wurden später in anderen niederländischen Drucken wiederverwendet, sodass sich die Wirkung der Bildfolge über dieses Büchlein hinaus verfolgen lässt.

Eine kostbare Antwerpener Inkunabel

Gheraert Leeu vollendete den mittelniederländischen Druck am 7. Januar 1492 in Antwerpen. Auf nur 32 Seiten vereint das handliche Buch mystische Allegorie, erzählerische Spannung, Gebet und meditative Anleitung. Seine Volkssprache machte die geistliche Unterweisung wahrscheinlich auch städtischen Laien zugänglich.

Nur zwei Exemplare des Drucks sind bekannt. In ihnen begegnen sich die poetische Mystik des Hohelieds, die gefühlvolle Bildwelt spätmittelalterlicher Frömmigkeit und die feine Kunst des frühen niederländischen Buchdrucks.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Vander dochtere van Syon een deuoet exercitie
Filia Sion
A Devout Exercise on the Daughter of Zion
Van de Dochter van Sion. Geestelijke oefeninge hoe men dat soete kindeken Jesus besoecken sal
Umfang / Format
32 Seiten / 20,5 × 13,0 cm
Herkunft
Belgien
Datum
7 Jan. 1492
Stil
Buchschmuck
Mehrere Holzschnitt
Inhalt
Prosa-Allegorie zur menschlichen Seele und Liebe zu Gott, basierend auf dem lateinischen Traktat Filia Sion; zwei kurze Meditationen zum Leben und Leiden Christi
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Joost Romswinckel (1745–1824)

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Vander dochtere van Syon – De Nederlandsche Boekhandel – KW 150 B 66|R 47.3 – Koninklijke Bibliotheek Den Haag (Den Haag, Niederlande)
De Nederlandsche Boekhandel – Antwerpen, 1941
Faksimile-Editionen

#1 Vander dochtere van Syon - Fac-simile-druk met een inleiding

De Nederlandsche Boekhandel – Antwerpen, 1941

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: De Nederlandsche Boekhandel – Antwerpen, 1941
Kommentar: 1 Band (10 S.) von Joannes Josephus Franciscus van Mierlo
Sprache: Niederländisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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